Autofahrer in Gelben Warnwesten beim Massenprotest in Frankreich (Foto: picture alliance/Jean-Francois Badias/AP/dpa)

Viele Verletzte bei Protesten in Frankreich

mit Informationen der AFP   18.11.2018 | 09:02 Uhr

Bei den Protesten am Samstag in ganz Frankreich ist eine Frau verstorben. Mindestens 220 Menschen wurden verletzt. Acht schwebten in Lebensgefahr, wie das Innenministerium am Samstagabend mitteilte.

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Massenproteste gegen hohe Spritpreise: In ganz Frankreich gab es am Samstag mehr als 1500 Straßenblockaden. Davon betroffen war auch die Grenzregion.

Unter den Schwerverletzten sind auch ein Polizist und ein Feuerwehrmann, die eingegriffen hatten, als Demonstranten eine geschlossene Tankstelle attackierten. Eine Demonstrantin wurde in Ostfrankreich getötet, als sie von einem Auto erfasst wurde. 177 Menschen wurden laut Behördenangaben festgenommen, 73 zur weiteren Befragung festgehalten.

Die Proteste erstreckten sich über das gesamte Land. Auch in der Grenzregion zum Saarland waren viele Menschen auf den Straßen und blockierten Autobahnen oder zentrale Verkehrsknotenpunkte.

"Botschaft ist angekommen"

"Die Botschaft ist angekommen", sagte Innenminister Christophe Castaner mit Blick auf die Protestierenden. Die Regierung sei verpflichtet, den Erwartungen der Franzosen und der Kaufkraft weiter zu entsprechen. Die Steuern sind Teil der Pläne von Präsident Emmanuel Macron, sein Land freier von fossilen Brennträgern zu machen und gegen den Klimawandel vorzugehen.

Viele Autofahrer aber sehen in dem Vorhaben ein Musterbeispiel für einen Präsidenten, der das Verständnis für die Alltagssorgen der Bevölkerung vergessen habe. Sie werfen ihm vor, von der Mittelschicht im Verhältnis zu anderen Teilen der Gesellschaft die größten Opfer zu verlangen, um in Frankreich einen Wandel zu schaffen.

Die landesweiten Proteste waren ungewöhnlich, weil sie weder von Gewerkschaften noch von Parteien offiziell unterstützt worden waren.

Umfragewerte für Macron auf neuem Tiefststand

Macrons Rückhalt in der Gesellschaft schwindet unterdessen zusehends. In einer am Sonntag im "Journal du Dimanche" veröffentlichten Umfrage des Ifop-Instituts kommt Macrons nur noch auf 25 Prozent Zustimmung - ein neuer Tiefststand. Macron hatte das Präsidentenamt im Mai vergangenen Jahres angetreten.

Seine Umfrageergebnisse bestätigen den Trend, dass französische Präsidenten bereits kurz nach ihrer Wahl bei einer Mehrheit der Bürger auf Kritik stoßen. So hatte Macrons sozialistischer Amtsvorgänger François Hollande nach etwa der gleichen Zeit im Amt eine Zustimmungsrate von nur noch 20 Prozent, bei Nicolas Sarkozy waren es immerhin 44 Prozent.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 18.11.2018 berichtet.

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