Marine Le Pen (Foto: dpa)

Viele Franzosen an der Grenze wählten Le Pen

Thomas Braun / mit Informationen von Lisa Huth   08.05.2017 | 07:24 Uhr

Emmanuel Macron hat die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewonnen. In einigen Gemeinden entlang der saarländisch-französischen Grenze holte jedoch die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen wie schon im ersten Wahlgang die meisten Stimmen. Bei den Franzosen, die im Saarland wählten, hatte Le Pen hingegen überhaupt keine Chance.

Mehr als 65 Prozent der Franzosen gaben am Sonntag landesweit dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron ihre Stimme. Der 39-Jährige wird damit spätestens in einer Woche zum jüngsten Präsidenten der französischen Geschichte gekürt. Wie schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen stimmten allerdings im Osten Frankreichs deutlich weniger Menschen für den ehemaligen Wirtschaftsminister und Investmentbanker. Im saarländischen Nachbardépartement Moselle kam Macron auf rund 58 Prozent der Wählerstimmen. In einigen Grenzgemeinden hatte seine Gegenkandidatin Marine Le Pen sogar die deutliche Mehrheit.

Reaktionen auf Frankreich-Wahl in Metz
Video [SR.de, Pasquale D'Angiolillo, 07.05.2017, Länge: 01:03 Min.]
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Deutliche Le-Pen-Mehrheit in Carling und Petite-Rosselle

So stimmten nach Angaben des französischen Innenministeriums beispielsweise in Carling 60,66 Prozent der Wähler für Le Pen. In Petite-Rosselle kam die Kandidatin des Front National auf 57,46 Prozent, in Freyming-Merlebach auf 54,88 Prozent. Auch in Alsting und Schoeneck hatte sie mit jeweils etwas mehr als 50 Prozent eine knappe Mehrheit.

In Behren-lès-Forbach und Farébersviller hingegen lag Macron mit deutlich mehr als 60 Prozent vorne – in beiden Orten war allerdings die Wahlbeteiligung deutlich unterdurchschnittlich. Auch in Saargemünd, Forbach, Spichern und Creutzwald ging Macron als Sieger aus der Wahl hervor, auch wenn sein Ergebnis deutlich unter dem Landesschnitt lag.

Metzer Bürgermeister stellt sich hinter Macron

Frankreich-Wahl: Wie haben unsere Nachbarn abgestimmt?
Audio [SR 2, Lisa Huth, 08.05.2017, Länge: 03:32 Min.]
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Eine ganz klare Mehrheit für Macron gab es in Metz: 71,89 der Wähler stimmten dort für den Anführer der Bewegung "En Marche!". Der sozialistische Bürgermeister der Stadt, Dominique Gros, stellte sich hinter den künftigen Präsidenten: Es werde kompliziert für Macron, eine Mehrheit im Parlament zu bekommen, aber die Metzer würden sich für ihn engagieren.

Der konservative Politiker und Senator François Grosdidier sagte dagegen, die Republikaner würden nun alles daran setzen, um im Parlament ein Gegengewicht zu Macron zu bilden. Ähnliches betonte die Front-National-Politikerin Françoise Grolet: Sie sagte, die Sozialisten wie die Konservativen seien eingebrochen – nur Le Pen stelle jetzt noch eine wirkliche Opposition für die Parlamentswahlen im Juni.

Im Saarland fast 90 Prozent für Macron

Bei den gut 3300 Franzosen, die im Saarland an der Wahl teilnahmen, hatte Le Pen keinerlei Chance. Sie erhielt lediglich 8,5 Prozent der Stimmen, wie das französische Generalkonsulat in Saarbrücken mitteilte. Macron kam bei den Franzosen im Saarland demnach auf rund 89 Prozent. 2,7 Prozent der abgegebenen Stimmen waren laut Konsulat ungültig. Die Wahlbeteiligung im Saarland lag bei knapp 46 Prozent.

Über dieses Thema wurde auch in Hörfunknachrichten vom 07.05.2017 berichtet.

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