Müll aus dem Alltag (Foto: Leonie Rottmann/SR)

Nachhaltiger im Alltag leben

Leonie Rottmann   06.12.2018 | 06:30 Uhr

Wir leben in einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Und die ist voll von Dingen, die unserem Planeten schaden. Was mit der Umwelt passieren wird, wenn wir weiterhin so viel Müll produzieren, bleibt fraglich. Nachhaltigkeit ist deshalb ein großes Thema. Unsere Autorin hat sich auf die Suche nach alltagstauglichen Alternativen zu Plastikverpackungen begeben.

Ich dachte, ich würde nicht viel Müll produzieren und würde schon darauf achten, nachhaltig zu leben. Zwei Tage habe ich meinen Alltag beobachtet und festgehalten, wie viel Müll ich tatsächlich produziere. Ausgenommen davon habe ich Biomüll und Hygieneartikel wie Toilettenpapier.

Überall Plastik

Thementag
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„Nur noch kurz die Welt retten“ - Das würde ja eigentlich jeder gerne. Nur wie? Es gibt tausende Ratgeber und noch mehr gute Ratschläge für ein umweltbewusstes Leben. Da fällt der Durchblick schwer. Der Saarländische Rundfunk will deshalb Licht in den Dschungel der Nachhaltigkeit bringen.

Am extremsten waren meine Entdeckungen im Badezimmer: Duschgels, Shampoo, Zahnpasta, sogar die Zahnbürste, Haarspray, Make-Up, Cremes. Die Liste ließe sich unendlich fortführen. Zusätzlich zur Plastikverpackung enthalten die meisten Kosmetikprodukte auch noch Mikroplastik.

Auch in der Küche bin ich fündig geworden. Wasserflaschen, Kaffee, teilweise Obst und Gemüse in Plastik verpackt, Käsepackungen, Süßstoff, Brot, Müsli, Nüsse. Auch das ist nur ein Bruchteil dessen, was ich gesammelt habe.

Sogar im Schlaf- beziehungsweise Wohnbereich herrscht eine wahre Plastikflut, wenn auch weniger dramatisch als in den anderen Räumen. Vor allem meine Dekoartikel bestehen dort aus Plastik. Darüber hinaus hängt in meinem Auto ein Lufterfrischer aus Plastik, es liegen Taschentuchpakete bereit. Und natürlich waren auch meine Haushaltsgeräte wie Kaffeemaschine, Staubsauger und der Wasserkocher ursprünglich in Plastik verpackt.  

Auf der Suche nach Alternativen

Nachdem ich alle Plastikgegenstände aus meiner Wohnung zusammengeräumt hatte, waren die Schränke und Regale so gut wie leer. Das wollte ich ändern. Mir war aber von Anfang an klar, dass ich es nicht sofort schaffen würde, ganz ohne Müll zu leben. Auf einige Produkte kann und will ich nicht verzichten, weil ich keine adäquate Alternative dafür sehe. Dazu gehören zum Beispiel einige Kosmetikprodukte. Trotzdem wollte ich etwas in meinem Alltag verändern, um zumindest ein kleines bisschen nachhaltiger zu leben. Also habe ich mich auf die Suche nach Alternativen begeben.

Alternativen zu Plastik im Alltag


Mein Fazit aus dem Selbstversuch

Besonders erschrocken hat mich, dass mir so wenig bewusst war, wie viel Müll ich tatsächlich produziere. Die Gewohnheit lässt uns viele Dinge im Alltag einfach übersehen. Ich wollte es genauer wissen und habe meinen Müll gewogen. In zwei Tagen haben sich über drei Kilo Müll angesammelt. Auf das Jahr gerechnet sind das etwa 600 Kilo Müll, nur von mir.

Auch wenn ich mir derzeit nicht vorstellen kann, nach dem „Zero Waste“-Lebensstil zu leben, also komplett ohne Müll, werde ich in Zukunft versuchen, im Rahmen meiner Möglichkeiten so nachhaltig wie möglich zu leben. Wenn jeder von uns ein bisschen spart, ist das immerhin besser, als wenn wir einfach so weiterleben wie bisher.   


Caroline Jung (BUND Saar) zur Nachhaltigkeit im Alltag

Caroline Jung ist Beisitzerin im Landesvorstand des BUND Saar mit dem Schwerpunkt für nachhaltige Lebensstile. Darüber hinaus ist sie Mitglied im Rat für Nachhaltigkeit der Landesregierung.

Was empfehlen Sie, um im Alltag nachhaltiger zu leben?

"Insgesamt sollte man sich zuerst vor Augen führen, dass wir in Deutschland derzeit einen Pro-Kopf-Ausstoß von neun Tonnen Treibhausgasen pro Jahr haben. Wollen wir das Klimaziel erreichen und nehmen wir die Klimagerechtigkeit ernst, müssen wir den Ausstoß auf zwei Tonnen pro Person senken. Dabei sind alle Lebensbereiche relevant. Dazu zählen unter anderem die Bereiche Wohnen, Mobilität, Konsum, Reisen und Ernährung.

Wenn man etwas an seiner Ernährung ändern möchte, wäre es am besten, unverpackte Lebensmittel zu kaufen und mit eigenen Dosen und Gläsern in die Läden zu gehen. Obst und Gemüse kann man gut unverpackt auf Wochenmärkten kaufen. Vieles stammt dort aus der Region, hat damit kurze Transportwege und man unterstützt die regionale Landwirtschaft.

Generell bietet es sich außerdem an, möglichst viele pflanzliche und möglichst wenige tierische Produkte zu konsumieren, Kleidung und ähnliches gebraucht zu kaufen oder zu tauschen, den öffentlichen Bahnverkehr zu nutzen und mit der Bahn statt mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fahren."

Welche Produkte sind am schlechtesten für die Umwelt?

"Am besten verzichtet man weitgehend auf Produkte, die eine kurze Lebensdauer haben. Qualität kostet anfänglich etwas mehr, lohnt sich aber, wenn man nicht dauernd Ersatz beschaffen muss. Auch das verringert den Ressourcenverbrauch. Tierische Nahrungsmittel sind am schädlichsten für Klima, Regenwald, Boden, Wasser und Meere. Der Konsum sollte reduziert oder bestenfalls ganz weggelassen werden."

Warum sollte man möglichst wenige tierische Produkte konsumieren?

"Für die Herstellung von Fleisch, Milch und anderen tierischen Produkten wird zum Beispiel viel Wasser verbraucht. Ein Kilogramm Rindfleisch verbraucht in der Herstellung etwa 15.000 Liter Wasser.

Außerdem verursachen tierische Produkte deutlich mehr Klimagase als pflanzliche. Das liegt daran, dass dafür viel Futter gebraucht wird. Oft stammt das Futter für die Tiere von gerodeten Regenwaldflächen. Die Tiere selbst produzieren zusätzliche Klimagase. Nach Angaben der „Food and Agriculture Organization of the United Nations“ werden durch die Tierhaltung weltweit 50 Prozent der Treibhausgase verursacht."

Was ist Mikroplastik und worin ist es enthalten?

"Bei Mikroplastik handelt es sich um kleine Kunststoffteilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind. Es stammt beispielsweise aus Kosmetik, Reinigungsmitteln, Textilien, Medikamenten und Reifenabrieb. Teilweise ist es schon in den Produkten enthalten, teilweise entsteht es erst beim Zersetzungs- oder Verschleißprozess. Die Teilchen gelangen über das Abwasser in Flüsse und Meere, wo die Tiere das Mikroplastik über die Nahrung aufnehmen. Außerdem zieht es Umweltgifte an, die so in die Meerestiere gelangen."   

Ist Glas nachhaltiger als Plastik?

"Unterm Strich ist die Ökobilanz von Glas tatsächlich besser als die von Plastik. Bei Plastik werden zur Herstellung immer wieder neue Ressourcen verbraucht. Meistens wird es nicht recyclet, sondern zu minderwertigen Kunststoffen verarbeitet. Die Mehrfachnutzung von Glas spart dagegen große Mengen an Energie."

Was wird passieren, wenn wir so weiterleben wie bisher?

"Eine konkrete Prognose kann niemand abgeben. Aber wir sind dabei, unsere eigene Lebensgrundlage zu zerstören. Egal, ob es um Klima, Ressourcen, Boden, Wasser oder Luft geht – wir leben, als gäbe es kein Morgen und keine künftigen Generationen. Wir müssen mit noch mehr Sommern wie diesen rechnen, mit mehr Trockenperioden, mehr Stürmen und Überschwemmungen. Versicherungen werden teurer und mehr Klimaflüchtlinge kommen zu uns. Wir zerstören vor allem deren Lebensgrundlagen, denn ärmere Länder leiden besonders unter der Ausbeutung des Planeten."

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