Bildcombo: Bénédicte Savoy und Anselm Kiefer (Foto: picture alliance/dpa/Thilo Rückeis TSP/ Marijan Murat)

Die Gewinner des Großen Deutsch-Französischen Medienpreises 2022

  25.05.2022 | 11:00 Uhr

Der Große Deutsch-Französische Medienpreis 2022 geht an die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und an den Künstler Anselm Kiefer. Das haben die Mitglieder und Partner des Deutsch-Französischen Journalistenpreises (DFJP e.V.) auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung entschieden. Die Auszeichnung wird am 6. Juli während einer feierlichen Zeremonie in Paris vergeben.

Die Gewinner für den Großen Deutsch-Französische Medienpreis 2022 stehen fest. Der Hauptpreis geht an die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und an den Künstler Anselm Kiefer.

Die Entscheidung der Mitglieder und Partner des Deutsch-Französischen Journalistenpreises (DFJP e.V.) fiel auf der jüngsten Mitgliederversammlung. Vergeben wird der Preis am 6. Juli während einer feierlichen Zeremonie in Paris.

Medienpreis wichtiges Signal für Frieden und Verständigung

Der Vorstandsvorsitzende des DFJP und Intendant des Saarländischen Rundfunks, Martin Grasmück, sagte, die beiden Preisträger stünden für Annäherung, Diversität und Respekt für andere Völker, verschiedene Religionen und kulturelle Prägungen. Ihre Ehrung mit dem Großen Deutsch-Französischen Medienpreis sei besonders vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und der weltweiten Krisen ein wichtiges Signal für Frieden und Verständigung.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass Kunst und Kultur einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, Brücken zu schlagen und wieder zueinander zu finden“, so Grasmück. Viele Menschen hätten den Eindruck, dass die Welt aus den Fugen geraten sei.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Verbreitung von Hass und Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken und der Versuch, Grenzen in Europa erneut mit Gewalt zu verschieben, machten zudem deutlich, wie wichtig es sei, den Dialog und das Recht jedes Menschen auf Selbstbestimmung entschlossen zu verteidigen.

Kiefer beleuchtet Abgründe der europäischen Geschichte

Anselm Kiefer erhält den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis für seine Verdienste um die deutsch-französische Verständigung und den kulturellen Austausch in ganz Europa.

Der DFJP-Vorstandsvorsitzende betonte, Anselm Kiefer leiste seit Jahrzehnten einen herausragenden Beitrag, um die Abgründe und Widersprüche der europäischen Geschichte auszuleuchten. Dies gelte insbesondere für den Holocaust und die Frage, wie es dazu kommen konnte und wohin die ideologische Überhöhung der eigenen Existenz führen könne.

Savoy engagiert bei Rückgabe erbeuteter Kunstwerke

Darüber hinaus geht der Große Deutsch-Französische Medienpreis 2022 an Bénédicte Savoy für ihre weltweit beachtete Forschungsarbeit und ihr Engagement für die Rückgabe von erbeuteten Kunstwerken an die ehemaligen Kolonien, vor allem in Afrika.

„Bénédicte Savoy hat vielen Menschen die Augen geöffnet und gezeigt, welche Chancen der Kulturaustausch und die umfassende Aufarbeitung der Vergangenheit bieten“, betont Delphine Ernotte Cunci, die Präsidentin von France Télévisions und diesjährige Gastgeberin der Preisverleihung.

„Ihre wissenschaftliche Arbeit ist wegweisend, und unterstreicht die Bedeutung von Kultur für das Verhältnis und die Zusammenarbeit zwischen Europa und dem afrikanischen Kontinent.“

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy

Bénédicte Savoy, geb. am 22. Mai 1972 in Paris, gehört international zu den renommiertesten Kunsthistorikerinnen. Sie lebt in Berlin und Paris und wurde vom Time Magazine zu den hundert wichtigsten Persönlichkeiten der Welt gezählt.

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron beauftragte sie und den senegalesischen Wissenschaftler Felwine Sarr im Jahr 2018 mit einem Forschungsbericht zur Herkunft von Kunstschätzen aus den ehemaligen Kolonien und zum Umgang mit diesen. Auf dieser Basis wurden im vergangenen Jahr 26 Objekte, darunter monumentale Statuen aus dem Königspalast von Abomey, an die Republik Benin zurückgegeben.

Darüber hinaus hat Bénédicte Savoy die Debatte in Deutschland, unter anderem im Zuge der Eröffnung des Berliner Humboldt Forums, wesentlich mitgeprägt. Inzwischen haben sich Deutschland und Nigeria ebenfalls über die Rückgabe wichtiger Kunstwerke verständigt.

Der Künstler Anselm Kiefer

Anselm Kiefer, geb. am 8. März 1945 in Donaueschingen, gehört weltweit zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Von seinen ersten Bildern 1969 über seinen Auftritt bei der Kunst-Biennale in Venedig 1980 bis hin zu seiner jüngsten Ausstellung im Grand Palais Éphémère beeindruckt Kiefer immer wieder aufs Neue durch seine Vielseitigkeit und seine künstlerische Auseinandersetzung mit Geschichte, Religion, Philosophie und den großen Mythen der Menschheit.

Durch die Wucht seiner zum Teil monumentalen Werke ist es Kiefer wie nur wenigen anderen gelungen, die Leere des Augenblicks beim Betrachten seiner Bilder unweigerlich mit der Reflexion über die Vergangenheit und die großen Zukunftsfragen des Planeten zu verbinden. Anselm Kiefer lebt seit 1992 in Frankreich.

Der Große Deutsch-Französische Medienpreis

Der Große Deutsch-Französische Medienpreis wird alljährlich an Persönlichkeiten und Organisationen vergeben, die sich in besonderer Weise um die europäische Verständigung verdient gemacht haben.

Zu den Preisträgern und Preisträgerinnen in der Vergangenheit gehören unter anderem Simone Veil, Alfred Grosser, Valéry Giscard d’Estaing, Helmut Schmidt, die Hilfsorganisation SOS Méditerranée, Jürgen Habermas, das Ehepaar Beate und Serge Klarsfeld und zuletzt die Weltraumorganisation ESA.

Neben dem Großen Deutsch-Französischen Medienpreis werden herausragende journalistische Arbeiten in insgesamt fünf Kategorien (Newsformate, Dokumentation, Investigation, Spezialpreis und Nachwuchspreis) mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis ausgezeichnet.

Weitere Informationen gibt es auf www.dfjp.eu.

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