Eine Person hält Geldscheine und den Rentenbescheid der Deutschen Rentenversicherung in der Hand (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto)

Rente mit 63 – Wer kann die Frührente beantragen?

Ute Kunsmann   06.08.2022 | 19:31 Uhr

Immer mehr Arbeitnehmer möchten vorzeitig in Rente gehen. Bis 65 oder sogar 70 Jahre arbeiten, wie einige Arbeitgeber es gerade fordern, das ist für einige kaum vorstellbar. Der Trend geht bei vielen Beschäftigten eher in die andere Richtung. Und das ist mit der „Rente mit 63“ auch möglich. Doch wer muss mit finanziellen Abzügen rechnen?

Rund 14 Millionen Babyboomer werden in den nächsten 15 Jahren in Rente gehen. Das sind die geburtenstarken Jahrgänge bis 1964. Viele von ihnen werden die Altersrente mit 63 nutzen. Doch wer seine Rente vorzeitig in Anspruch nehmen möchte, muss mit Abzügen rechnen. Die können bis zu 14,4 Prozent betragen.

Zwei Varianten der Frührente

Für jeden Monat, den man vorzeitig in Rente geht,  werden 0,3 Prozent von der Rente abgezogen. Und zwar dauerhaft, nicht nur für die vorzeitigen Rentenzahlungen, sondern auch für die monatlichen Leistungen, die man bekommt, nachdem man das Regelrentenalter erreicht hat.

Bei der vorgezogenen Altersrente gibt es zwei wesentliche Unterscheidungen: Die Rente für „langjährig Versicherte“, bei der man 35 Versicherungsjahre nachweisen muss. Und es gibt die Altersrente für „besonders langjährig Versicherte“, die nach 45 Versicherungsjahren in Rente gehen können. Wann man was genau bekommen kann, hängt immer vom jeweiligen Geburtsjahr ab. 

Rente nach 45 Versicherungsjahren ohne Abschlag

Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte, kann man ohne Abschläge bekommen, wenn man mindestens 45 Beitragsjahre hat. Diese Rente gilt für alle, die zwischen 1953 und 1963 geboren sind. Hier steigt das Renteneintrittsalter je nach Geburtsjahr schrittweise an. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 kann man mit 65 Jahren in Rente gehen.

Wichtig bei dieser Rentenform ist aber zu wissen: Sie gilt nur nach 45 Beitragsjahren. Man kann sie nicht vorzeitig beziehen und sagen, dabei nehme ich gerne ein paar Abschläge in Kauf. Das geht leider nicht. 

Rente nach 35 Versicherungsjahren

Anders ist das bei dem vorgezogenen Ausstieg als „langjährig Versicherter“, also nach 35 Beitragsjahren. Hier gibt es geringere Entgeltpunkte, weil man ja früher aus dem Erwerbsleben steigt - und man muss auch noch mit Abschlägen auf die bereits erarbeitete Rente rechnen.

Für jeden Monat, den man früher als regulär in Rente geht, sinkt die Rente um 0,3 Prozent. Wer zum Beispiel zwei Jahre bzw. 24 Monate früher in Rente möchte, muss mit einer Rentenkürzung von 7,2 Prozent rechnen.

Abschläge steigen mit Geburtsjahr

Mit jedem Jahrgang steigt das Regelrentenalter, also der Einstieg in die „normale“ Rente. Damit steigt aber auch der Abschlag, den man hinnehmen muss, wenn man schon mit 63 in Rente gehen möchte. Ab dem Jahrgang 1964 kostet der Renteneintritt mit 63 Jahren Abschläge in Höhe von 14,4 Prozent.

Wer den frühestmöglichen Rentenbeginn der jeweiligen Varianten und die Rentenhöhe ausrechnen möchte, kann das mit dem Online-Rechner der Deutschen Rentenversicherungen machen. Genaue Auskunft bekommt man aber auch bei der Deutschen Rentenversicherung.

Was wird bei Rentenberechnung berücksichtigt?

Für die Berechnung der 35 Jahre werden alle Monate zusammengerechnet, in denen man in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert war. Dazu gehören Beiträge aus einer Beschäftigung, selbständigen Tätigkeit oder einem Minijob.

Es zählen auch Monate, in denen man Kranken- oder  Arbeitslosengeld bezogen hat. Ebenso die Schulausbildung und das Studium. Außerdem fließen freiwillige Beiträge mit ein oder Kindererziehungszeiten für die ersten 2,5 beziehungsweise drei Lebensjahre. Bei einer Scheidung zählen zudem auch Monate aus einem Versorgungsausgleich.

Ob man diese Voraussetzungen schon erfüllt oder noch erfüllen kann, sieht man in der Rentenauskunft, die die Rentenversicherung ab Ihrem 50. Lebensjahr automatisch zuschickt.

Auch 2022 noch erhöhte Hinzuverdienstgrenze

Grundsätzlich darf man 6.300 Euro im Kalenderjahr hinzuverdienen. Wird diese Grenze überschritten, wird die Rente nicht mehr in voller Höhe oder eventuell gar nicht mehr gezahlt.

Für das Jahr 2022 bleibt es aber noch bei der erhöhten Verdienstgrenze bei vorgezogenen Altersrenten bei 46.060 Euro. Das ist eine Corona-Sonderregelung, die immer noch gilt. Aber nicht vergessen: Es werden beim Hinzuverdienst je nach Höhe Steuern und Abgaben fällig. Wieviel dann netto übrig bleibt, klärt man am besten vorher mit seinem Steuerberater.

Rente rechtzeitig betragen

Wer vorzeitig in Rente möchte, muss rechtzeitig einen entsprechenden Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. Am besten etwa drei Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn.

Weitere Infos bietet die Deutsche Rentenversicherung hier zum Download an.

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