Immobilienfinanzierung (Foto: Pixabay/moerschy)

Was bei Immobilien als Altersvorsorge zu beachten ist

Marco Karp   03.09.2022 | 13:03 Uhr

Immobilien werden als Geldanlage immer beliebter bei jungen Menschen. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen erlebten sie einen Boom. Die Hoffnung auf das schnelle Geld wird dabei befeuert durch Influencer. Doch dabei gibt es Gefahren. 

Er streicht das Treppenhaus, schleift Treppen ab, schlägt Wände heraus. Es ist viel Zeit, die Mike Tausend neben seiner Vollzeitstelle als Aldi-Verkäufer in seinem Mehrfamilienhaus in Jägersfreude verbringt – vor und nach der Arbeit. 

Nicht zu vernachlässigen ist der Aufwand, wenn er neue Mieter suchen muss. Deshalb ist er froh, dass momentan alle Wohnungen vermietet sind.

Video [aktueller bericht, 22.08.2022, Länge: 3:10 Min.]
Probleme beim Immobilienkauf mit Influencer-Unterstützung

Finanzierung über Rücklagen und Kredit

220.000 Euro – so viel hat er für seine erste Immobilie in Jägersfreude bezahlt vor knapp drei Jahren. Heute wäre sie schon mehr wert. Eigene Rücklagen und ein Kredit zu guten Konditionen haben die Investition möglich gemacht. 

Aber Mike Tausend nutzt das Wohnhaus nicht als Eigenheim. Schon beim Kauf verfolgte er einen klaren Plan: Die Immobilie soll eine Anlage sein. Dabei finanzieren die Mieten den laufenden Kredit. Wenn Mike selbst in Rente ist, soll das Haus abbezahlt sein. 

Mit diesem Plan ist er nicht allein: Immer mehr Menschen zwischen 24 und 39 Jahren interessieren sich für eine Immobilie, bemerken auch die Sparkassen im Saarland. 

Inflation, Leitzinswende – Finanzieller Spielraum wird enger 

Heute aber ist die Welt eine andere als noch vor wenigen Monaten. Eine Binsenweisheit, die aber auf die Finanzwelt sehr gut zutrifft. 

Die Menschen leiden unter der hohen Inflation. Die Präsidentin des Sparkassenverbands Saar, Cornelia Hoffmann-Bethscheider, rechnet damit, "dass wegen der deutlichen Preissteigerung perspektivisch bis zu 60 Prozent der deutschen Haushalte ihre gesamten verfügbaren Einkünfte – oder mehr – monatlich für die reine Lebenshaltung werden einsetzen müssen."

In der Corona-Zeit konnten viele Deutsche etwas auf die Seite legen. Nach offiziellen Zahlen waren das 70 Milliarden Euro. Doch laut Ifo-Institut haben die hohen Preise diese Sparpolster nun aufgezehrt. Das hat Auswirkungen auf mögliche Investitionen – gerade im Privatsektor. 

Hinzu kommt noch die Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank. Dadurch steigen auch die Zinsen zum Beispiel auf neue Kredite. Die Sparkassen im Saarland sehen schon jetzt, dass die Neugeschäftszahlen beim privaten Immobilienkreditgeschäft sinken. 

Probleme? Bei Influencern gibt es die nicht 

Diese veränderten Realitäten finden sich aber bei vielen Influencern im Netz kaum wieder. Dort tummeln sich immer mehr von ihnen, die Tipps haben zu verschiedenen Geldanlagen – etwa Bitcoins, Aktien, NFTs und Immobilien. "Schnell zu viel Geld", so lautet häufig das Motto. Auf das Sparbuch und klassische Anlagen gebe es kaum Zinsen, also brauche es Alternativen. 

Umdenken bei Geldanlage 

Tommy Primorac ist online als Immo-Tommy unterwegs. Er hat viele Follower, seine Videos werden oft geklickt. Auch er erklärt in kurzen und langen Formaten, wie man zur Mietwohnung als Anlage kommt, was es zu beachten gibt: "Natürlich ist nicht jeder für einen Kauf gemacht. Es muss zuerst mal geschaut werden, welche Rücklagen da sind."

Tommy will auch keine Gratis-Onlineberatungen anbieten. Er hat eigentlich eine andere Botschaft: Er möchte, so sagt er, dass sich mehr junge Menschen mit dem Thema Geld auseinandersetzen: "Raus aus der Komfortzone und aktiv an finanzieller Bildung und Einkommen arbeiten."

Verbraucherschützer raten zur Skepsis

Grundsätzlich hat auch Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saar nichts dagegen, sich über Geldanlagen auf Sozialen Medien zu informieren. Er rät aber zum Beispiel dazu, "bei zu positiven Darstellungen skeptisch zu werden. Auch sollte man sich die Frage stellen, warum jetzt genau derjenige die Expertise hat, mir diese Geldanlage zu erklären." Gebe es dafür keinen Hinweis, so der Experte, sollte man sich lieber eine andere Informationsquelle suchen.

Beutler beobachtet seit längerem, wie sich immer mehr Menschen als Experten für Geldanlagen online vermarkten. "Da sind einige richtig gute Verkäufer dabei. Die Inszenierung ist sehr professionell." Das System dahinter sei oft gleich. Die Videos locken mit Informationen, und wenn der Kunde dann mehr wissen will, muss er Kurse oder zusätzliche Inhalte kaufen. Und die spülen dem vermeintlichen Experten dann möglicherweise viel Geld in die Kassen.

Inzwischen warnt auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor diesen Online-Bildungsangeboten zu Geldanlagestrategien. Deshalb bietet Beutler auch Workshops an Schulen an und erklärt darin den Schülerinnen und Schüler, wie sie seriöse Quellen von unseriösen unterscheiden können.

Nächster Immobilienkauf in Planung 

Mike Tausend ist selbst auf die Idee zur Altersvorsorge mit Immobilien gekommen. Sein Anlageobjekt hat er ganz analog gefunden, ohne die Hilfe eines Influencers. 

Bisher ist er auch ganz zufrieden mit seiner Investition. Trotz regelmäßiger Sanierungen, Zusatzkosten und dem aufwändigen Suchen von Nachmietern: Er würde alles nochmal genauso machen. Er denkt sogar darüber nach, sich eine weitere Immobilie zu kaufen.

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