Gemüse in einem Kantinentopf (Foto: picture alliance / dpa | Christian Charisius)

Veggie-Menüs in Lyons Schulen entfachen Streit

  23.02.2021 | 13:09 Uhr

In Frankreich ist ein Streit entbrannt, seitdem die grün regierte Großstadt Lyon beschlossen hat, in Schulkantinen nur noch fleischlose Mahlzeiten aufzutischen. Die Stadtverwaltung begründet diesen Schritt mit der Corona-Pandemie.

In der Heimat der auch im Saarland äußerst beliebten Lyoner Wurst und der verstorbenen Kochlegende Paul Bocuse befürchten manche ein "Gemüse-Diktat". Auch Frankreichs Landwirtschaftsminister Julien Denormandie verurteilte den Ratsbeschluss von Lyon beim französischen Sender RTL scharf: "Er ist aberwitzig aus Ernährungssicht und sozial gesehen eine Schande." Denn weniger Wohlhabende könnten sich zu Hause kein Fleisch leisten.

Skandal oder gesunder Menschenverstand?

Der französische Innenminister Gérald Darmanin sprach laut der Nachrichtenagentur AFP von einer "Beleidigung für Bauern" und einer "skandalösen Ideologie" der Grünen. Doch in der Regierung werden auch Gegenstimmen laut: Frankreichs Umweltministerin Barbara Pompili bedauerte die aus ihrer Sicht "prähistorische Debatte". Sie sprach von "überholten Klischees, nach denen vegetarische Ernährung unausgewogen ist".

Die grüne Stadtverwaltung von Lyon begründet den Fleischverzicht jedoch nicht mit dem Umwelt- und Klimaschutz, sondern der Corona-Pandemie. Das vegetarische Einheitsmenü soll dazu beitragen, die Schüler schneller in den Kantinen zu verköstigen und das Infektionsrisiko zu senken.

Grünen-Bürgermeister Grégory Doucet nennt dies "gesunden Menschenverstand" - und verweist darauf, dass bereits die vorherige Stadtverwaltung zum Corona-Schutz im Frühjahr auf fleischloses Essen umgestellt hatte - ohne jeden Proteststurm.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja