Französische Nationalfahne (Foto: dpa)

Frankreich verhängt erneut den Gesundheitsnotstand

  14.10.2020 | 20:59 Uhr

Im Kampf gegen steigende Corona-Zahlen wird in Frankreich der Gesundheitsnotstand von Samstag an wieder eingeführt. Das teilte die Regierung am Mittwoch in Paris nach einer Kabinettssitzung mit. Die Pandemie sei eine gesundheitliche Katastrophe, die aufgrund ihrer Art und Schwere die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet, hieß es.

Wegen der massiv steigenden Corona-Zahlen verhängt Frankreich erstmals seit dem Frühjahr wieder Ausgangssperren. In Paris und acht weiteren Großstädten dürfen die Bürger ab dem Wochenende zwischen 21 Uhr abends und sechs Uhr morgens das Haus nur noch in Ausnahmefällen verlassen, wie Präsident Emmanuel Macron am Mittwochabend im Fernsehen ankündigte. Die Lage sei "Besorgnis erregend", betonte Macron. Die nächtliche Ausgangssperre gilt nach den Worten Macrons im Großraum Paris sowie in Grenoble, Lille, Lyon, Marseille, Rouen, Saint-Etienne und Toulouse. Bei Verstößen droht nach den Worten des Präsidenten ein Bußgeld von 135 Euro. Grundlage für die Verschärfung ist ein landesweiter Gesundheitsnotstand.

Gesundheitsnotstand in Frankreich
Audio [SR 2, Sabine Wachs, 15.10.2020, Länge: 03:08 Min.]
Gesundheitsnotstand in Frankreich

Wieder über 22.000

Die französischen Gesundheitsbehörden haben binnen 24 Stunden 22.591 Neuinfektionen registriert. Es ist das dritte Mal in sechs Tagen, dass das Gesundheitsministerium einen Wert über 22.000 mitteilt. Insgesamt seien 779.063 Infektionsfälle verzeichnet worden. Die Zahl der Todesfälle in Kranken- und Pflegeheimen sei um 104 auf 33.037 gestiegen. Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnern hatte am Wochenende annähernd 27.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet – das war ein Rekord.

Der Gesundheitsnotstand war erstmals Ende März für das ganze Land ausgerufen worden. Er wurde dann Anfang Mai bis zum 10. Juli verlängert. Die Mitte-Regierung hat mit dem Notstand die Möglichkeit, Beschlüsse schnell per Verordnung umzusetzen. Im Frühjahr galten in ganz Frankreich strenge Ausgangsbeschränkungen, die auch polizeilich überwacht wurden.

Hotspot Paris

In mehreren französischen Metropolen, darunter Paris, Lille oder Lyon, gilt bereits die höchste Corona-Warnstufe. Bars sind geschlossen, in Restaurants gelten strengere Hygienemaßnahmen. Turnhallen und Schwimmbäder sind weitgehend geschlossen. Besonders die Situation in der Hauptstadt bereitet große Sorge. Dort steigt die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen immer weiter an. Frankreich ist stark von der Covid-19-Pandemie betroffen, es starben bisher rund 33.000 Menschen. In den vergangenen Wochen hatte die Regierung einen Zickzack-Kurs hingelegt. Erst wurden die Regionen in die Pflicht genommen, dann schaltete sich Paris ein und verhängte Corona-Maßnahmen.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 14.10.2020 berichtet.

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