Foto: SR

Pressekonferenz in Zeiten von Corona

Roswitha Böhm   08.04.2020 | 18:46 Uhr

Die Corona-Pandemie hat nicht nur Folgen für Alltag, Politik und Wirtschaft. Sie wirkt sich auch auf die Arbeit der Presse aus. Das konnte man beispielsweise bei der Pressekonferenz am Mittwoch beobachten, bei der Ministerpräsident Tobias Hans und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger eine Zwischenbilanz zu den Corona-Maßnahmen im Saarland gezogen haben. Denn für Journalisten gelten dort nun andere Regeln.

Als Tobias Hans und Anke Rehlinger gemeinsam Bilanz ziehen, sind nur Fernsehteams und Fotografen in der Staatskanzlei anwesend. Alle anderen Journalisten verfolgen die Pressekonferenz am Bildschirm. Denn um die Kontakteinschränkungen einzuhalten, dürfen nur Journalisten teilnehmen, die auch wirklich vor Ort sein müssen.

Die neuen Regeln seien natürlich der derzeitigen Situation geschuldet, sagt der Vorsitzende der Landespressekonferenz Oliver Hilt. Natürlich werde die journalistische Arbeit dadurch erschwert. Aber eine grundsätzliche Einschränkung sieht Hilt nicht, zumindest nicht nach den bisherigen Erfahrungen.

Fragen nur noch per E-Mail

Auswirkungen auf die journalistische Arbeit haben die Neuregelungen trotzdem. Denn Journalisten können ihre Fragen nun nicht mehr direkt vor Ort stellen, sondern müssen sie im Vorfeld oder während der Veranstaltung per E-Mail einreichen. Damit haben sie keine Kontrolle mehr darüber, welchen Fragen sich die Landesregierung stellen muss. Die Auswahl liegt, zumindest theoretisch, bei Regierungssprecher Alexander Zeyer.

„So wird die Möglichkeit geschaffen, Fragen auszuwählen“

Christoph Grabenheinrich (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Christoph Grabenheinrich

„Ich will Herrn Zeyer nicht vorwerfen, dass er unangenehme Fragen ausblendet“, sagt Christoph Grabenheinrich, Politikreporter für das SR-Fernsehen. Aber so werde die Möglichkeit geschaffen, Fragen auszuwählen, und das dürfe gar nicht erst sein. Regierungssprecher Zeyer sagt auf SR-Anfrage hin, dass die im Vorfeld der Pressekonferenz am Mittwoch eingegangenen Fragen zusammengefasst und gesichtet wurden. Besonders häufig eingesendete Fragen habe er zuerst gestellt. Während der Konferenz habe er dann Fragen ausgewählt, die noch nicht in den Statements von Hans und Rehlinger beantwortet wurden.

Keine Überraschungen mehr

In den zehn Minuten vor der Konferenz hätten sich Ministerpräsident Hans und Wirtschaftsministerin Rehlinger gemeinsam vorbereitet, so Zeyer. In diesem Gespräch habe der Regierungssprecher einzelne Fragestellungen bereits angesprochen.

Auch darin, dass Hans und Rehlinger einige der Fragen schon vorher kannten, sieht Christoph Grabenheinrich ein Problem. Denn wer sich vorbereiten könne, lasse sich nicht mehr überraschen. „Oftmals ist ja auch die Art, wie jemand auf eine Frage reagiert, eine Art Aussage. Schluckt er? Zuckt er? Muss er nachdenken?“

Ein Nachhaken ist nicht mehr möglich

Die Pressefreiheit sieht Olivier Hilt, der Vorsitzende der Landespressekonferenz, durch die neuen Abläufe nicht beschränkt. „Das Problem ist der fehlende direkte Rückkanal.“ Denn die Journalisten könnten derzeit keine Nachfragen mehr stellen. Genau das hält SR-Reporter Christoph Grabenheinrich für bedenklich. Für ihn wird Kommunikation so zu einer Einbahnstraße. Er habe nicht mehr die Möglichkeit, zu reagieren und gezielt nachzuhaken.

Videokonferenz als Lösung?

Um Nachfragen in Zukunft doch möglich zu machen, werde laut Regierungssprecher Zeyer bereits nach Lösungen gesucht. Es bestehe beispielsweise die Möglichkeit, dass Journalisten und Journalistinnen ihre Fragen live per Videokonferenz stellen. „Dieses Format testen wir derzeit und hoffen es zeitnah einsetzen zu können.“

Pressekonferenz der Landesregierung zur Zwischenbilanz der Corona-Maßnahmen (08.04.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 70 Min.]
Pressekonferenz der Landesregierung zur Zwischenbilanz der Corona-Maßnahmen (08.04.2020)
Die Einschränkungen wegen des neuartigen Corona-Virus werden im Saarland auch weiter nicht gelockert. Das haben Ministerpräsident Hans (CDU) und seine Stellvertreterin Rehlinger (SPD) betont. Hans sagte, die Maßnahmen zeigten zwar eine starke Wirkung. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh.

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