Der französische Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon (Foto: dpa)

Linksaußen Mélenchon warnt vor Wahl Le Pens

AFP/AP   01.05.2017 | 18:02 Uhr

Der französische Linksaußen-Politiker Mélenchon hat seine Anhänger davor gewarnt, bei der Stichwahl um das Präsidentenamt für die Rechtspopulistin Le Pen zu stimmen. Eine Stimme für Le Pen am 7. Mai wäre "ein schrecklicher Fehler", sagt er. Le Pen wich indes von einem ihrer wichtigsten Wahlkampfversprechen ab.

Jean-Luc Mélenchon war im ersten Wahlgang am 23. April mit 19,6 Prozent auf dem vierten Platz gelandet. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl am Sonntag lehnt er seitdem ab. Die rund sieben Millionen Wähler, die für ihn stimmten, könnten bei der Stichwahl aber eine wichtige Rolle spielen. Sie werden deswegen von den noch im Rennen befindlichen Kontrahenten Emmanuel Macron und Marin Le Pen umworben.

Eine Empfehlung für die Stimmabgabe gab Mélenchon weiter nicht ab, er sagte aber nun im Fernsehsender TF1: "Ich würde nicht den Front National wählen, ich bekämpfe den Front National."

Kampf um breitere Wählerbasis

Interview mit Jérôme Leroy
Audio [SR 2, Tilla Fuchs , 28.04.2017, Länge: 07:21 Min.]
Interview mit Jérôme Leroy
Sein Krimi "Der Block" liest sich wie ein Schlüsselroman zur aktuellen politischen Situation in Frankreich. Der französische Autor und Journalist Jérôme Leroy beschreibt darin den Aufstieg und die Machtergreifung einer rechtsextremen Partei, die dem Front National sehr ähnelt. Auch in der Realität engagiert er sich gegen den Front National und warnt seit Jahren vor dem Aufstieg der Rechtsextremen in Frankreich. Im Interview mit Tilla Fuchs hat er über seinen Roman, die zunehmende Beliebtheit des Front National und die aktuellen Wahlen in Frankreich gesprochen.

Der parteilose Pro-Europäer Macron kommt in Umfragen inzwischen auf 59 Prozent. Das sind vier Punkte weniger als direkt nach der ersten Wahlrunde. Um ihren Rückstand von 18 Prozent aufzuholen, kämpft Le Pen nun mit allen Mitteln um eine breitere Wählerbasis.

Den Vorsitz des Front National legte sie vergangene Woche vorübergehend nieder, um "über den Parteiinteressen" zu stehen. Am Samstag kündigte sie an, im Falle eines Wahlsiegs den EU-kritischen Politiker Nicolas Dupont-Aignan zum Premierminister zu machen. Der Chef der nationalistischen Partei Debout la France war in der ersten Wahlrunde mit 4,7 Prozent der Stimmen auf dem sechsten Platz gelandet.

In Le Pens Abkommen mit Dupont-Aignan steht, dass der Euro-Ausstieg in der Wirtschaftspolitik keine "Vorbedingung" sei, also nicht die oberste Priorität. Die Front-National-Chefin verspricht ihren Wählern seit Jahren aber, zum Franc als nationale Währung zurückzukehren. Für französische Unternehmen soll es jedoch weiterhin möglich sein, in einer Gemeinschaftswährung zu handeln.

Rechnung in Euro oder Franc?

Am Montag ruderte Le Pen schon wieder etwas zurück: Der Euro-Ausstieg sei weiterhin ihr Ziel, sagte sie im Sender Europe 1. Auch Le Pens Wahlkampfstratege Florian Philippot sagte im Sender France Inter, ein Jahr nach einem Wahlsieg Le Pens würden die Franzosen ihr Baguette "sehr wahrscheinlich" wieder in Franc bezahlen. Le Pen bekräftigte aber, dass in der Wirtschaftspolitik "viele Maßnahmen" ergriffen werden könnten, "die nicht mit der Währung zusammenhängen".

Mit ihrer Abkehr vom Euro-Ausstieg versucht Le Pen offenbar auf die vielen Franzosen zuzugehen, die zwar EU-kritisch, aber nicht Euro-feindlich sind. Bei einer Umfrage Ende März gaben nur 28 Prozent der Befragten an, zum Franc zurückkehren zu wollen. Bei Rentnern und über 65-Jährigen – für die Rechtspopulistin eine wichtige Wählergruppe – waren sogar nur 15 Prozent dafür.

Gedenken an Opfer rechter Gewalt

Macron seinerseits gedachte eine Woche vor dem Stichwahlduell mit Le Pen Opfern rechtsextremer Gewalt. Er traf sich am Montag mit dem Sohn eines Marokkaners, der bei einer Kundgebung des Front National 1995 von Skinheads von einer Brücke geworfen worden und in der Seine ertrunken war.

Macron versucht in seinem Wahlkampf zunehmend, die rechtsextremen Wurzeln von Le Pens Partei herauszustellen. Am Sonntag besuchte er die Holocaust-Gedenkstätte in Paris. "Wir haben heute die Pflicht, ihrer zu gedenken", sagte er mit Blick auf die Opfer der Judenverfolgung während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Zum zweiten Mal in drei Tagen besuchte Macron damit eine Stätte zum Gedenken der französischen Geschichte während des Zweiten Weltkrieges.

Breite Unterstützung für Macron

Der scheidende Staatschef François Hollande sagte beim EU-Gipfel in Brüssel, jede Stimme für Macron sei eine Stimme, die "die extreme Rechte verhindert". Auch die französischen Gewerkschaften warben bei ihren Kundgebungen zum 1. Mai für eine "republikanische Front" gegen Le Pen. In Paris gab es neben Demonstrationen gegen Le Pen aber auch einen Protestmarsch gegen beide Kandidaten.

Artikel mit anderen teilen