Ein Welpe beim Tierarzt. (Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert)

Wie sinnvoll Krankenversicherungen für Haustiere sind

Martina Kind   21.11.2022 | 07:33 Uhr

Wenn Hunde oder Katzen operiert werden müssen, kann das sehr schnell sehr teuer werden – insbesondere ab Dienstag, wenn die neue Gebührenordnung für Tierärzte gilt. Kann eine Tierkrankenversicherung die hohen Kosten im Ernstfall abfedern?

Ab dem 22. November müssen Tierhalterinnen und -halter deutlich tiefer in die Tasche greifen, wenn ihre vierbeinigen Begleiter erkranken oder einen Unfall haben und medizinisch behandelt werden müssen. Dann tritt eine neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und -ärzte (GOT) in Kraft.

Die Erhöhung der Tierarztkosten kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt und sorgt nicht zuletzt deshalb bei vielen für Ärger. Den kann der Präsident der Tierärztekammer des Saarlandes, Arnold Ludes, nur bedingt nachvollziehen. "Dass die Anpassung jetzt mit steigender Inflation, Energiepreisen, Lieferengpässen usw. zusammenfällt, liegt nicht an den Tierärzten, dies ist der Politik zuzuschreiben. Über diese Verordnung wurde jahrelang verhandelt."

Tatsächlich ist es die erste umfangreiche Überarbeitung der Gebührenordnung seit 1999. An den Sorgen der Tierbesitzerinnen und -besitzer ändert das dennoch wenig. Viele dürften sich nun die Frage stellen, ob sie angesichts der höheren Tierarztkosten eine Krankenversicherung für ihre Lieblinge abschließen sollen. Doch lohnt die sich wirklich? Was es dabei zu beachten gibt.



Welche Arten von Tierkrankenversicherungen gibt es und was decken sie ab?

Neben Krankenvollversicherungen gibt es auch reine Operationskostenversicherungen (OP-Versicherung), die ausschließlich Operationen und entsprechende Vor- wie Nachbehandlungen abdecken.

Laut der Stiftung Warentest, die im vergangenen Jahr mehr als 120 Kranken- und OP-Versicherungen für Hunde getestet hat, ist der umfangreichere Schutz, der auch nicht-operative medizinische Behandlungen und Untersuchungen beinhaltet, allerdings gleich mehr als dreimal so teuer. Während eine gute OP-Versicherung für einen drei Jahre alten, mittelgroßen Mischlingshund demnach schon ab 210 Euro im Jahr zu haben sei, werden bei der Vollversicherung zwischen 720 und 2400 Euro fällig.

Bei beiden Policen gilt in der Regel außerdem: Sie greifen nur bei medizinisch notwendigen Behandlungen. Eine Sterilisation oder Kastration bei Hunden oder Katzen fällt nicht darunter.


Wovon hängt die Beitragshöhe ab?

"Als Faustregel gilt: Je älter das Tier bei Vertragsabschluss ist, desto höher wird der Beitrag", fasst die Verbraucherzentrale des Saarlandes zusammen.

Neben dem Alter und der Gesundheit entscheidet bei Hunden aber auch die Größe und Rasse über die Beitragshöhe bei Versicherungsbeginn. So schätzen viele Anbieter das Krankheitsrisiko beispielsweise bei Labrador Retrievern, Rottweilern und Schäferhunden als besonders hoch ein. Bei einigen spielt darüber hinaus der Wohnort eine Rolle. Bei Katzen kommt es dagegen weniger auf die Rasse an. Unterschiede werden vielmehr zwischen Hauskatzen und Freigängern gemacht.

Letztlich hängt die Beitragshöhe auch vom gewählten Tarif ab; viele Versicherer bieten dabei drei bis vier Varianten mit oder ohne Selbstbeteiligung an – von Basis bis Premium Plus. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die höheren Tierarztkosten auch zu steigenden Prämien in der Versicherung führen.

Tierarztkosten steigen
Neue Gebührenordnung der Tierärzte
Ab 22. November gilt eine neue Gebührenordnung für Tierärzte. Das war dringend notwendig –sagen die Tiermediziner. Denn die alten Sätze stammen aus dem Jahr 1999. Zudem sind neue, teurere Behandlungsmethoden hinzugekommen. Wie teuer wird es? Und können sich dann noch alle wie bisher ein Tier leisten?


Undurchschaubare Klauseln: Worauf ist bei den Versicherungen zu achten?

Sowohl die Stiftung Warentest als auch die Verbraucherzentrale des Saarlandes warnen vor undurchschaubaren Klauseln und komplizierten Regelungen. So schließen etwa einige Versicherer alle Krankheiten und Fehlentwicklungen vom Versicherungsschutz aus, die bei Vertragsschluss vorhanden waren. Bei einer Hüftdysplasie bei Golden Retrievern oder Atemproblemen bei überzüchteten Boxern oder Möpsen durch zu kleine Nasenlöcher bezahlen sie also nicht.

Viele Anbieter von Krankenvoll- und OP-Versicherungen erhöhen zudem mit wachsendem Alter des Tieres automatisch die Beiträge und die Selbstbeteiligung, während sie gleichzeitig die Leistungen senken.

Wegen neuer Kosten
Tierheime leiden unter Kostenexplosion
Egal ob Gas, Lebensmittel oder Kleidung – alles wird teurer. Auch bei den Produkten rund ums Haustier schnellen die Preise in die Höhe. Was passiert, wenn die Kosten für den tierischen Freund einfach nicht mehr zu stemmen sind? Darüber zerbrechen sich derzeit nicht nur viele Tierhalter die Köpfe.

Und: Die Verbraucherzentrale des Saarlandes weist darauf hin, dass die Tierarztpraxen für alle Behandlungen in der Regel den dreifachen Satz der GOT berechnen. Von den Versicherern wird allerdings meist nur der zweifache Satz bezahlt; es sei denn, es handelt sich um einen Notfall.

Üblich sei außerdem, dass nur 80 Prozent der erstattungsfähigen Kosten übernommen werden. Die Versicherten zahlen also meist eine Selbstbeteiligung von 20 Prozent. Darüber hinaus gebe es Anbieter, die Tierarztkosten nur bis zu einem bestimmten jährlichen Betrag, etwa 2000 Euro, übernehmen. Kosten, die diese Obergrenze übersteigen, sind nicht abgedeckt. Bei teuren Behandlungen bleiben die Halterinnen und Halter also trotz Versicherung auf einem Großteil der Kosten sitzen.

Anbieter können die Verträge nach einem Leistungsfall darüber hinaus einfach kündigen. Ist das Tier zu dem Zeitpunkt bereits älter, haben Halterinnen und Halter im Anschluss mitunter Schwierigkeiten, einen neuen Anbieter zu finden – viele haben ein Höchsteintrittsalter festgelegt.


Welche Versicherung lohnt sich wirklich?

Anders als die saarländische und die Bundestierärztekammer rät die Verbraucherzentrale des Saarlandes von einer Krankenvollversicherung eher ab. Statt erhebliche Beiträge an eine Versicherung zu zahlen und im Leistungsfall dennoch einen Anteil selbst finanzieren zu müssen, sei es sinnvoller, Rücklagen zu bilden.

Zusätzlich könne die OP-Versicherung im Ernstfall helfen, hohe Operationskosten abzufedern – vorausgesetzt, es handelt sich um ein Angebot mit hohem Leistungsniveau und wenig Ausschlüssen. Wichtig ist also, dass sich Tierbesitzerinnen und -besitzer mit den Versicherungsbedingungen sehr genau auseinandersetzen und die Angebote vergleichen.

Wer sich trotz dessen einen Vollschutz leisten kann und will, sollte nach Angaben der Bundestierärztekammer in jedem Fall darauf achten, dass Folgendes im Versicherungsschutz enthalten ist:

  • Freie Tierarztwahl
  • Therapiefreiheit des Tierarztes
  • Durchführung von regelmäßigen Prophylaxemaßnahmen wie Impfungen, Geriatrie Screening und Gesundheitschecks
  • Operationen und deren Nachsorge
  • Kostenübernahme bis zum dreifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), damit z. B. auch Notfälle und Unfälle abgedeckt sind
  • Es sollte transparent sein, welche Leistungen und Kriterien vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind (z. B. Altersgrenze, Erbkrankheiten, chronische Krankheiten, Naturheilverfahren, Operationen)


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