Symbolbild: Abmahnschreiben. (Foto: IMAGO / agefotostock)

Was bei einem Abmahnschreiben wegen Google Fonts zu tun ist

Anne Staut   24.10.2022 | 11:16 Uhr

Viele Webseitenbetreiber erhalten derzeit Post von einem Anwalt. Der Vorwurf: Sie verwenden datenschutzwidrig sogenannte Google Fonts auf ihrer Website. Doch sind diese Abmahnungen überhaupt berechtigt und wie sollte man darauf reagieren?

Derzeit erhalten Webseitenbetreiber offenbar vermehrt Abmahnschreiben wegen der Einbindung von Google Fonts. Dem SR liegen mehrere Schreiben betroffener Webseitenbetreiber aus dem Saarland vor - auch die IHK im Saarland hat ihre Mitglieder bereits auf die Problematik hingewiesen.

Was ist das Problem mit Google-Fonts?

Bei Google-Fonts handelt es sich um Schriftarten, die von Google zur Verfügung gestellt werden und in Webseiten eingebunden werden können. Technisch weniger versierten Webseitenbetreibern muss dabei noch nicht einmal bewusst sein, dass sie diese Schriftarten überhaupt auf ihrer Seite einsetzen.

So nutzen zum Beispiel einige Wordpress-Vorlagen diese Schriftart. Wordpress ist ein Programm, mit dem auf einfachem Weg professionell aussehende Webseiten erstellt werden können - und das entsprechend häufig genutzt wird.

Das Problem: Sind auf einer Webseite Google Fonts extern eingebunden, werden beim Besuch der Seite personenbezogene technische Daten an Google und damit einen Server in den USA gesendet. Das ist laut einem Urteil des Landgerichts München von Anfang des Jahres ohne Einwilligung des Websiten-Nutzers datenschutzwidrig.

Ziel: Profit und nicht Schutz des Persönlichkeitsrechts

Grundsätzlich sei eine solche Abmahnung wegen der Verletzung des Persönlichkeitsrecht deshalb erstmal berechtigt, sagt der Saarlouiser Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, Gerald Schlupp.

Ob das auch für diese Abmahnwelle gilt, die offenbar eine Vielzahl von Webseitenbetreibern betrifft, lässt sich anzweifeln. Denn die Abmahnung erfolgt in vielen Fällen durch zwei Anwaltskanzleien, die jeweils die Rechte nur eines Mandaten geltend machen wollen und die Webseitenbetreiber zur Zahlung von 170 oder mehr als 200 Euro auffordern.

"Es ist davon auszugehen, dass diese Seiten von dem Geschädigten bewusst angesteuert werden und damit Profit gemacht wird", so Schlupp. Es gehe dann nicht um die Verletzung des Persönlichkeitsrechts, sondern darum, einen Gewinn zu erzielen. Deshalb hält der Anwalt die Massenabmahnschreiben für unberechtigt und damit "rechtsmissbräuchlich".

Eigene Website überprüfen

Doch wie sollten sich Webseitenbetreiber nun verhalten, wenn sie ein solches Schreiben erhalten? Zunächst mal ist es wichtig zu klären, ob überhaupt ein Verstoß vorliegt. Websites wie eRecht24 oder auch avalex.de bieten eine entsprechende Überprüfung an. Dafür muss lediglich die Website-Adresse eingegeben werden.

Liegt tatsächlich ein Verstoß vor, sollte man diesen abstellen, rät Schlupp. Wer weiter Google Fonts verwenden will, sollte diese lokal über den eigenen Server einbinden.

IHK berät Unternehmen

Ansonsten stehen Betroffenen grundsätzlich drei Möglichkeiten offen, wie sie reagieren können. Eine Möglichkeit sei, die geforderte Summe zu bezahlen, erklärt der Anwalt. Man könne die Abmahnung aber auch einfach erstmal liegen lassen. Es könnte jedoch sein, dass Klage erhoben werde.

Die dritte Möglichkeit sei, die Abmahnung zurückzuweisen. Dazu kann man sich entweder an einen Anwalt wenden oder aber selbst ein Schreiben aufsetzen. Saarländischen Unternehmen, die ein Abmahnschreiben erhalten haben, bietet auch die Industrie- und Handelskammer Beratung an.

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