Eine französische Flagge weht auf einem Gebäude in Strasbourg (Foto: unsplash/Hassan Anayi)

Frankreich hat Wahlkampf für Parlamentswahlen eingeläutet

Bettina Rau / Onlinefassung: Thomas Braun   23.05.2022 | 20:40 Uhr

Gerade erst ist der französische Präsident Macron wiedergewählt worden, schon steht der nächste Wahlkampf an - dieses Mal für die Parlamentswahlen am 12. und 19. Juni. In Forbach und Umgebung muss Christophe Arend angesichts des starken Zuspruchs für Le Pens Rassemblement National um seine Wiederwahl fürchten.

Europa kommt für Christophe Arend an erster Stelle, das betont er beim Wahlkampfauftakt in Petite Rosselle. Das 47-jährige Mitglied von Macrons "Le République en Marche" ist seit fünf Jahren in Paris als Abgeordneter für Forbach, Freyming und Stiring Wendel.

Als überzeugter Europäer hat er gegen die Grenzschließungen gekämpft. Während der Pandemie konnte er zumindest erreichen, dass die Grenzregion als Lebensraum anerkannt wurde.

Deutsche und Franzosen schaffen es nur zusammen, davon ist er überzeugt: "Es schon lange hier nicht mehr Franzosen, die in Frankreich wohnen oder Deutsche, die in Deutschland wohnen. Es sind Europäer, die auf beiden Seiten der Grenze wohnen und die man zusammenführen muss", sagte Arend.

32-Jähriger Pfeffer tritt für rechte RN an

Sein wohl schärfster Konkurrent ist der 32-jährige Kevin Pfeffer. Pfeffer hat sein Büro für Marine Le Pens Rassemblement National in Stiring Wendel. Bei den Präsidentschaftswahlen fuhr die rechtsradikale Kandidatin Le Pen hier Gewinne von über 60 Prozent ein.

Die Partei will das "wahre Frankreich" zurückerobern. Es ist eine Art Konzept von "Frankreich first", mit dem Pfeffer hier in Stiring Wendel punkten kann.

"Das wahre Frankreich ist ein Frankreich, das sich mehr um die Franzosen kümmert, als um das Elend dieser Welt", sagt Pfeffer. Das "wahre Frankreich" kooperiere eher mit seinen deutschen, spanischen und italienischen Nachbarn als mit Ländern am anderen Ende der Welt.

Le Pens Strategie scheint aufzugehen

Mit dem jungen Kandidaten gibt es hier vor Ort keine Berührungsprobleme, obwohl er einer rechtsextremen Partei angehört. Le Pens Strategie, sich gemäßigt zu geben, ist aufgegangen. Pfeffer spricht gerne über Kaufkraft und hohe Energiepreise, das Thema der gefühlten Unsicherheit verbindet er mit Einwanderern.

Linke Wähler bei Stichwahl wohl entscheidend

Auch Arend betont, dass man die Kaufkraft der Franzosen stärken müsse. Außerdem setzt er sich für eine bessere Gesundheitsversorgung und mehr Bildungschancen ein. Und Arend hat die Unterstützung des Präsidenten. Ob ihm das hilft, wird sich am 12. Juni zeigen.

In einer möglichen Stichwahl eine Woche später käme es dann auf die linken Wähler an, betonen sowohl Arend als auch sein Konkurrent Pfeffer.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 23.05.2022 im SR Fernsehen berichtet.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja