Hanteln in einem Fitnessstudio (Foto: Pixabay/Walter Röllin)

Dürfen Fitnessstudios Verträge verlängern?

Rebecca Kaiser   06.09.2020 | 08:43 Uhr

Die Fitnessstudios im Saarland haben Anfang des Jahres zwei Monate lang schließen müssen. Das war Teil der damaligen Rechtsverordnung des Landes. Dürfen die Betreiber deshalb die Verträge einfach verlängern? Und müssen sie bereits gezahlte Beiträge zurückerstatten?

Restaurants, Kneipen, Museen, Freizeitparks, Clubs – Anfang des Jahres waren viele Einrichtungen geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Darunter waren auch Fitnessstudios. Um ihre Verluste zu reduzieren, hängen einige deshalb einfach die Zeit an die normale Vertragslaufzeit an:

„Sehr geehrter Kunde, da unser Fitnessstudio in der Zeit vom 18. März bis zum 18. Mai coronabedingt geschlossen hatte, verlängert sich ihr Vertrag um zwei Monate. Ihr neuer Termin der Kündigung ist der…“

Wer so oder so ein ähnliches Schreiben von seinem Fitnessstudio erhalten hat, muss das aber nicht einfach hinnehmen. Denn eine solche Verlängerung des Vertrages ist nicht rechtens: „Studiobesitzer dürfen nicht einfach einseitig sagen: ‚Ich hänge die Zeit, die ausgefallen ist, einfach dran'“, erläutert Eva Ludwig von der Verbraucherzentrale Saar.

Beiträge können zurückverlangt werden

Demnach stehen den Kunden mehrere Möglichkeiten offen. Wer seine Beiträge in der Zeit, in der die Studios geschlossen waren, weitergezahlt hat, kann diese zurückfordern. „Rechtlich gesehen haben Sie für die Zeit, in der das Studio geschlossen war, einen Anspruch darauf, die geleisteten Beiträge zurückbekommen“, erklärt die Expertin der Verbraucherzentrale. Das ginge auch noch im Nachhinein.

Allerdings muss der Studiobetreiber nicht zwingend Geld zurückzahlen – er kann auch mit einem Wertgutschein die Beiträge zurückerstatten: „Die Gutscheinlösung betrifft auch die Fitnessstudios. Das hat der Gesetzgeber am 20. Mai eingeführt.“

Das heißt, betroffene Kunden können versuchen, ihr Geld zurückzubekommen. Besteht der Inhaber auf einem Gutschein, müssen sie auch das akzeptieren.

Persönliches Gespräch suchen

Denjenigen, die die Zahlungen ausgesetzt hatten, empfiehlt Ludwig eine persönliche Klärung: „Ich würde zunächst einmal das Gespräch suchen oder den Fitnessstudio-Betreiber anschreiben und sagen, dass ich mit der Verlängerung der Vertragslaufzeit nicht einverstanden bin.“ Sollte sich der Besitzer nicht einsichtig zeigen, können Kunden aber auch ihren Lastschrifteinzug fristgerecht zum regulären Vertragsende einstellen. Rechtliche Folgen sind in diesem Fall nicht zu befürchten.

Online-Kurse kein vollwertiger Ersatz

Übrigens: Eine Verlängerung des Vertrages ist auch dann nicht in Ordnung, wenn das Studio in der Zeit der Schließung Online-Kurse angeboten hat: „Der Fitnessstudio-Vertrag beinhaltet die Inanspruchnahme vor Ort und ein Onlineangebot ist als vollständiger Ersatz nicht ausreichend“, ergänzt Eva Ludwig.

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