Der französische Karikaturist und Illustrator Jean-Jacques Sempé (Foto: picture alliance/dpa/AFP | Martin Bureau)

Frankreich trauert um Jean-Jacques Sempé

  12.08.2022 | 10:29 Uhr

Der Erfinder des "kleinen Nick", der französische Comic-Zeichner Jean-Jacques Sempé, ist tot. Er starb nach Angaben seiner Ehefrau am Donnerstagabend im Alter von 89 Jahren im Kreise von Familie und Freunden, nur wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag.

Nicht seine Figuren sind klein, sondern die Welt ist groß. Das hat Jean-Jacques Sempé selbst gesagt. Mit seinen Zeichnungen zu der Kinderbuchserie "Der kleine Nick" ist er weltberühmt geworden. Über acht Millionen Mal sind seine Bücher verkauft worden.

Am Donnerstagabend ist Jean-Jacques Sempé im Alter von 89 Jahren "friedlich" und "umgeben von seiner Frau und seinen engen Freunden" gestorben, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Verweis auf Sempés Biograph und Freund Marc Lecarpentier berichtete. Am 17. August hätte Sempé seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Bücher in 30 Sprachen übersetzt

Sempé hatte die Figur des kleinen, im Frankreich der 1950er Jahre lebenden Jungen Nick zusammen mit "Asterix"-Autor René Goscinny erfunden. Die erste Geschichte erschien am 29. März 1959 in der Regionalzeitung "Sud-Ouest Dimanche".

Binnen sechs Jahren wurden mehr als 200 Episoden um Nick, seinen immer hungrigen Freund Otto, den bebrillten Streber Adalbert und den prügelbereiten Franz veröffentlicht. Sie erschienen später als Bücher und wurden in 30 Sprachen übersetzt. 15 Millionen Exemplare wurden in 45 Ländern verkauft, sie wurden verfilmt und als Zeichentrickserie adaptiert.

«Der kleine Nick» des französischen Zeichners Jean-Jaques Sempé.  (Foto: picture alliance / dpa | Diogenes Verlag / Jean-Jaques Sempé)
"Der kleine Nick" des französischen Zeichners Jean-Jaques Sempé.

Harter Weg zum Erfolg

Sempé selbst sagte 2018 über die Reihe, sie sei für ihn "ein Weg gewesen, das Elend, das ich in meiner Kindheit erlebt habe, wieder aufleben zu lassen und gleichzeitig sicherzustellen, dass alles gut ausgeht". Er war am 17. August 1932 als uneheliches Kind im Dorf Pessac nahe Bordeaux geboren worden. Er wuchs zunächst in einer gewalttätigen Pflegefamilie auf, bis seine Mutter ihn zurückholte – und ihn so der Gewalt seines Stiefvaters aussetzte.

Sempé wollte eigentlich Jazz-Pianist werden und verließ die Schule im Alter von 14 Jahren, um zum Militär zu gehen. Der soldatische Drill taugte bei ihm aber ebenso wenig: Sempé begann, Zeichnungen an Pariser Zeitungen zu verkaufen. Während der Tätigkeit für eine Nachrichtenagentur freundete er sich mit Goscinny an – und legte so den Grundstein für den späteren Welterfolg mit "Der kleine Nick".

In den ersten Jahren interessierte sich allerdings kaum jemand für die Zeichnungen des kleinen Jungen. Sempé hielt sich mit Zeichnungen für Zeitungen finanziell über Wasser, es seien "schreckliche" Jahre gewesen, sagte er später.

Später Durchburch

Ein solides Einkommen bescherte Sempé erst seine Tätigkeit bei dem US-Magazin "New Yorker", das ihn 1978 anstellte. "Ich war fast 50 und zum ersten Mal in meinem Leben existierte ich", sagte Sempé später über diesen Wendepunkt in seinem Leben.

Sempé illustrierte in den Folgejahren so viele Titelseiten des für seine künstlerisch hochwertigen Cover bekannten "New Yorker" wie kein anderer Künstler. Einen Namen machte er sich zudem mit Karikaturen in den Zeitschriften "Paris Match" und "L'Express". Erst vor zwei Jahren brachte Sempé den Bildband "Garder le cap" (deutscher Titel: "Hin und weg") heraus, eine Art Werkschau seiner Karikaturen für "Paris Match".

"Tränen der Trauer"

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron würdigte den verstorbenen Zeichner. "Die zarte Ironie, die Feinheit der Intelligenz, der Jazz: Wir werden Jean-Jacques Sempé nicht vergessen können", schrieb Macron im Online-Dienst Instagram. "Sein Blick und sein Stift werden uns schmerzlich fehlen." Sempés Werk sei stets von Leichtigkeit geprägt gewesen, gleichzeitig sei dem Blick des Zeichners "nichts entgangen".

Die französische Premierministerin Elisabeth Borne sprach Sempés Angehörigen und Freunden im Kurzbotschaftendienst Twitter ihr Beileid aus. "Sempé, das war die Zeichnung und der Text. Es war das Lächeln und die Poesie." Sempés Leserinnen und Leser hätten manchmal Tränen gelacht – nun würden sie Tränen der Trauer vergießen.

Bis zuletzt hatte sich Sempé dankbar für die öffentliche Anerkennung gezeigt: "Ich hätte nie geglaubt, dass eines Tages jemand meine Sachen kaufen wird, um sie bei sich zu Hause zu haben", bekannte er einmal im Gespräch mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung"; "das haut mich um, auch nach all den Jahren noch."

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.08.2022 berichtet.

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