Geldscheine mit einem Haus, das durch das Unwetter beschädigt wurde. (Foto: SR/dpa)

Wer zahlt nach dem Unwetter?

  01.06.2018 | 11:19 Uhr

Vollgelaufene Keller, beschädigte Häuser und Autos - das Unwetter der vergangenen Nacht hat in Teilen des Saarlands eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Nun stellt sich die Frage, welche Versicherung zahlt.

Welche Versicherung zahlt bei Schäden durch Starkregen?

Wer sein Haus oder Inventar gegen Starkregen oder Hochwasser absichern will, braucht den erweiterten Naturgefahrenschutz - besser bekannt als Elementarschadenversicherung. Es gibt ihn als Zusatzbaustein zur bestehenden Wohngebäude- oder Hausratversicherung. In neueren Policen ist der Baustein oft schon enthalten. Bundesweit bieten rund 130 Versicherer diesen Schutz an.

Warum bestehen im Saarland so wenige Elementarversicherungen?
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Warum bestehen im Saarland so wenige Elementarversicherungen?
Die Bilder aus Bliesransbach sind noch frisch: Zerstörte Straßen, vollgelaufene Keller und Gärten, Geröll und Schutt überall. Nach derart verheerenden Unwettern stellt sich auch immer wieder die Frage nach dem Sinn und Nutzen einer Elementarschadenversicherung. Denn noch haben relativ wenig Saarländer eine derartige Versicherung. SR 3-Reporter Patrick Wiermer erklärt im Gespräch mit Moderator Siegfried Lambert warum der Anteil so gering ist.

Wann wird die Elementarschadenversicherung noch gebraucht?

Die Elementarschadenversicherung hilft, wenn Naturereignissen Schäden am Haus verursachen. Versichert sind:

  • Starkregen, Überschwemmung und Rückstau
  • Hochwasser
  • Schneedruck
  • Lawinen und Erdrutsch
  • Erdbeben
  • Vulkanausbruch

Video [aktueller bericht, 01.06.2018, Länge 3:21 Min.]
Entwicklung einer Elementarschaden-Versicherung

Wer kann eine Elementarschadenversicherung bekommen?

Wer ein Haus direkt am Flussufer hat und im Überschwemmungsgebiet wohnt, bekommt den Versicherungsschutz nur mit Hindernissen oder gegen Aufpreis. Im Saarland können 99 Prozent der Hausbesitzer eine Versicherung gegen Unwetterschäden abschließen. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft GDV geht bundesweit von der gleichen Quote aus. Auch die verbleibenden, besonders gefährdeten Häuser können fast alle mit Selbstbehalten oder nach individuellen baulichen Schutzmaßnahmen versichert werden.

Jeder vierte Saarländer gegen Starkregen versichert – Tendenz steigend

25 Prozent der Wohngebäudebesitzer im Saarland haben sich gegen Schäden durch Überschwemmungen versichert. Vor fünf Jahren – vor dem schweren Hochwasser 2013 – waren es nur 12 Prozent. Das belegen aktuelle Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Damit liegt das Saarland immer noch weit unter dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent.

Für die Eigentümer der rund 200.000 nicht versicherten Wohnhäuser im Saarland bleibt bei Starkregenschäden nur der Griff in die eigene Brieftasche. Das Problem: Viele Eigentümer unterschätzen die Überflutungsgefahr durch starke Regenfälle für ihr Haus.

Versicherungsschutz fürs Fahrzeug

Unwetter: Wann zahlt welche Versicherung?
Audio [SR 3, Studiogespräch: Frank Hofmann / Karin Mayer, 29.05.2018, Länge: 01:42 Min.]
Unwetter: Wann zahlt welche Versicherung?

Die Teilkaskoversicherung bietet Autofahrern Schutz vor Sturm, Hagel und Blitz sowie vor Überschwemmung. Wird das Fahrzeug beispielsweise von einer Flut mitgerissen und komplett zerstört, zahlt der Versicherer den Wiederbeschaffungswert oder bei neueren Autos je nach Vertrag sogar den Neupreis.  Mit einer Vollkaskoversicherung haben Autofahrer den Teilkasko-Schutz ebenfalls inklusive. Im Schadensfall muss der Versicherte nur die Selbstbeteiligung in der vereinbarten Höhe übernehmen.

Welche Schäden werden ersetzt?

Bei einem Totalschaden wird der Restwert des Fahrzeugwracks von der Erstattungssumme abgezogen. Die zusätzliche Schutzbriefversicherung übernimmt die Bergungs- und Abschleppkosten.

Bei einer Beschädigung werden die Reparaturkosten ersetzt - auch Schäden am Lack, die beispielsweise durch herumschwimmende Gegenstände verursacht wurden. Versichert sind auch fest im oder am Fahrzeug angebaute Fahrzeugteile, wie etwa ein Dachkoffer, außerdem Zubehör, das ausschließlich dem Gebrauch des Fahrzeuges dient, beispielsweise der Kindersitz.

Was ist nach einem Schaden zu tun?

Informieren Sie Ihren Versicherer: Um zügig an das Geld zu kommen, sollten die Schäden so schnell wie möglich dem Versicherer gemeldet werden. Das sollte unbedingt erfolgen, bevor Aufträge an Handwerksbetriebe vergeben werden.
Halten Sie Schäden gering: Direkt nach einem Unwetter sollte der Schaden so gering wie möglich gehalten werden. Zerstörte Fenster können provisorisch abgedichtet werden, um das weitere Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Herumliegende Gegenstände, wie abgebrochene Äste, Dachziegel oder Dachrinnen, sollten möglichst weggeräumt werden.
Dokumentieren Sie den Schaden: Der Schaden sollte möglichst anhand von Fotos und Kaufbelegen dokumentiert werden

Über dieses Thema wurde auch bei SR 3 Saarlandwelle am 01.06.2018 und am 04.06.2018 berichtet.

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