Für viele ist Weihnachten der besodnerste Tag im ganzen Jahr. (Foto: Pixabay/KlausHausmann)

So wird das Weihnachtsfest mit der Familie harmonisch

Felicitas Fehrer   17.12.2018 | 12:56 Uhr

Festessen, ein geschmückter Baum und die ganze Familie an einem Tisch - das gibt es nur einmal im Jahr. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen. Da kommt es leicht zu Konflikten und Streitigkeiten. Eine Mediatorin aus Saarlouis gibt Tipps, wie ein Weihnachtsfest in Harmonie funktionieren kann.

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"Gebrauchsanweisung für Weihnachten"

Zuhören, zuhören, zuhören. Das ist laut Ottilia Solander aus Saarlouis das Allerwichtigste, wenn es um ein harmonisches Miteinander geht. Frau Solander ist Rechtsanwältin und Mediatorin – sie unterstützt also beruflich Konfliktparteien dabei, eine einvernehmliche Einigung zu finden.

„Gerade an Weihnachten kann es das ein oder andere Mal innerhalb der Familie knallen. Denn dieser Tag ist mit Erwartungen und hohen Ansprüchen geradezu überladen“, sagt Solander. Kein Wunder. Da kommt einmal im Jahr die ganze Familie zusammen, es werden Geschenke verteilt, die gefallen sollen, das Essen muss festlich und perfekt sein, und im besten Fall verläuft alles stressfrei, harmonisch und ohne Meinungsverschiedenheiten. So stellt man es sich zumindest oft vor. Die Realität sieht dann aber meistens anders aus.

Zoff am Weihnachtstisch

Da lässt Onkel Winfried mal einen fiesen Kommentar zur neuen Frisur seiner Mutter ab, die Enkelin ist genervt, weil ihre Oma nicht versteht, warum sie immer noch keinen jungen Mann mit nach Hause gebracht hat, und irgendwie ist die Weihnachtsgans auch eher verbrannt als zart. „Solche Kleinigkeiten können die Stimmung negativ aufheizen“, sagt Solander. Ihr Tipp: mehr Gelassenheit. „Um für ein harmonisches Tischgespräch zu sorgen, kann es helfen, aufmerksamer zuzuhören und den anderen ausreden zu lassen“, sagt Solander. Wenn man sich öfter mal in seinen Gesprächspartner hineinversetzt und die Rechthaberei ablegt, könne das die Stimmung ungemein retten.

Häufiger Streitpunkt: das Handy am Tisch. (Foto: Pixabay/Pexels)
Häufiger Streitpunkt: das Handy am Tisch.

Zum aufmerksamen Zuhören gehört auch, dass man vielleicht mal das Handy weg legt und seinen Tischnachbarn in die Augen schaut. Komplett verbieten sollte man den Handykonsum an Weihnachten aber nicht, da sich Verbote generell eher destruktiv auswirken. „Man könnte versuchen, einen Kompromiss zu schließen. Zum Beispiel, dass das Handy nur am Tisch nicht benutzt wird.“

Baut sich eine Diskussion zwischen zwei Familienmitgliedern auf, sollte man sich laut Solander lieber nicht einmischen, sondern stattdessen eher versuchen, die generelle Aufmerksamkeit auf ein neues Thema zu lenken.

„Es ist ganz wichtig, sich selbst den Druck nehmen. Es stimmt: Weihnachten ist eine ganz besondere Zeit, nämlich die Zeit der Liebe. Aber da muss nicht alles perfekt laufen“, sagt Solander. „Ein bisschen Humor und Lockerheit kann hier nicht schaden.“

Wenn das Geschenk nicht gefällt

Dann wäre da noch die Sache mit den Geschenken. Wenn Tante Marlis ihrer zwölfjährigen Nichte mal wieder stolz einen ihrer grässlichen Damenschals überreicht. Oder wenn der pubertierende Bruder, der überhaupt keine Ahnung von Football hat, mit irritiertem Blick das Football-Trikot von den New England Patriots aus dem Geschenkpapier wickelt – unter den erwartungsvollen Augen seines Bruders. Dann ist der Frust, vor allem bei jüngeren Menschen, oft groß. Und zwar auf beiden Seiten.

Gut für den Zusammenhalt: Gemeinsam den Baum schmücken (Foto: Pixabay/ExposureToday)
Gut für den Zusammenhalt: Gemeinsam den Baum schmücken

„Sowohl der Beschenkte als auch der Schenker hat gewisse Erwartungen. Wenn die nicht erfüllt werden, kann das zu Frustration führen.“, sagt Solander. Es sei wichtig, dass in diesem Fall offen kommuniziert wird, statt die negativen Gefühle in sich hineinzufressen. „Wenn das Geschenk nicht den persönlichen Geschmack trifft, sollte man natürlich nicht unfreundlich werden, aber trotzdem verdeutlichen, warum man nichts damit anfangen kann. Ansonsten läuft es im nächsten Jahr möglicherweise wieder genauso.“ Und auch der Schenker sollte erklären, warum er ausgerechnet dieses Geschenk ausgesucht hat, damit deutlich wird, dass er sich Gedanken gemacht hat.

Vor allem Eltern mit mehreren Kindern haben es hier oft nicht leicht. Denn wenn Eifersucht ins Spiel kommt, kann es richtig unangenehm werden.

Rituale bringen Entspannung

Eine Möglichkeit, um etwas mehr Ruhe in den Tag zu bringen, sind laut Solander Rituale. „Die bringen Beruhigung und Entspannung, weil man sich an ihnen festhalten kann. Und zwar das ganze Jahr über, nicht nur an Weihnachten“, sagt Solander. So kann das Warten auf Geschenke, der Gang in die Weihnachtsmesse oder das Singen von Weihnachtsliedern Beständigkeit bieten und die familiäre Harmonie fördern.

„Generell ist es förderlich für die Harmonie und die Gemeinschaft, wenn man Dinge zusammen macht“, sagt Solander. Man könnte zum Beispiel den Baum gemeinsam schmücken, oder beim Kochen helfen. So bleibt auch nicht die ganze Arbeit an einem alleine hängen. Die Mediatorin rät: "Einfach mal loslassen, durchatmen und nicht alles ganz so ernst nehmen. Und es muss auch keine perfekte Weihnachtsgans sein, Wiener mit Kartoffelsalat tun es auch."