Einweihung des BENU Village, Esch, Provisorium, Bau (Foto: BENU Village Esch)

Luxemburg: Ökodorf "Benu" als Vorzeigeprojekt

David Differdange   06.12.2018 | 06:30 Uhr

Abfall ist nicht gleich Abfall: So lautet die Idee hinter dem Projekt "Benu" im luxemburgischen Esch-sur-Alzette. Neuerdings entstehen hier aus aussortierten Altkleidern neue Kleidungsstücke. In den vergangenen Monaten wurden ausrangierte Schiffscontainer in eine kleine Fabrik verwandelt, die jetzt nach und nach zum Ökodorf ausgebaut und so die Stadt bereichern soll.

Thementag
"Einfach natürlich - Umweltbewusstsein im Alltag"
„Nur noch kurz die Welt retten“ - Das würde ja eigentlich jeder gerne. Nur wie? Es gibt tausende Ratgeber und noch mehr gute Ratschläge für ein umweltbewusstes Leben. Da fällt der Durchblick schwer. Der Saarländische Rundfunk will deshalb Licht in den Dschungel der Nachhaltigkeit bringen.

Man muss schon etwas genauer hinschauen, um die neun Schiffscontainer zu erkennen, aus denen das auffällige Gebäude im Grenzer Viertel besteht. Das durch seine zahlreichen Verzierungen exotisch anmutende Haus in Esch-sur-Alzette trägt den Namen "Benu Provisorium" und ist ein Vorzeigeprojekt. Im Sommer wurden die Container von 70 Freiwilligen gestaltet und ökologisch isoliert. Alles dreht sich um "Upcycling", Abfallprodukte werden hier in Esch in neue Produkte umgewandelt.

Einweihung des BENU Village, Esch (Foto: BENU Village Esch)
Das "Benu Provisorium" während der Einrichtung.

Im Inneren des Container-Hauses befindet sich die kleine Werkstatt, in der Näherinnen Modeartikel aus eingesammelten Altkleidern herstellen. "Benu Couture" heißt dieser Zweig des Ökoprojekts, welches von den Beteiligten "Be new" ausgesprochen wird. Langfristig soll "Benu" zum Dorf ausgebaut werden, dafür muss das Projekt 2020 den Standort wechseln. Die Stadt Esch stellt dem Projekt ein Grundstück zur Verfügung, auf dem dann bis zu 40 Container Platz haben. Bisher steht das "Benu Provisorium" noch gegenüber, auf dem Parkplatz eines Discounters.

"Wir stellen uns sozusagen vor den Abfallcontainer"

Ins Leben gerufen wurde "Benu" von Georges Kieffer, der dafür 2017 seinen Job in einem IT-Unternehmen aufgegeben hat. "Vor vier Jahren ist mir an einem Tag wieder einmal eine Jeans gerissen und ich habe entschieden, mir keine neue mehr zu kaufen", sagt er über den Startschuss. Erfolgreich warb der 51-Jährige bei Stadt und Nachhaltigkeitsministerium um finanzielle Unterstützung. Private Mittel von Investoren – seien sie noch so ökologisch – nimmt Kieffer nicht an. Denen gehe es am Ende eben auch vornehmlich um Profit, erklärt er.

Einblick in die "Benu couture" Werkstatt

Auf der Homepage der Initiative tauchen immer wieder Schlagworte wie soziale Verantwortung, Kreislaufwirtschaft, lokale Produktion und Transparenz auf. Sogar eine eigene Charta hat das Team um Initiator Kieffer entwickelt. "Diese Charta besagt auch, dass wir keine teuren, aufwendigen Produkte verbrauchen, auf denen 'bio' steht", sagt Kieffer. Vielmehr beschränke sich "Benu" auf Produkte, die von anderen weggeworfen würden: "Wir stellen uns sozusagen symbolisch vor den Abfallcontainer, um mit den Sachen daraus zu arbeiten."

Die Stoffe, die von den Näherinnen weiterverarbeitet werden, sind in der Regel gut gepflegte, aussortierte Kleidungsstücke von Privatpersonen. "Sobald wir mehr benötigen, werden wir ausdrücklich für unser Kleiderprojekt werben", kündigt Kieffer an.

Raum für Gastronomie, Kunst und Kreativität

Für 2019 sei außerdem die Eröffnung eines Restaurants geplant. Dort sollen nur Lebensmittel verwendet werden, die "bestimmte Präsentationsmerkmale" nicht erfüllen. "Braune Flecken auf einem Apfel oder gelbe Knospen an einem Brokkoli sind eben kein Zeichen von Alter oder geringfügiger Qualität, sondern vielmehr ein Ausdruck von Natürlichkeit", betont Kieffer.

Einweihung des BENU Village, Esch - Schild (Foto: BENU Village Esch)
"Benu" will als Ökodorf in der gesamten Großregion sichtbar werden.

Neben nachhaltiger Kleidung und Gastronomie soll das Ökodorf in Zukunft auch Raum für Kunst und Kreativität bieten. Als Wohnsiedlung ist das "Benu Village" dabei nicht gedacht. Während der Planung wurde nicht nur in Luxemburg nach geeigneten Standorten gesucht. "Zwei Städte in Deutschland, eine in Frankreich und vier in Luxemburg kamen für uns in Frage", verrät Kieffer.

Die Wahl fiel schließlich auf Esch-sur-Alzette, weil die ehemalige Industriestadt aktiv daran arbeitet, ihr Image zu verbessern. 2022 trägt Esch gemeinsam mit der litauischen Stadt Kaunas den Titel der europäischen Kulturhauptstadt. Das "Benu Village" soll dabei eine tragende Rolle einnehmen.

Artikel mit anderen teilen