Francois Fillon (Foto: SR)

Fillon verliert Unterstützer in Grand Est

Lisa Huth / AFP   04.03.2017 | 17:41 Uhr

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Fillon verliert auch in der Großregion Grand Est Unterstützer. Der ebenfalls konservative Regionalratspräsident Richert kritisierte Fillons Angriff auf die französische Justiz. Unterdessen wandte sich ein weiterer enger Mitarbeiter von ihm ab.

Sieben Wochen vor dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl am 23. April steckt die Kampagne des konservativen Kandidaten François Fillon in der Krise. Grund sind die Ermittlungen zum Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten. Die Affäre hatte sich für Fillon weiter zugespitzt, nachdem er für Mitte März von Ermittlungsrichtern vorgeladen worden war. Dabei droht ihm die Eröffnung eines Verfahrens.

Konservative rücken ab

Fillon hatte in diesem Zusammenhang wörtlich behauptet, die Justiz wolle ihn politisch ermorden. Der Regionalratspräsident der Großregion Grand Est, Philippe Richert, und andere aus Fillons Lager bezeichnen diese Haltung als schockierend. Auch der Präsident des Départementrates von Moselle, Patrick Weiten, und der Bürgermeister von Nancy appellieren an Fillon sich zurückzuziehen.

Nach Zählung der Zeitung "Libération" sind bereits mehr als 190 Politiker der Republikaner und ihrer Verbündeten von Fillon abgerückt. Selbst Fillons Wahlkampf-Leiter kündigte für Sonntag seinen Rücktritt an, Schatzmeister und Sprecher der Kampagne gingen bereits von Bord. Fillon selbst hatte am Freitagabend in einer Video-Botschaft an seine Anhänger gesagt: "Lasst euch das nicht gefallen. (...) Ich fordere euch auf, zu widerstehen."

Zehntausende Anhänger mobilisieren

Als möglicher Ersatz-Kandidat für Fillon war in den vergangenen Tagen mehrfach der frühere Premierminister und Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, genannt worden. Der 71-Jährige hatte am Freitag durchblicken lassen, dass er bereitstehe, falls Fillon sich zurückziehe und er den Rückhalt der ganzen Partei bekomme.

Der Vorsitzende des Nationalrats der Republikaner-Partei, Luc Chatel, stellte sich hinter Fillon. Er verwies darauf, dass dieser durch seinen Sieg bei der Vorwahl des bürgerlichen Lagers legitimiert sei. Chatel räumte jedoch zugleich ein, dass die konservativen Wähler in zwei Lager geteilt seien – die einen forderten zum Durchhalten auf, die anderen zweifelten. Am Sonntag sollen in Paris zu einer Großkundgebung zehntausende Anhänger Fillons zusammenkommen und damit ein Zeichen der Stärke setzen. "Es könnten 45.000 Leute werden", sagte Pierre Danon vom Wahlkampf-Team am Samstag dem Sender Franceinfo.

Le Pen und Macron vorne

Die Franzosen wählen ihren neuen Staatschef am 23. April, die Stichwahl ist für den 7. Mai vorgesehen. Fillon war wegen der Affäre in der Wählergunst abgerutscht, derzeit würden laut Umfragen die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der sozial-liberale Kandidat Emmanuel Macron das Rennen unter sich ausmachen. Für die Stichwahl liegt Macron dabei klar vorn.

Über dieses Thema wurde auch in der Rundschau auf SR 3 Saarlandwelle vom 04.03.2017 berichtet.

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