Corona kann auch im Sommerurlaub Probleme bereiten. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer)

Corona-Infektion im Sommerurlaub – und jetzt?

Martina Kind   17.07.2022 | 15:57 Uhr

Reisen zu Corona-Zeiten, das ist zwar einfacher geworden, kann aber immer noch zu Schwierigkeiten führen. Zum Beispiel, wenn man kurz vor dem Abflug in den Urlaub einen positiven Corona-Test in der Hand hält. Oder noch schlimmer: Man erkrankt im Urlaubsland und steckt dort fest. Was Reisende wissen sollten.

Am 25. Juli beginnen die Sommerferien im Saarland. Für viele Familien geht es dann endlich in den ersehnten Urlaub. Zwar ist das Verreisen inzwischen wieder weitestgehend ohne Einschränkungen möglich, doch bedeutet das nicht, dass die Pandemie vorbei ist. Im Gegenteil: Die Fallzahlen steigen aufgrund der Omikron-Subvariante BA.5 aktuell zum Teil stark, die Infektionsgefahr ist demnach groß.

Das wohl schlimmste Szenario dürfte also sein, sich kurz vor oder sogar im Urlaub im Ausland mit dem Coronavirus anzustecken. Was ist dann zu tun? Muss das infizierte Familienmitglied in dem Fall zurückbleiben? Und wer bezahlt die dadurch entstehenden Mehrkosten?

Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Reisen in Corona-Zeiten.



Für welche Urlaubsländer gibt es Reisewarnungen?

Das Auswärtige Amt (AA) hat aktuell (Stand: 17.07.) keine Covid-19-bedingten Reisewarnungen und Teilreisewarnungen herausgegeben. Auch Hochrisiko- beziehungsweise Virusvariantengebiete gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) seit dem 1. März nicht mehr.

Sowohl das AA als auch das RKI warnen aber, dass sich dies auch kurzfristig ändern kann – was Konsequenzen für die Ein- und Ausreisebestimmungen hätte. Reisende sollten sich deshalb kurz vor ihrem Aufbruch auf den Seiten des AA und RKI darüber informieren, wie der Stand der Dinge ist.

Eine gute Anlaufstelle für nähere Informationen rund um die Einreiseregelungen im europäischen Ausland ist außerdem die Seite oder App Re-open EU der Europäischen Kommission. Wer dort beispielsweise Frankreich als Urlaubsland anklickt, erfährt, dass Flugreisende ein sogenanntes "Passagier-Lokalisierungs-Formular" ausfüllen müssen.

Das soll helfen, Kontaktpersonen bei einem Corona-Fall im Flugzeug schneller ermitteln zu können. Ungeimpfte müssen in Frankreich außerdem einen negativen PCR-Test (maximal 72 Stunden) oder Antigen-Schnelltest (maximal 24 Stunden) bei der Einreise nachweisen können.


Welche Corona-Regeln gelten für den Urlaub in Deutschland?

Die meisten Beschränkungen sind am 20. März bundesweit entfallen. Eine Test- oder Nachweispflicht besteht nicht mehr, die Maskenpflicht gilt weiterhin in Bussen, Zügen, Flugzeugen und einigen öffentlichen Einrichtungen. In Hotels oder anderen touristischen Unterkünften kann sie aber per Hausrecht angeordnet werden.

Da die Länder mit der Einführung der sogenannten Hotspot-Regelung eigenständig Schutzmaßnahmen einführen können, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern, ist es ratsam, sich vorab über die Bestimmungen im jeweiligen Bundesland zu erkundigen. Eine Übersicht gibt es auf der Seite der Bundesregierung.


Mein digitales Impf-Zertifikat läuft bald ab – was nun?

Digitale Impfzertifikate laufen nach einem Jahr automatisch ab: Der QR-Code kann dann nicht mehr gescannt werden. 28 Tage vor Ablauf des Zertifikats erhalten Nutzerinnen und Nutzer der Corona-Warn-App im Normalfall eine Mitteilung darüber.

Sie müssen deshalb aber nicht in Panik verfallen. So weist die Bundesregierung ausdrücklich darauf hin, dass das technische Ablaufdatum des QR-Codes vom Impfzertifikat nichts mit dem Impfschutz zu tun hat. Grundsätzlich seien die Impfnachweise innerhalb Deutschlands unbegrenzt möglich.

Das Zertifikat lässt sich, wenn abgelaufen, auch leicht selbst wieder in der App erneuern. Wie das genau geht, wird in der Anwendung erklärt.


Kann ich die Auslandsreise kostenlos stornieren, wenn ich aufgrund hoher Fallzahlen im Urlaubsland doch nicht mehr dorthin reisen möchte?

Die Vorstellung, im Ausland an Corona zu erkranken und dann auch noch schwere Symptome zu entwickeln, die eine ärztliche Behandlung erfordern, dürfte vielen Menschen Sorge bereiten. Da ist es nur verständlich, wenn sich einige aufgrund der Entwicklungen im Urlaubsland doch nicht mehr mit der geplanten Reise wohlfühlen.

Ob diese dann kostenlos storniert werden kann, hängt laut der Verbraucherzentrale Saarland davon ab, welche Reise man zu welchen Bedingungen gebucht hat. Gegen einen Aufpreis bieten inzwischen viele Anbieter von Pauschalreisen flexible Stornierungs- oder Umbuchungsmöglichkeiten (sogenannte Flex-Tarife) bis wenige Tage vor Abreise an, wobei es auch hierbei auf die Bedingungen zu achten gilt.

Pauschalreise oder Individualreise

Ansonsten ist es so, dass eine Pauschalreise nur kostenlos storniert werden kann, wenn außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen. Dazu zählen etwa schlechte Wetterverhältnisse, Terrorwarnungen oder Naturkatastrophen. Auch eine offizielle Reisewarnung das Auswärtigen Amts wurde lange anerkannt. Ob das nach mehr als zwei Jahren Pandemie immer noch gilt, ist laut der Verbraucherzentrale aber fraglich.

Alternativ kann auch eine unzumutbare Situation am Reiseziel eine kostenlose Stornierung rechtfertigen. Diese könnte etwa durch verpflichtende Corona-Maßnahmen, die bei der Buchung noch nicht bekannt waren und die den Aufenthalt vor Ort erheblich beeinträchtigen würden, gegeben sein.

Über die Rechte und Ansprüche bei Pauschalreisen und verbundenen Reiseleistungen informiert die Europäische Kommission auf ihrer Internetseite.

Wer eine Individualreise gebucht hat, bleibt dagegen oftmals auf den Kosten sitzen. Bei Unterkünften, die über einen Anbieter mit Sitz in Deutschland gebucht wurden, sind die Chancen auf eine kostenlose Stornierung zumindest größer als bei Flugreisen. Hier kommt es allerdings auf den Einzelfall an.

Annulliert dagegen die Fluggesellschaft den Flug beispielsweise wegen eines Corona-Falles in der Besatzung, haben Passagiere Anspruch auf die Erstattung des vollen Ticketpreises.


Was ist, wenn man kurz vor der Abreise an Corona erkrankt?

Wenn man kurz vor der Abreise an Corona erkrankt, fällt der Urlaub, so ungern man es auch wahrhaben möchte, leider flach. Denn in Deutschland müssen sich Infizierte aktuell noch fünf Tage nach einem positiven Testergebnis isolieren. Engen Kontaktpersonen wird empfohlen, fünf Tage zu Hause zu bleiben. Eine Pflicht gibt es für sie aber nicht.


Greift die Reiserücktrittsversicherung im Corona-Fall?

Das müsste sie im Normalfall. Denn sie greift in der Regel in folgenden Fällen:

  • Wenn man selbst oder eine mitversicherte Person plötzlich unerwartet krank wird.
  • Wenn ein naher Angehöriger verstirbt.
  • Wenn man arbeitslos wird.
  • Zum Teil auch bei Kurzarbeit.

Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus reicht als Grund dagegen nicht aus.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale gibt es allerdings auch viele Versicherungen, die eine Ausschlussklausel für Pandemien enthalten. Diese zahlen bei einer Corona-Infektion demnach nicht. Gleiches gilt auch für Reiseabbruchversicherungen. Vor der Buchung sollte also gut studiert werden, welche Fälle die Versicherung genau abdeckt.


Und wenn man sich im Urlaub mit Corona infiziert?

Im Corona-Verdachtsfall im Urlaub ist zunächst das zu tun, was auch in Deutschland gilt: Kontakte sofort einschränken, sich um einen Test kümmern und bei einem positiven Ergebnis in Isolation begeben. Am besten auch das Hotel informieren.

Wie lange man sich absondern muss, hängt von den Bestimmungen des jeweiligen Landes ab. In Italien sind es mindestens sieben Tage – für Geboosterte. Für alle, die nur zweifach geimpft sind, sind zehn Tage vorgesehen.

Zwar gibt es seit dem 11. Juni keine Einreisebeschränkungen nach Deutschland, doch nützt das kaum etwas, wenn das Urlaubsland die Ausreise verwehrt – zumal es auch nicht im Sinne des Infektionsschutzes wäre.

In Österreich etwa ist eine Heimreise nur mit dem privaten Auto möglich und auch nur dann, wenn der Amtsarzt grünes Licht dafür gegeben hat, wie es beim offiziellen Tourismusportal des Landes heißt. Die Rückfahrt mit der Bahn oder dem Flugzeug sei dagegen ausgeschlossen.


Wer zahlt die medizinische Behandlung?

Wer eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hat, die keine Abschlussklausel für Pandemien enthält, muss sich über die Behandlungskosten im Falle einer Corona-Infektion in der Regel keine Gedanken machen.

Bei Reisen in ein EU-Land zahlt aber auch die gesetzliche Krankenversicherung weitgehend die Kosten der ärztlichen Behandlung. Voraussetzung dafür ist laut der Verbraucherzentrale aber, dass mit dem Staat ein entsprechendes Sozialversicherungsabkommen besteht. Das lässt sich vor der Reise bei der eigenen Krankenkasse abfragen.

Da im Ausland viele Ärztinnen und Ärzte eine Privatzulassung haben, übernimmt die Krankenkasse nur den in Deutschland gültigen Regelsatz, so die Verbraucherzentrale. Wichtig sei daher, die Kosten vorab zu klären beziehungsweise einen Arzt mit kassenärztlicher Zulassung aufzusuchen.


Und wer trägt die Kosten für den gegebenenfalls verlängerten Aufenthalt, wenn man sich im Urlaub isolieren muss?

Eine Reiseabbruchsversicherung schützt für den Fall, wenn man seinen Urlaub wegen einer Corona-Infektion abbrechen oder notgedrungen verlängern muss – vorausgesetzt, sie enthält keine Pandemieklausel. Ansonsten müssen Erkrankte die zusätzlichen Übernachtungen sowie die Rückreise aus eigener Tasche bezahlen, und das kann teuer werden.

Viele Reiseanbieter bieten inzwischen aber auch spezielle Corona-Versicherungen an, die etwa versprechen, zusätzliche Unterbringungskosten für bis zu 14 Tage zu bezahlen sowie die Kosten für die Rückreise zu übernehmen. Doch auch hier gilt, unbedingt das Kleingedruckte zu lesen.


Was gilt bei Kreuzfahrtreisen?

Zwar gibt es kaum noch Corona-Schutzmaßnahmen, wenn man erst an Bord ist, je nach Reederei werden Passagiere aber nur mit einem Impfnachweis aufs Schiff gelassen.

Denn sollte es tatsächlich zu einem Corona-Ausbruch kommen, kann es zu einer behördlich angeordneten mehrtägigen Schiffsquarantäne kommen, die die von der Pandemie ohnehin gebeutelten Reedereien natürlich möglichst vermeiden wollen.

Je nach der Corona-Entwicklung kann es außerdem möglich sein, dass sich der Start und die Route der Kreuzfahrtreise kurzfristig ändern beziehungsweise Häfen nicht wie geplant angesteuert werden können. Außerdem sind individuelle Landgänge nicht überall oder nur unter bestimmten Voraussetzungen wie einem PCR-Test möglich, auch für vollständig Geimpfte.

Bei Reisemängeln (wie der Änderung einer Route) können Kreuzfahrtpassagiere eine Preisminderung fordern. Dafür müssen sie den Veranstalter kontaktieren.


Bei Problemen vor, während oder nach einer Reise können sich Urlauberinnen und Urlauber für eine Rechtsberatung an die Verbraucherzentrale Saarland wenden. Auf deren Internetseite finden sie außerdem Musterbriefe, die bei Reklamationen bei Flug- und Pauschalreisen helfen.

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