Ein Mann steht auf einem Stand-up-Paddlingboard (SUP). (Foto: picture alliance/dpa | Matthias Balk)

Günstige Paddleboards unter der Lupe

Sarah Sassou   07.06.2022 | 17:08 Uhr

Der Trend im Wasser sind derzeit Stand-Up-Paddling-Boards. Auf den aufblasbaren Brettern gleitet man durchs Wasser, indem man sich im Stehen mit einem Paddel antreibt. Die Auswahl ist groß und auch preiswerte Boards sind auf dem Markt. Aber was taugen sie?

Im Sommer ist an Seen und auf Flüssen viel los. Kanus, Kajaks und neuerdings Stand-Up-Paddling-Boards sind dort unterwegs. Beim Stand-Up-Paddling (SUP) steht man auf dem Board und benutzt ein Paddel, um voranzukommen. Wer sich ein SUP-Board zulegen möchte, hat eine riesige Auswahl und auch die Preisspanne ist groß. Worauf soll man also achten?

Spaß auf dem Wasser – SUP-Boards im Test
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 07.06.2022, Länge: 07:40 Min.]
Spaß auf dem Wasser – SUP-Boards im Test

Marcus Winkler gibt mit seiner Firma „Trick 17“ SUP-Kurse, verleiht und verkauft Boards in Saarbrücken, Losheim und Trier und hat sich Boards genauer angeschaut, die es derzeit zum Discount-Preis in einigen Geschäften gibt. So bietet Lidl ein Board für 329,95 Euro an. Bei Decathlon gibt es eines für 399,95 Euro.

Viel Plastik bei der Verpackung

Die beiden Boards kommen im Karton daher, sind aber zusätzlich in jede Menge Plastikfolie eingepackt. Das geht auch anders, sagt Marcus Winkler. „Wir haben nur Premiumhersteller im Angebot und die wickeln in der Regel die Boards in Papier ein. Höchstens Zubehör wie Pumpe und Finnen sind in Plastikfolie eingepackt.“ Finnen sind kleine Plastikflossen, die unter dem Brett angebracht werden und die Stabilität des Boards unterstützen.

Der NDR hat bei Lidl und Decathlon nachgefragt, wieso das von ihnen verkaufte SUP-Board in so viel Plastik verpackt ist. Daraufhin hat der Discounter mitgeteilt, dass er die Verpackungen „bis 2025 maximal recyclingfähig“ und „20 Prozent Plastik sparen“ will. Der Produzent des Boards von Decathlon, SUPRFIT möchte „für die Saison 2023 umweltfreundlichere Schutzverpackungen verwenden“.

Empfindliche Seitennähte

Was bei den beiden preiswerten SUP-Boards auffällt, sind Bläschen und Falten an den Seitennähten. Auch hier hat der NDR nachgefragt. Lidl erklärt, es könne durch die Verklebung per Hand „zu minimalen Schwankungen in der Verarbeitung kommen“. Der Produzent des Decathlon-Boards schreibt, es würde von Hand geklebt und „da kann es leider zu Ungenauigkeiten kommen“, die aber „keine nachteilige Auswirkung“ hätten.

Dass die Boards geklebt sind, ist für den Saarbrücker Stand-Up-Paddling-Experten Marcus Winkler ein Zeichen, dass man bei diesen Boards vorsichtig sein sollte. Erstens könnten solche Stellen aufreißen. Zwar gehört ein Reparaturset, mit dem man Risse verschließen kann, zur Grundausstattung eines SUP-Boards. Winkler bezweifelt aber, dass das auf Dauer hilft.

Er weist auf professionelle Reparaturdienste hin, die man zum Beispiel online finden kann. Allerdings liegen die Kosten bei um die 150 Euro, eine Investition, die sich also kaum lohnt. Davon abgesehen weiß Marcus Winkler, dass die Seitennähte in der Regel gar nicht mehr geklebt werden. „Man verschweißt sie, denn durch den Kleber kann so ein Board bis zu 1,5 Kilogramm mehr wiegen“, sagt er. Je mehr Gewicht, umso anstrengender sei es, das Board nach vorn zu bewegen. 

Beim Zubehör wird gespart

Neben dem Reparaturkit gehört bei den Discount-Boards eine Sicherheitsleine dazu, ebenso eine Pumpe, ein Packsack, die Finne und ein Paddel. Bei preiswerten Boards sei das in der Regel aber minderwertig, so Winkler.

Die Paddel sind meistens aus Aluminium und könnten sich beim Einsatz im Wasser verbiegen. „Außerdem gehen sie direkt unter, wenn sie ins Wasser fallen“, fügt Marcus Winkler hinzu. „Ein gutes Paddel ist aus leichtem Carbon. Das wiegt etwa 500 Gramm und damit nur die Hälfte von einem Alu-Paddel.“ Wer ein gutes Paddel will, müsse dafür rund 120 Euro investieren. 

Die Boards selbst sind aus PVC hergestellt. Auch hier gibt es Qualitätsunterschiede. Marcus Winkler hat einen Tipp, wie man gutes Material erkennt: „Kann man das luftleere Board sehr klein zusammenrollen, ist es kein robustes PVC Material.“

Vage Angaben zum Fahrergewicht

Aber wie verhalten sich die Boards nun auf dem Wasser? 20 Minuten braucht man etwa, um die Boards aufzupumpen. Dann sollen das von Lidl und das von Decathlon verkaufte Board den Angaben nach ein Gewicht von bis zu 130 Kilogramm tragen können. Bei einem Test des NDR stellte sich aber heraus, dass beide Boards sich schon bei einer Belastung von 90 Kilogramm in der Mitte durchbiegen.

Auf Nachfrage, wieso die Gewichtsangaben nicht stimmen, antwortet Lidl, dass man zwischen „Tragfähigkeit und dem empfohlenen Fahrergewicht“ unterscheiden müsse. Zum Board, das Decathlon anbietet,  gibt es das Feedback: „Unserer eigenen Erfahrung nach kann man auch bei weit über 100 Kilogramm gute Fahreigenschaften erreichen.“

Die Gewichtsangabe bei den günstigeren Boards sei fast nie korrekt, hat auch Marcus Winkler festgestellt. „Wenn sich das Board durchbiegt, kann man nicht gut geradeausfahren, der Fahrspaß ist gering.“

Auf die Form achten

Auch auf die Form und Größe der Boards kommt es an. Das Board, das bei Decathlon erhältlich ist, erweist sich im NDR-Praxistest als nicht kippstabil und das ist schwierig für Einsteiger. Das liegt am sogenannten Pintail, dem spitz zulaufenden Ende des Boards.

Das Lidl-Board hat dagegen ein breites Tail. Das können auch Anfänger gut händeln. „Wenn das Heck dann noch abgerundet ist, können Einsteiger noch besser damit umgehen“, sagt Winkler. „Und man kann damit in allen Gewässern, also See, Meer und Fluss gut fahren.“

Discount-Boards nur für den Paddelspaß

Das Fazit des Experten: Die preiswerten Boards für unter 400 Euro sind für den kleinen Paddelspaß geeignet. Wer Stand-Up-Paddling ernsthafter betreiben möchte, kommt wohl um eine höhere Investition nicht herum.

Vor allem, weil Größe und Form des Boards auf die Person, die es nutzt, abgestimmt sein müssen. „Viele kommen zu unseren Kursen mit einem Discount-Board und es passt gar nicht, weil sie falsche Größen haben“, berichtet Winkler aus seinem Alltag. Sein Tipp: Kursanbieter suchen, bei denen man hochwertige SUP-Board testen kann.

Im Saarland kann man Stand-Up-Paddling am Bostalsee und am Losheimer Stausee ausprobieren, außerdem gibt es auch Kurse auf der Saar und auf der Blies.

Ein Thema in Wir im Saarland - Service am 07.06.2022.

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