Stimmzettel in einer französischen Wahlurne (Foto: dpa)

Wahllokale in Frankreich geschlossen

  23.04.2017 | 20:00 Uhr

Unter einem beispiellosen Sicherheitsaufgebot läuft in Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahl. Bis 17.00 Uhr haben 69,42 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, inzwischen sind Wahllokale geschlossen. Die Wahl fand unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt.

Rund 50.000 Polizisten und Gendarmen sowie rund 7000 Soldaten waren im Einsatz. Fast 47 Millionen Staatsbürger waren aufgerufen, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin von Staatschef François Hollande zu bestimmen. Bis 17.00 Uhr gaben 69,42 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie das Innenministerium mitteilte. Damit lag die Wahlbeteiligung knapp unter dem Wert von 2012. Damals waren es zum gleichen Zeitpunkt 70,59 Prozent. Dieses Mal waren die Wahllokale allerdings auch etwas länger geöffnet als vor fünf Jahren, nämlich bis 19.00 Uhr. Nur in den großen Städten durften die Bürger noch bis 20.00 Uhr abstimmen.

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Audio [SR 3, Christian Ignatzi, 23.04.2017, Länge: 02:43 Min.]
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Um das Amt des Präsidenten bewerben sich elf Kandidaten. Vier von ihnen haben nach Umfragen realistische Chancen, unter die beiden Bestplatzierten zu kommen und damit in die Stichwahl am 7. Mai einzuziehen: der parteilose Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, die Rechtsextreme Marine Le Pen, der Konservative François Fillon und der Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon. Bis auf Mélenchon hatten alle Kandidaten bereits am Vormittag ihre Stimme abgegeben.

Grand Est tendiert nach rechts

In der neuen Großregion aus Elsass, Lothringen, Champagne-Ardennen, Grand Est, lag in Umfragen zuletzt Marine Le Pen vom Front National vorne. Sie kam dort auf eine Zustimmung von mehr als 27 Prozent.

Le Pen will ihr Land bei einem Sieg in der Stichwahl aus dem Euro führen und ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft ansetzen. Mélenchon möchte die europäischen Verträge neu verhandeln und über das Resultat in einer Volksbefragung abstimmen lassen, zudem will er das Verteidigungsbündnis Nato verlassen. Der sozialliberale Macron und der Konservative Fillon stehen zur EU und wollen Frankreich reformieren. Die Sozialistische Partei des unbeliebten Amtsinhabers Hollande wird den Elysée wohl nicht verteidigen: Ihr Kandidat Benoît Hamon ist in den Umfragen weit abgeschlagen.

Ein Drittel zuletzt unentschlossen

Mit ausschlaggebend bei dieser Abstimmung könnte das Maß der Enthaltungen sein. Kurz vor der Wahl zeigte sich noch rund ein Drittel der Wähler unentschlossen. Das wäre ein neuer Höchststand.

Erstmals in der französischen Geschichte findet eine Präsidentschaftswahl unter dem Ausnahmezustand statt. Die Sonderbefugnisse zum Kampf gegen Terroristen gelten seit den Anschlägen vom November 2015.

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Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 23.04.2017 berichtet.

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