Europastaatssekretärin Amélie de Montchalin zu Besuch in der Saarländischen Staatskanzlei (Foto: SR)

Französische Staatssekretärin dankt und mahnt

Lisa Huth   05.06.2020 | 17:30 Uhr

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Krise besuchten am Freitag französische Politiker die saarländische Staatskanzlei. Ministerpräsident Hans empfing die französische Europastaatssekretärin Montchalin und den Regionalratspräsidenten von Grand Est Rottner. Sie sprachen über die Aufnahme französischer Covid-19-Patienten und die Grenzschließungen.

Für Europastaatssekretärin Amélie de Montchalin war der Besuch im Saarland sogar die erste Auslandsreise seit dem Ausbruch der Krise. Sie machte klar: Die Menschen an der Grenze sollten das nicht mehr erleben müssen - geschlossene Grenzen, Trennungen, vereinzelt sogar Beleidigungen. Die Verantwortlichen müssten nun gemeinsam aktiv werden, um bei einem nächsten Mal besser und koordinierter zu reagieren. 

Französische Staatssekretärin lehnt Grenzschließungen ab
Audio [SR 3, Lisa Huth, 05.06.2020, Länge: 03:09 Min.]
Französische Staatssekretärin lehnt Grenzschließungen ab

De Montachalin dankte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) dafür, dass das Saarland insgesamt 31 französische Patienten aufgenommen hatte. Dieser Dank, sagte Ministerpräsident Hans, beschäme ihn ein Stück weit, denn es sei für das Saarland selbstverständlich, Patienten aus dem Nachbarland zu behandeln. Und ohne die vielen Lothringer, die im Gesundheitssektor arbeiteten, sei im Saarland kein Staat zu machen. Darum gebe er das Dankeschön zurück. 

Hans kündigte eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und der Digitalisierung in der Großregion an, auch bei der Entwicklung von Medizinprodukten, möglicherweise auch einem Impfstoff.

Keine Nachfragen erlaubt

Nachfragen waren nicht erlaubt. Höchst ungewöhnlich nach den Friktionen der vergangenen Monate. Regionalratspräsident Jean Rottner nahm sich dann aber noch die Zeit, zu sagen, dass unter anderem Sätze wie „Jeder zurückgewiesene Franzose ist gut für das Saarland“ nicht sein Europa seien. Rottner zeigte sich froh darüber, dass diese Schwierigkeiten mittlerweile überwunden seien und es wieder mehr Aus- und Absprachen gebe. 

Rottner regte nun an, in der Großregion eine Art „Airbus“ im Gesundheitswesen zu schaffen, also eine Zusammenarbeit im großen Stil. Jean Rottner war früher Arzt auf der Intensivstation, bevor er erst Bürgermeister von Mulhouse und dann Regionalratspräsident wurde. Seine Stadt im Südelsass war von der Corona-Pandemie als erste in Frankreich und später in einem enormen Ausmaß betroffen.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Rundschau am 05.06.2020 berichtet.

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