Luftaufnahme Großrosseln  (Foto: SR)

Wie Großrosseln zur Boomtown wurde

Mirko Tomic   02.10.2018 | 21:10 Uhr

Die Gemeinde Großrosseln im Regionalverband Saarbrücken ist nicht für spektakuläre touristische Highlights bekannt. Dennoch kommen immer mehr Franzosen in die 9.000-Einwohner-Gemeinde, die direkt an der französischen Grenze liegt. Und zwar um zu shoppen – denn im Vergleich zu Frankreich ist dort vieles billiger. In Großrosseln hat das zu einem kleinen Boom geführt. Ein Ortsbesuch.

Die kleine freie Tankstelle kurz nach dem Ortsschild ist das sichtbarste Zeichen für den Boom. Der Sprit kostet hier zwischen 14 und 20 Cent weniger als in Frankreich. Das führt im kleinen Grenzverkehr zu regelrechtem Tanktourismus. Allerdings zum Leidwesen der Anwohner. Die meiden inzwischen die Tankstelle, zahlen lieber bei der Konkurrenz ein paar Cent mehr, als hier im Stau anzustehen.

Geschäftsboom nach Bergbau-Ende

Aber die französischen Kunden kommen nicht nur wegen des Sprits nach Großrosseln. Im 2015 gebauten Drogeriemarkt trifft man auch außerhalb der Stoßzeiten fast nur französische Kundschaft vor den Regalen. Es sind 95 Prozent französische Kunden, die hier einkaufen“, sagt Filialleiterin Theresa Behr. Hauptgrund auch hier: deutlich günstigere Preise als in Frankreich. Spezielle französische Waren gibt es im Angebot jedenfalls nicht.

Video [aktueller bericht, 02.10.2018, Länge: 4:02 Min.]
Shoppingfieber in Großrosseln

Inzwischen plant ein zweiter Anbieter ebenfalls hier zu bauen. Den Bürgermeister freut der Boom. Die Gemeinde kämpft schon seit 2004 mit den Folgen des Bergbau-Endes. Jetzt werten neben Gewerbeansiedlungen auch  Wohngebiete und Gastronomie den Grenzort auf. Die Orte um uns herum auf der französischen Seite haben gar keine Geschäfte mehr. Die haben nach und nach alle zugemacht - zunächst die größeren, dann auch die kleinen“, sagt Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt. „Nur noch die Baguette-Anbieter sind übrig, weil wir das stark nachfragen, aber sonst ist alles zu. Die haben sich in Frankreich auf die ganz großen Märkte wie zum Beispiel CORA verlegt, aber das kommt bei den Kunden gar nicht so gut an, wie man denkt.“

Weitere Geschäfte geplant

Finanziell profitiert die Gemeinde von dem Grenzverkehr. Der neue Lidl bringt zwar nicht so viel Gewerbesteuer, weil die Zentrale in Baden-Württemberg liegt, aber etwas fällt doch ab. Vor allem neue Arbeitsplätze entstehen vor Ort. Discounter Aldi will wegen der Umsatzzuwächse jetzt sogar einen ganz neuen Markt an derselben Stelle bauen und Supermarktbetreiber Rewe hat bereits begonnen, seinen bestehenden Markt im Ortszentrum auszubauen, um dem wachsenden Ansturm der Kundschaft gerecht zu werden. Auf französischer Seite tut sich dagegen nichts, sodass die Käufer wohl nicht ausgehen werden.

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht vom 02.10.2018 berichtet.

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