Gelber Knollenblätterpilz (Foto: IMAGO / imagebroker)

Gefährliche Verwechslungen beim Pilzesammeln

Kai Forst   24.10.2022 | 18:12 Uhr

Ob Steinpilze, Maronen-Röhrlinge oder Champignons: Pilzesammeln ist im Herbst beliebt. Doch jedes Jahr kommt es im Saarland auch zu Pilzvergiftungen. Ein Experte warnt vor gefährlichen Verwechslungen. Eine Gefahr sieht er auch in Apps zur Identifikation von Pilzen.

In der nassen Jahreszeit zieht es viele Menschen zur Pilzsuche in den Wald. Seit Jahren ist das Pilzesammeln wieder im Trend. Doch neben den leckeren Speisepilzen beheimaten die saarländischen Wälder auch giftige Sorten, die sogar tödlich sein können. Jedes Jahr kommt es zu zahlreichen Fällen, bei denen Menschen im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Pilze: Wer ist harmlos, wer gefährlich?

Verwechslungsgefahr beim Knollenblätterpilz

Besonders heikel seien hochgiftige Varianten, die harmlosen Pilzen zu Verwechseln ähnlich sehen, weiß der saarländische Pilzsachverständige Rudi Bläsius aus Dudweiler. So könne man den grünen Knollenblätterpilz und den weißen spitzhütigen Knollenblätterpilz fälschlicherweise für einen Champignon halten.

„Auch der giftige Pantherpilz ist leicht mit dem essbaren Perlpilz zu verwechseln. Besonders schwierig ist außerdem die Unterscheidung zwischen dem essbaren Stockschwämmchen und dem Gift-Häubling. Diese beiden Pilze wachsen nämlich häufig am gleichen Holz. Es gibt da nur marginale Unterschiede“, erklärt Bläsius.

Anfänger Finger weg von Lamellenpilzen

Für Laien hat der Pilz-Experte den guten Rat, sich zunächst eher mit den Pilzarten der Röhrlinge zu befassen - also Pilze, wo sich an der Hutunterseite keine Lamellen, sondern eine schwammartige Röhrenschicht befindet.

„Da kann man nicht so viel falsch machen. Zwar gibt es auch den giftigen Satansröhrling, der ist im Saarland aber kaum vertreten. Von den Lamellenpilzen würde ich als Anfänger aber die Finger lassen. Das kann gefährlich werden.“

Zubereitung wichtig

Allerdings können auch vermeintlich harmlose Speisepilze zu Problemen führen – wie zuletzt im Fall einer Familie in Bous, die den beliebten Speisepilz Hallimasch verzehrt hatte. Das Problem, weswegen die Familie im Krankenhaus behandelt werden musste: offenbar eine falsche Zubereitung.

„Auch bei den Speisepilzen muss man einige Dinge beachten, zum Beispiel eine Garzeit von mindestens 30 Minuten. Der Hallimasch ist roh auch giftig. Erst beim Erhitzen zersetzt sich dieses Gift“, so Bläsius.

Unverträglichkeit bei Hallimaschen

Außerdem hätten in in Deutschland rund zehn Prozent der Menschen eine Unverträglichkeit gegen den beliebten Speisepilz. „Das kann dann zu Übelkeit und Durchfall führen. Generell sollte man keinen Speisepilz roh verzehren – auch keine Champignons aus dem Wald. Eine Ausnahme bilden lediglich die Zuchtchampignons aus dem Supermarkt.“

Pilz-Apps: Gefahr statt Hilfe

Eine Gefahr sieht der Pilz-Sachverständige auch in den Pilz-Apps auf den Smartphones, die damit werben, Pilze anhand eines Fotos bestimmen zu können. „Davon rate ich dringend ab. Menschen, die keine Erfahrung mit Pilzen haben, sollten sich unter keinen Umständen auf diese Apps verlassen. Das ist viel zu gefährlich“, so Bläsius. Im schlimmsten Fall könne ein Fehler bei der Pilzbestimmung schließlich tödlich enden.

Sachverständige bieten Hilfe

Wer sich ernsthaft mit Pilzen befassen will, der komme an einem guten Pilzbuch nach wie vor nicht vorbei. „Wer sich unsicher ist, sollte seine gesammelten Pilze außerdem einem Pilzsachverständigen vorlegen. Und beim zweiten Mal am besten nochmal.“

Nur so können man wirklich lernen die giftigen von den harmlosen Pilzen zu unterscheiden. „Dieses Jahr ist ein gutes Pilzjahr. Da kommen viele Menschen mit ihren Pilzen zu mir. Und da sind auch immer mal wieder giftige dabei.“ Eine Übersicht mit Adressen und Telefonnummern der Pilzsachverständigen aus der Region gibt es auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie.

Interessierte können auch beim Nationalpark Hunsrück-Hochwald an Pilzexkursionen und Pilzberatungen teilnehmen. Bis Ende Oktober werden auch in diesem Jahr wieder Veranstaltungen angeboten.

Bei Symptomen: Giftnotruf

Menschen, die nach dem Verzehren von Pilzen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall verspüren, sollten sich unbedingt an den Giftnotruf wenden (Telefon: 06841 – 19240). Experten raten zudem, die gesammelten Pilze vor dem Verzehr zu fotografieren. Das kann bei einer Vergiftung hilfreich sein, den verantwortlichen Pilz und damit auch das entsprechende Gift schneller zu identifizieren.

Über dieses Thema hat auch SR 3 Saarlandwelle am 24.10.2022 berichtet.

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