Ein Glas Milch. (Foto: IMAGO / YAY Images)

Wie gesund ist Milch für Menschen?

Sarah Sassou   25.09.2022 | 10:09 Uhr

Nicht viele Lebensmittel sind so umstritten wie die Milch. Ist sie gesund oder ungesund? Und wie steht es um die pflanzlichen Alternativen? Vergleichen kann man die Produkte nicht, sagt Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale.

Milch ist gesund – das ist die Botschaft, die wir alle seit dem Babyalter bekommen. Doch nicht jeder verträgt übers Kleinkindalter hinaus tierische Milch, dafür sorgt die darin enthaltene Laktose.

Und auch aus Ernährungsgründen lassen viele die Kuhmilch lieber weg. Der Markt für Alternativen zu tierischer Milch ist deshalb in den vergangenen Jahren enorm gewachsen.

Pflanzendrinks – echte Alternative zu Kuhmilch?

Wenn die Rede von Drinks aus Getreide ist, spricht man umgangssprachlich auch von Reis-, Hafer- oder Mandelmilch. Das ist aber falsch, sagt Theresia Weimar-Ehl von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

„Der Begriff ‚Milch‘ ist geschützt und dem tierischen Produkt vorbehalten.“ Laut EU-Verordnung dürfen Produkte aus Pflanzen dann auch nicht „Milch“ genannt werden. Einzige Ausnahme: Kokosmilch.

Nährstoffvergleich

Kuhmilch und pflanzliche Alternativen sind grundsätzlich verschieden, was den Nährstoffgehalt angeht. „Man kann sie eigentlich nicht miteinander vergleichen“, sagt Ernährungsspezialistin Weimar-Ehl.

Es komme auf die Hauptzutat an, aus der die Pflanzendrinks hergestellt sind. Denn Hafer, Reis, Soja oder auch Mandeln unterscheiden sich bei Fettgehalt, Eiweiß und Kohlenhydraten.

Niedriger Fettgehalt bei Pflanzendrinks

Pflanzendrinks enthalten kein tierisches Eiweiß, kein Cholesterin und keine Laktose. Ihr Fettgehalt ist niedrig – Ausnahme bilden Sojadrinks und Drinks aus Nüssen. Und sie enthalten überwiegend ungesättigte Fettsäuren, die der Körper gut verarbeiten kann.

Allerdings fehlen ihnen im Vergleich zur Kuhmilch bestimmte Vitamine und Mineralien. Dazu zählen Calcium, Jod, Vitamin D und B12.

Wer also statt Kuhmilch pflanzliche Drinks zu sich nimmt, sollte darauf achten, die Versorgung mit Nährstoffen durch andere Lebensmittel abzudecken“, rät Theresia Weimar-Ehl. Calcium kann man auch durch Brokkoli oder Grünkohl zu sich nehmen.

Vorsicht bei Kindern

Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung sind die pflanzlichen Drinks nicht geeignet, weil sie erstens nicht genug Nährstoffe enthalten. Es gibt außerdem noch einen zweiten Grund, sagt Theresia Weimar-Ehl: „Die Milchersatzprodukte werden nicht für Säuglinge oder Kleinkinder hergestellt. Sie müssen deshalb auch nicht die strengen Auflagen an Schadstoff- und Pestizidrückständen erfüllen, wie sie für Säuglingsnahrung und Beikost üblich sind.“ 

Auch für größere Kinder und Jugendliche sind die Pflanzendrinks nur bedingt geeignet. Denn die Heranwachsenden brauchen das für den Knochenbau wichtige Calcium mehr als Erwachsene. „Fallen Milch und Milchprodukte bei der Ernährung weg, besteht die Gefahr einer Mangelernährung“, erklärt die Ernährungsexpertin. Darauf weist auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hin.

Haltbarkeit selbst überprüfen

Bei tierischer Milch ist es einfach herauszufinden, ob sie noch gut ist. Sie riecht und schmeckt sauer und wird dick. Das liegt an den Milchsäurebakterien, die über den Euter des Tieres in die Milch gelangen. In Pflanzendrinks gibt es keine Milchsäurebakterien, verderben können sie trotzdem, denn auch in die Packung können Bakterien gelangen und es können sich Pilzsporen bilden.

Theresia Weimar-Ehl rät, sich nach den Anweisungen auf der Verpackung zu richten. „Nach dem Öffnen sollte man die Drinks kühl lagern und innerhalb von drei bis vier Tagen verbrauchen. Generell empfehle ich aber immer: Sehen – riechen – schmecken.“

Und die Umweltbilanz?

Pauschal lässt sich gar nicht sagen, was nachhaltiger ist, Pflanzendrinks oder Kuhmilch. Es komme eben auf die Rahmenbedingungen an, sagt Verbraucherschützerin Weimar-Ehl. „Steht die Kuh auf einer Almweide, ist sie vermutlich nachhaltiger als eine Hafermilch. Da bei uns überwiegend Milch aus konventioneller Tierhaltung stammt, schneiden Milchersatzprodukte besser ab.“

Bis auf Mandelmilch – für den Anbau in trockenen Regionen wird viel Wasser benötigt, die Transportwege sind lang. Auch beim Sojaanbau ist häufig nicht erkennbar, wie und wo der Rohstoff angebaut wurde. „Wem die Umweltbilanz wichtig ist, der sollte darauf achten, Bio-Erzeugnisse mit Rohstoffen aus Europa zu bevorzugen“, sagt Weimar-Ehl.

Wer genauer hinschaut, der findet sogar regionale Pflanzendrinks, denn Hafer und Lupine, die wie Soja verwendet werden, sind auch bei uns heimisch und können sogar aus der Region stammen.

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