Die neue Tram in Luxemburg (Foto: imago/Steinach)

Kostenloser ÖPNV in Luxemburg ab 2020

  12.12.2018 | 08:12 Uhr

Bahn- und Busfahren wird in Luxemburg vom ersten Quartal 2020 an kostenlos sein. Bei seiner Regierungserklärung am Dienstag bekräftigte Luxemburgs Premierminister Bettel noch einmal die Pläne aus dem Koalitionsvertrag. Dazu gehört neben dem kostenlosen ÖPNV auch die Legalisierung von Cannabis.

"Luxemburg wird das erste Land der Welt sein, in dem man den öffentlichen Nahverkehr spontan oder geplant nutzen und überall ein- und aussteigen kann, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche Fahrkarte man am besten kauft", sagte Premierminister Xavier Bettel am Dienstag während seiner Regierungserklärung vor dem Parlament des Großherzogtums. "Das steht uns einfach gut zu Gesicht und trägt enorm zum Image und zur Attraktivität Luxemburgs bei", fügte er hinzu.

Verkehrsprobleme in den Griff bekommen

Der Gratis-Nahverkehr ist Teil des politischen Bemühens, die Verkehrsprobleme des 600.000 Einwohner zählenden Landes zu entspannen: Jeden Tag pendeln auch rund 200.000 Menschen aus Deutschland, Frankreich und Belgien zur Arbeit nach Luxemburg. Ein bis zum Jahr 2035 reichender Mobilitätsplan soll nach den Worten von Bettel dafür sorgen, dass Service und Pünktlichkeit des öffentlichen Nahverkehrs verbessert werden und dass beispielsweise in Grenznähe das Parkangebot für Berufspendler ausgebaut wird.

ÖPNV schon jetzt zu 90 Prozent subventioniert

Schon bisher wird der öffentliche Transport im Großherzogtum mit sehr niedrigen Fahrkartenpreisen zu etwa 90 Prozent durch den Staat finanziert. Jugendliche bis zu 20 Jahren und Studenten fahren bereits kostenlos. Eine Einzelfahrkarte kostet zwei Euro und gilt zwei Stunden lang im ganzen Land.

Cannabis-Markt aus "den düsteren Ecken herausholen"

Bettel bekräftigte bei seiner Rede auch die Absicht, den Konsum von Cannabis zu legalisieren. Es gehe nicht um eine Verharmlosung der Gefahren: "Wir holen den Markt aus den düsteren Ecken heraus und schützen damit die Leute, die Cannabis konsumieren." Bettel sagte: "Dass Cannabis-Produkte konsumiert werden, ist eine Realität." Die Produkte seien jedoch "schwer belastet" und durch hohen Gehalt des psychoaktiven Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) mit größeren Gefahren verbunden.

Im Koalitionsvertrag von Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen heißt es, es solle "unter Kontrolle des Staates eine nationale Produktions- und Verkaufskette geschaffen und damit die Qualität des Produkts garantiert werden". Die Einnahmen aus dem staatlichen luxemburgischen Cannabishandel sollen vor allem für Präventionskampagnen und die Betreuung von Suchtabhängigen verwendet werden.

Bettels seit 2013 regierende Dreier-Koalition hatte bei der Parlamentswahl vom 14. Oktober 31 der 60 Parlamentsmandate errungen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 04.12.2018 berichtet.

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