Ein Thermostat liegt auf Geldscheinen (Foto: IMAGO / Steinach)

Heizkostenzuschuss: Wer bekommt wieviel?

Ute Kunsmann   24.07.2022 | 09:12 Uhr

Wie der nächste Winter meteorologisch wird, wissen wir noch nicht. Sicher ist aber: Er wird sehr teuer. Um die massiv steigenden Energiekosten zumindest etwas auszugleichen, bekommen einige Haushalte einen Heizkostenzuschuss. Aber wer erhält wann wieviel?

Damit Heizen auch für sozial schwächer gestellte Haushalte bezahlbar bleibt, hat die Bundesregierung bereits im Januar einen einmaligen Heizkostenzuschuss für die Empfänger von Wohngeld beschlossen.

Wegen der weiter explodierenden Energiepreise wurde dieser Zuschuss inzwischen sogar verdoppelt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass auch sozial schwächer gestellte Bürger, die kein Hartz IV empfangen, im Herbst und Winter nicht in kalten Wohnungen sitzen müssen.

Preisexplosion für Heizung und Strom

Die Gas- und Ölpreise sind auf einem Rekordniveau. Viele Energieversorger haben ihre Preise bereits in der ersten Jahreshälfte 2022 deutlich erhöht.

Der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte in Mehrfamilienhäusern hat sich bis April 2022 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, von 6,47 Cent/kWh auf durchschnittlich 13,26 Cent/kWh. Das bedeutet, dass sich die Heizkosten bei gleichem Gasverbrauch ungefähr verdoppeln werden – von rund 71 Euro im Monat auf 147 Euro bzw. von 852 Euro im Jahr auf 1764 Euro bei einem Verbrauch von rund 13.300 kWh/Jahr.

Damit droht den Mieterinnen und Mietern für 2023, also dem Jahr, in dem sie die Abrechnung für 2022 bekommen werden, eine hohe Nachzahlung, warnt der Deutsche Mieterbund.  Doch schon in diesem Jahr stehen viele Mieterinnen und Mieter vor deutlichen Kostensteigerungen – durch erhöhte Vorauszahlungen und angepasste Abschlagszahlungen.

Wer bekommt den Heizkostenzuschuss?

Insgesamt sollen rund 710.000 Haushalte in Deutschland von dem einmaligen Heizkostenzuschuss profitieren. Sie müssen dafür in der Heizphase zwischen Oktober 2021 und März 2022 mindestens einen Monat lang Wohngeld bezogen haben oder beziehen.

Einen Anspruch auf den Zuschuss haben aber auch Azubis, die Berufsausbildungsbeihilfe oder Ausbildungsgeld erhalten und nicht mehr zusammen mit ihren Eltern wohnen. Gleiches gilt für Studentinnen und Studenten, die BAföG beziehen und nicht mehr bei ihren Eltern wohnen.

Wie hoch ist der Zuschuss?

Wohngeldempfänger erhalten bei einer Person im Haushalt 270 Euro, einem Zwei-Personen-Haushalt stehen 350 Euro zu. Und für jede weitere Person gibt es weitere 70 Euro Heizkostenzuschuss.

Studierende und Auszubildende, die bereits aus dem Elternhaus ausgezogen sind und BAföG bzw. Ausbildungsgeld beziehen, bekommen pauschal eine Beihilfe von 230 Euro für ihre Heizkosten.

Wann erfolgt die Auszahlung?

Der Heizkostenzuschuss wird je nach Bundesland unterschiedlich ausgezahlt. Geplant ist, dass der Zuschuss spätestens Ende des Jahres an die berechtigten Wohngeldempfänger automatisch ausgezahlt wird – bevor sie die Betriebskostenabrechnung mit den Heizkosten für den Winter erhalten.              

Einige Länder wie Rheinland-Pfalz haben bereits im Juni mit der Auszahlung begonnen. Die meisten folgen in den kommenden Monaten. Für das Saarland ist die Auszahlung im September geplant.    

Wer muss Antrag auf Zuschuss stellen?

Einen Antrag auf Heizkostenzuschuss muss man in der Regel nicht stellen. Wer mindestens einen Monat lang zwischen Oktober 2021 und März 2022 Wohngeld bezogen hat oder als Haushaltsmitglied berücksichtigt wurde, erhält den Zuschuss automatisch.   

Wenn man aber als Student bzw. Azubi im genannten Zeitraum BAföG oder AFBG, kein Wohngeld bezogen hat, und auch nicht als Haushaltsmitglied in einem Wohngeldbescheid berücksichtigt wurde, muss man einen Antrag stellen. Diesen Antrag sollten Berechtigte ab sofort – spätestens aber bis Ende Dezember – stellen.

Mieterbund fordert Wohngeldreform

Die Bundesregierung plant eine umfassende Reform des Wohngelds.  Der Deutsche Mieterbund fordert dabei, dass das Wohngeld in Zukunft die realen Mieten und Energiekosten abbildet, damit deutlich mehr Menschen als bisher einen Anspruch auf Wohngeld erhalten und den auch geltend machen.

Bislang gebe es eine verzerrte Berechnung der Realmieten durch die sogenannten Mietstufen. Dabei  werden die Heiz- und Stromkosten nur pauschal und nicht nach Energieträger oder Verbrauch berücksichtigt.

Wem steht Wohngeld zu?

Viele Mieterinnen und Mieter machen von ihrem Recht auf Wohngeld gar keinen Gebrauch – oft aus Unkenntnis. Wer tatsächlich Anspruch auf Wohngeld hat, kann sich das verbindlich von der Wohngeldbehörde in seinem Landkreis bzw. dem Regionalverband errechnen lassen.

Einen groben Überblick kann man sich auch mit dem Wohngeldrechner der Bundesregierung verschaffen. Den Antrag auf Wohngeld für das Saarland, finden Sie auf der Website des Landes.

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