Eine Gruppe von Menschen fährt auf E-Bikes (Foto: SR Fernsehen)

Luxus-E-Bikes im Test

Sarah Sassou   26.05.2022 | 10:44 Uhr

In Deutschland ist die Fahrradsaison eröffnet. E-Bikes mit ihrer Motorunterstützung machen auch denen Lust, aufs Rad zu steigen, die sonst nicht so sportlich sind. Stiftung Warentest hat nun einige besonders gut ausgestattet Modelle, sogenannte SUV-Bikes, getestet.

E-Bikes sind von unseren Straßen nicht mehr wegzudenken, weil sie mit ihrer Motorunterstützung schnell, bequem und umweltfreundlich sind.

E-Bikes sind Mangelware

Andererseits kann gerade die Geschwindigkeit den Radlern zum Verhängnis werden, weil das E-Bike schwerer kontrollierbar ist und es so häufiger zu Unfällen kommen kann. Hinzu kommt die Gefahr, dass sich Akkus entzünden können, wenn sie defekt oder überladen sind. 

Doch derzeit ist es schwierig, E-Bikes im Radhandel überhaupt zu bekommen. Schuld daran sind zum Beispiel Lieferkettenprobleme. Das haben auch die Tester von Stiftung Warentest feststellen müssen. Sie haben neun Modelle getestet, die im Handel erhältlich waren. Deren Preise liegen zwischen 3300 bis 5350 Euro.

Wer macht das Rennen? E-Bikes im Test
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 24.05.2022, Länge: 05:14 Min.]
Wer macht das Rennen? E-Bikes im Test

Neun "SUV-Bikes" auf dem Prüfstand

Die Räder fallen in die Kategorie „SUV-Bikes“, damit sind edle Räder gemeint, die besonders komfortabel ausgestattet sind. „Diese E-Bikes sind eine Mischform aus E-Mountainbike, Trekkingrad und Cityrad“, erklärt Anne Kliem von Stiftung Warentest.

Das bedeutet, dass sie breite und grob profilierte Reifen haben und mit Scheibenbremsen ausgestattet sind. Hinzu kommen vorne eine gute Federung und ziemlich kräftige Motoren.

Ein Testkandidat ist das „KTM“, das mit einem Preis von 4200 Euro im Mittelfeld liegt. Das Bike ist mit einer Zehngangkettenschaltung und einem kräftigen Motor von Bosch versehen. Der Akku sitzt im Rahmen und lässt sich bequem nach oben entnehmen.

Beim „Corratec“ ist der Akku dagegen so verbaut, dass man ihn nur nach unten entfernen kann. Das fanden die Tester eher umständlich. Positiv fielen ihnen aber die Zwölfgangkettenschaltung, der Bosch-Motor sowie der günstige Preis von 3600 Euro auf. 

Probleme mit Akkus

Beim Specialized, das mit 5100 Euro eines der teureren E-Bikes ist, könnte sich der Akku auf Dauer zum Problem entwickeln, so Testerin Anne Kliem. Das liege daran, dass er sich nur mühsam entnehmen lässt und der Mechanismus hakelig sei.

„Runterfallen sollten diese Akkus nicht, denn die Zellen im Inneren sind sehr empfindlich. Da kann es sein, dass sie durch so einen Sturz beschädigt werden.“ Dann muss man möglicherweise einen neuen Akku kaufen. Im schlimmsten Fall könnte er sogar in Brand geraten. Wird ein neuer Akku nötig, fallen je nach Rad Kosten von 750 bis 1180 Euro an.

Unterschiede stellten die Tester auch bei den Ladezeiten der Akkus fest. Beim mit 5320 Euro hochpreisigen „Flyer“ dauerte es nur zwei Stunden und vierzig Minuten, bis der Akku voll geladen war. Bei „Corratec“ und „Cube“ dauerte es acht Stunden und zehn Minuten warten, weil die Ladegeräte zu schwach waren.

Wie performen die E-Bikes in schwierigem Gelände?

Beim Fahrtest mussten die E-Bikes sowohl auf der Straße als auch „offroad“ bestehen. Hier zeigten sich Unterschiede bei Komfort und Wendigkeit. Manche Räder sind eher sportlich, andere eher komfortabel, in der Praxis befanden die Tester aber alle gut fahrbar – bis auf das „Kalkhoff“.

„Wir fahren auch wirklich extreme Manöver wie beispielsweise ein Ausweichmanöver bei hohem Tempo und mit Gepäck“, erklärt Testerin Anne Kliem. „Dabei ist das Rad deutlich instabil geworden, und das Heck ist nachgeschwungen.“

Die Fahrräder im Alltagstest

Außerdem wurde getestet, wie gut die E-Bikes händelbar sind, denn die breiten Rahmen sowie großen Akkus und Motoren machen die Räder schwer. Sie wiegen zwischen 26 und 29 Kilogramm. Zwar helfen die Motoren auch beim Schieben, doch spätestens an Treppen wird das Tragen eine echte Herausforderung.

Bei den Sicherheitsprüfungen im Labor stellte sich heraus, dass die meisten Räder für den Einsatz im Verkehr gut gerüstet sind. Nur beim „Corratec“ sei das schwache Frontlicht negativ aufgefallen, weil man damit die Fahrbahn nicht richtig ausleuchten könne, sagt Anne Kliem.

„Der Frontscheinwerfer vom Corratec hat nur eine Beleuchtungsstärke von 20 Lux.“ Bei dem hohen Preis erwarte man mehr. Beim Schadstofftest im Labor kam außerdem heraus, dass die Sättel beim „Corratec“ und beim „Kalkhoff“ die schädlichen Phthalatweichmacher DPHP enthalten.

Testsieger mit “gut“

Bei der Gesamtbewertung landet schließlich das „Kalkhof“ auf dem letzten Platz. Das begründet Testerin Anne Kliem mit den Problemen bei der Fahrstabilität und weil Schadstoffe im Sattel gefunden worden waren. Das E-Bike bekommt die Note „befriedigend“, ebenso das „Corratec“.

„Gut“ schnitt das „Cube“ ab, unter anderem wegen des vergleichsweise günstigen Preises von 3300 Euro. Punktabzug gab es allerdings, weil das Ladegerät recht schwach ist. Ebenfalls gut erhielten das teure „Flyer“ und das „Specialized“.

SUV-Bikes Technik überzeugt Tester

Als Testsieger überzeugte das „KTM“, ebenso mit der Note „gut“. „Es ist ein sehr agiles und vielseitiges Rad, das uns auf sowie abseits der Straße überzeugt hat“, so die Begründung von Anne Kliem.

Am Ende lässt sich über die getesteten SUV-E-Bikes sagen, dass sie zwar einiges an Gewicht auf die Waage bringen. Ihre technische Ausstattung hat die Tester aber überzeugt. Einen Wermutstropfen gibt es aber dennoch bei den Luxus-E-Bikes: Leider sind die schicken Räder sehr teuer.

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