Ein Passant mit Mundschutzmaske auf dem Weg zum Pariser Eiffelturm (Foto: picture alliance/Thomas Coex/AFP/dpa)

Frankreich ab Freitag wieder im Lockdown

  28.10.2020 | 22:06 Uhr

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am Mittwochabend einen neuen Lockdown ab Freitag angekündigt. Unter anderem sollen Bars und Gaststätten geschlossen bleiben, die Schulen dagegen offen.

Mit Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land verschärft Frankreich seinen Kampf gegen die zweite Welle der Corona-Pandemie. Die Beschränkungen sollen von Freitag an gelten, kündigte Staatschef Emmanuel Macron am Mittwochabend in einer Fernsehansprache an. Der 42-Jährige machte deutlich, dass die Beschränkungen weniger streng sind als im Frühjahr, als das öffentliche Leben des Landes weitgehend lahmgelegt wurde. So sollen die Schulen geöffnet bleiben. Bars und Restaurants müssen jedoch schließen. Um die Wohnung verlassen zu dürfen, bedarf es jedoch wieder eines triftigen Grunds, den Bürger in Bescheinigungen angeben müssen. Die Grenze zu Deutschland bleibe geöffnet, die französischen Bürger dürften allerdings ihre Regionen nicht verlassen. Die Maßnahmen sind zunächst bis zum 1. Dezember befristet.

Frankreich vor dem Lockdown (28.10.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 28.10.2020, Länge: 01:45 Min.]
Frankreich vor dem Lockdown (28.10.2020)

"Bleiben Sie so weit wie möglich zu Hause", appellierte Macron an seine Landsleute. Der Präsident machte deutlich, dass die Lage dramatisch ist. "Wir werden von der Beschleunigung der Epidemie überrollt", sagte er. Die Entwicklung trifft auch andere europäische Länder. Die neuen Einschränkungen treffen die rund 67 Millionen Franzosen nicht unerwartet. Regierungssprecher Gabriel Attal hatte bereits vor der Rede des Staatschefs eine "neue Etappe" in Aussicht gestellt. "Die zweite Welle ist da", sagte der Sprecher nach einer Kabinettssitzung. Es müsse alles getan werden, um nicht von dieser Welle überrollt zu werden. Der Staatschef habe in der Kabinettssitzung von einer massiven, allgemeinen und weitgehend unerwarteten Verschlechterung in Europa gesprochen. Macron beriet zudem zwei Mal innerhalb von zwei Tagen in einem nationalen Sicherheitsrat über die Corona-Lage.

Mehr als 35.000 Tote

Bisher gilt eine nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohner, also rund 46 Millionen Menschen. Die Corona-Lage verschlechtert sich in dem Land seit Wochen dramatisch. Zuletzt wurden innerhalb von 24 Stunden mehr als 33.400 Neuinfektionen gezählt. Die Anzahl der mit dem Coronavirus in Verbindung gebrachten Todesfälle stieg deutlich – am Dienstagabend meldeten die Behörden 523. Damit wurde wieder das hohe Niveau vom April erreicht. Die Gesamtzahl der Toten liegt nun bei über 35.500.

Sprecher Attal sagte, auf den Intensivstationen der Krankenhäuser drohe in zwei Wochen eine ähnliche Lage wie beim Höhepunkt der ersten Epidemie-Welle im Frühjahr. Damals zählten die Maßnahmen in Frankreich zu den strengsten in Europa. Attal sagte, die Gesundheitskrise löse auch eine wirtschaftliche und soziale Krise im Land aus. "Wir antworten mit Stärke", sagte er. Im Land gibt es Befürchtungen, dass Branchen mit Publikumsverkehr bei einem Lockdown zunehmend bedroht werden.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 28.10.2020 berichtet.

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