im Smart-Werk in Hambach (Foto: dpa)

Daimler-Werk in Hambach vor Verkauf

  03.07.2020 | 20:38 Uhr

Der Autobauer Daimler trimmt sein weltweites Netz von Produktionsstandorten auf mehr Effizienz. Deshalb will der Konzern das Werk Hambach im Département Moselle verkaufen.

An dem französischen Daimler-Standort sind 1600 Mitarbeiter beschäftigt. Dort wird bisher noch der Kleinwagen Smart gebaut, den Daimler von der nächsten Modellgeneration an zusammen mit seinem Großaktionär Geely in China produzieren will.

Auch nach Verkauf Smart-Standort

Die beiden Konzerne hatten dazu gemeinsam ein neues Unternehmen gegründet, um der Marke neuen Schwung zu geben. Hambach hätte laut früheren Ankündigungen im Gegenzug einen Kompaktwagen aus der neuen Elektro-Modellreihe EQ von Mercedes-Benz bekommen sollen. Angaben zu einem Zeitplan für mögliche Verkaufsgespräche machte Daimler nicht.

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire reagierte am Freitagabend besorgt auf die Ankündigung. Daimler müsse alle Optionen offen halten – dazu gehöre auch, die Fabrik zu behalten. Das Werk Hambach sei "ein symbolischer Standort" der deutsch-französischen Industriebeziehungen, so Le Maire. "Die Beschäftigten haben immer den sozialen Dialog vorgezogen, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Fabrik zu gewährleisten", sagte der französische Wirtschaftsminister.

"Ein wichtiges Ziel ist für uns, die Zukunft des Standortes zu sichern", sagte Forschungsvorstand Markus Schäfer der Nachrichtenagentur dpa. Auch die aktuellen Smart-Modelle sollen weiter in Hambach produziert werden. Mehr als zwei Millionen Smart-Zweisitzer sind dort bis heute vom Band gelaufen. Die viersitzigen Modelle baut Kooperationspartner Renault in seinem Werk in Slowenien.

Daimler in der Krise

Daimler hat derzeit, wie alle Autohersteller, mit den drastischen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Der Absatz brach ein, wochenlang standen Teile der Produktion still, der Gewinn stürzte ab. Der Konzern muss außerdem wegen der Kosten für die Digitalisierung und den Wandel der Branche zur Elektromobilität kräftig sparen. Kommende Woche steht die Hauptversammlung an, zwei Wochen darauf legt der Konzern die Zahlen für das zweite Quartal vor.

Der geplante Verkauf des Werks in Hambach werde darin bei der Mercedes-Benz AG mit einem negativen Sondereffekt in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe zu Buche schlagen, kündigte Daimler an.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 03.07.2020 berichtet.

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