Ein Gemeindemitglied und ein Ministrant zünden die Osterkerze am Osterfeuer an. (Foto: Uwe Zucchi/dpa)

Gottesdienst-Knigge zu Ostern

Oliver Buchholz   20.04.2019 | 08:30 Uhr

Gehen Sie an Ostern in die Kirche? Für all diejenigen, die nicht zu den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern gehören und nicht auffallen wollen, haben wir einen kleinen, nicht ganz ernst gemeinten Knigge zusammengestellt.

Egal ob katholisch oder evangelisch: Tücken lauern schon, bevor der Gottesdienst überhaupt anfängt. Vor katholischen Kirchen brennt in der Osternacht das sogenannte Osterfeuer. Die Frage „Wo gebt‘s denn hei de Schwenker“ sollte man allerdings vermeiden. An den Flammen wird lediglich die Osterkerze angezündet.

Weihwasser nicht zum Händewaschen

Und auch an den Kircheneingängen lauern Gefahren: Die kleinen Wasserbecken sind nicht zum Händewaschen gedacht! Das Becken ist mit Weihwasser gefüllt. Gerne darf man seine Fingerspitzen eintauchen und mit einem Kreuzzeichen die Kirche betreten. Das erinnert an die eigene Taufe und daran, dass man damit sozusagen in dem Gotteshaus heimisch ist.

Wenn dann der Gottesdienst beginnt, geht vor allem in den katholischen Kirchen der ständige Wechsel der Körperhaltungen los. Wer an den falschen Stellen steht oder sitzt, fällt den treuen Gottesdienstbesuchern schnell auf. Dabei ist es doch so einfach: Los geht es im Stehen, gefolgt von Sitzen, Stehen, wieder Sitzen, Stehen, Sitzen, Knien, Stehen, Sitzen, Stehen und Knien.

"Amen" und nicht "Danke"

Dazwischen darf man sogar einmal die Bank verlassen: Zum Empfang der Kommunion. Auch hier kann man schnell als Feiertagskirchgänger auffallen. Wenn man die Hostie entgegennimmt, heißt es Amen. Auf ein „Danke“ reagieren manche Priester etwas allergisch. Wer die Kommunion nicht empfangen möchte, darf aber auch in der Bank bleiben.

An Ostern gibt es Geschenke. Das weiß man auch bei Kirchens. Das Geldkörbchen, das etwa in der Hälfte der Veranstaltung herumgereicht wird, ist aber nicht zum Bedienen gedacht, sondern eine Einladung, etwas hineinzuzulegen. Die Einnahmen sind in der Regel für notleidende Menschen in aller Welt gedacht.

Viele Gemeinden lassen sich zu Ostern Besonderes einfallen. Egal ob die Predigt, bei der Beleuchtung, der Dekoration oder natürlich der Musik: Oft geht es liturgisch extravagant zu. Applaus während des Gottesdienstes ist eher unangebracht. Am Ende ist es aber in manchen Gemeinden ein schönes Zeichen zu Klatschen - vor allem für die ehrenamtlichen Mühen, die vielerorts in die Gottesdienstgestaltung einfließen.

An Ostern dauert's etwas länger

Übrigens: Treue Kirchgänger und auch die Seelsorger reagieren auf die Frage „Wie lang dauert die Kirch dann heit?“ nicht gerade begeistert. In der Regel dauert das Kirchenspiel an Ostern je nach Art des Gottesdienstes eineinhalb bis zwei Stunden. Außerdem sollte man sich in katholischen Kirchen auf übermäßigen Gebrauch von Weihrauch einstellen und mit angemessener Kleidung erscheinen.

Dann steht friedlichen Ostern in der Kirche nichts mehr entgegen!

Artikel mit anderen teilen