Training für den Königspfad

Luxemburger will mit Huskys auf den "Königspfad"

David Differdange   21.12.2018 | 10:04 Uhr

Aus Luxemburg in die Kälte Lapplands: Hundeschlittenführer Raphael Fiegen plant im Februar 500 Kilometer durch Schweden zu reisen. Bis dahin bereitet er sich nahe Esch-sur-Alzette mit seinen Schlittenhunden vor. Besonders treibt den jungen Mann die Erinnerung an den verstorbenen Vater an.

Schon von weitem hört man aus dem Waldstück oberhalb von Esch-sur-Alzette das markante Heulen der Schlittenhunde. Das Rudel begrüßt ihren Musher, den Hundeschlittenführer Raphael Fiegen, wie jeden Morgen überschwänglich. Schwanzwedelnd laufen die Tiere in ihrem Zwinger auf und ab, springen am Zaun hoch und lassen ihre kräftigen Stimmen durch den herbstlichen Wald hallen. Die Begrüßung wächst zum regelrechten Begeisterungssturm an, als Raphael aus dem kleinen Schuppen nebenan die zwei ersten Geschirre holt. Die Tiere versprühen unbändige Energie und Tatendrang.

Hartes Training für die Reise auf dem "Kungsleden"

Raphael Fiegen mit einem seiner Schlittenhunde (Foto: David Differdange/SR)
Raphael mit seiner Grönlandhündin Nayeli.

Vor dem Training seien die Hunde immer aufgeregt, erzählt Raphael. Der 30-jährige Abenteurer befindet sich inmitten der Vorbereitungen auf seine nächste Expedition. Im kommenden Februar will er den Wanderweg "Kungsleden" (schwedisch für "Königspfad") in Schweden bereisen. Der anspruchsvolle Weg durch das nordische Lappland ist als "King of Trails" bekannt und zieht Abenteuerlustige aus der ganzen Welt an. Neben den knapp 500 Kilometern Distanz sind insbesondere die Höhenmeter eine Herausforderung. So führt der "Kunsleden" über den Tjäktja Pass in 1150 Metern Höhe. Eine Route, die Mensch und Tier alles abverlangt und deshalb gut vorbereitet sein will.

Fast ein wenig ungeduldig schauen sich die Hunde an diesem trüben Dezembertag nach ihrer Bezugsperson um. Heute stehe eine "Krafteinheit" an, erklärt Raphael. Dafür wurden die sechs Schlittenhunde nicht vor einen leichten, schlittenähnlichen Wagen, sondern vor ein 200 Kilo schweres Quad gespannt. Mit den zwei Menschen die auf dem Gefährt stehen, bewegen die Tiere über 300 Kilo. Davon ist, als Raphael "Go!" ruft, nicht viel zu spüren. Im flachen Terrain ziehen die Hunde das Gewicht beinahe mühelos, in den Anstiegen steigt der Musher ab, um die Last zu verringern.

Letzte Lappland-Expedition fiel ins Wasser

Raphael Fiegen unterwegs mit seinem Hundeschlitten (Foto: Raphael Fiegen)
Raphael Fiegen bei seiner Lappland-Expedition 2016.

Gemeinsam mit dem Belgier Bert Poffé hatte Raphael schon 2016 versucht den Kungsleden komplett zu bereisen. Doch die beiden mussten ihre Reise wetterbedingt abbrechen. „Viele Leute sprechen über den Klimawandel, haben ihn aber noch nie selbst gesehen. Wir konnten 2016 den Klimawandel am eigenen Leib erleben“, berichtet der Luxemburger. Zahlreiche Flüsse und Seen, die im Winter normalweise zugefroren sind, seien unpassierbar gewesen. Dazu habe unerwarteter Regen die Expedition gebremst. Diese Erfahrungen lässt Raphael auch in seine Berichte als Greenpeace-Botschafter bei Vorträgen in Luxemburg einfließen.

"Von den Hunden hier, kommen nur die beiden vorne mit nach Lappland", erzählt der 30-Jährige während des Trainings. Im Gegensatz zu früheren Expeditionen, wird er dieses Mal kein ganzes Gespann lenken. Nur der ostsibirische Laika Kenai und die Grönlandhündin Nayeli, die Jüngsten seiner insgesamt acht Hunde, werden in Lappland seine Ausrüstung ziehen. Er selbst wird dem Duo auf Langlaufskiern folgen. Grund sei das Alter seiner Hunde, erklärt Fiegen. Aus seinem Rudel seien nur noch Kenai und Nayeli kräftig genug für die strapaziöse Expedition. Erst in den nächsten Jahren will Raphael schrittweise ein neues Team aufbauen.

Abenteuer in Gedenken an Vater Romain

Die Leidenschaft für Abenteuer und Sport wurde Raphael in die Wiege gelegt. Bruder David gewann 2006 bei der Leichtathletik-EM Silber über die 800 Meter. Trainer und Manager war damals Vater Romain Fiegen. "Die Kungsleden-Expedition widme ich ihm", sagt Raphael über seinen Vater, der vergangenes Jahr an Krebs gestorben ist. "Er hat mich immer unterstützt und ich möchte für dieses Engagement etwas zurückgeben." 1994 hatte Romain Fiegen als erster Luxemburger den magnetischen Nordpol erreicht.

Raphael Fiegens Vorbereitungen auf den "Kungsleden"

In der Tradition seines Vates sieht auch Raphael sich eher als Abenteurer und weniger als Wettkämpfer. Hundeschlittenrennen, wie der legendäre Yukon Quest durch Alaska, seien für ihn weniger interessant als eigene Expeditionen. "Es geht um ein Gefühl der Freiheit, ich habe alles selbst in der Hand. Bei einem Rennen gibt es klare Regeln und einen Parcours", meint Raphael. Finanziert werden seine Expeditionen durch Sponsoren. Im Alltag arbeitet der 30-Jährige im Sicherheitsdienst auf einem Militärgelände.

Durch die Hunde "nie allein"

Husky (Foto: David Differdange/SR)
Die Hunde sind auch moralisch eine wichtige Stütze für den Abenteurer.

Zurück am Zwinger ist Zeit für Streicheleinheiten. Rund fünf Kilometer haben die Tiere im Wald zurückgelegt, müde wirken sie jedoch noch nicht. In Lappland will Raphael Etappen von 25 Kilometern pro Tag zurücklegen – wenn das Wetter es erlaubt: "Ich rechne mit einigen Schneestürmen, die sind zu der Jahreszeit gerade in den Bergen sehr häufig."

Neben dem harten, körperlichen Training versucht Raphael auch, sich mental vorzubereiten. Die klirrende Kälte Lapplands mache ihm vor allem in der Nacht und am Morgen zu schaffen. Immerhin, betont der Musher, sei man durch die Hunde nie alleine. Das Andenken an Vater Romain ist für Raphael bei der anstehenden Reise eine besondere Motivation. "Ich will dieses Mal unbedingt ankommen. Wenn es sein muss, auf allen Vieren."

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