Der französische Gesundheitspass (pass sanitaire) (Foto: picture alliance / PHOTOPQR/SUD OUEST/MAXPPP | David Thierry)

Frankreich und Luxemburg in der vierten Welle

Axel Wagner   19.11.2021 | 16:06 Uhr

Während in der Region Grand Est die Sieben-Tage-Inzidenz trotz steigender Krankenhausbehandlungen im Vergleich zum Saarland moderat bleibt, hat Luxemburg inzwischen die 250er-Marke überschritten. Das Großherzogtum will dem mit einer „Impfwoche“ entgegenwirken.

Zwar nimmt auch in Frankreich die vierte Corona-Welle an Fahrt auf, doch bislang scheinen sowohl das Land als auch die Region Grand Est bislang vergleichsweise glimpflich davon zu kommen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Frankreich landesweit bei 140,6. Allerdings bleibt die Zahl der Neuinfektionen landesweit bei über 20.000 pro Tag. Am Donnerstag wurden 20.366 neue Corona-Fälle verzeichnet.

Corona in der Großregion

Nichtsdestotrotz lehnt Präsident Emmanuel Macron einen Lockdown für Ungeimpfte, wie ihn Österreich beschlossen hat, ab. „Die Länder, die die Ungeimpften einsperren, haben den Gesundheitspass nicht eingerichtet“, sagte Macron der Zeitung „La Voix du Nord“.

Der Gesundheitspass (pass sanitaire) wird in Frankreich für den Zugang zu zahlreichen Einrichtungen benötigt, darunter Kinos, Restaurants und Einkaufszentren. Er entspricht dem deutschen Impfzertifikat.

Macron: Impfen weiter vorantreiben

Die Krankenhausauslastung liegt in Grand Est derzeit bei 20 Prozent, der R-Wert bei 1. Als vollständig geimpft gelten in der Region inzwischen 75,29 Prozent der Bevölkerung. Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen sind es 79,6 Prozent.

Macron rief dazu auf, die Impfkampagne weiter voranzutreiben. Mit Blick auf eine generelle Boosterimpfung für alle sagte er, man warte weiter auf die Stellungnahme der Gesundheitsbehörden. „Für immungeschwächte, ältere Menschen wissen wir, dass das Risiko-Nutzen-Verhältnis positiv ist. Wenn sich herausstelle, dass eine dritte Dosis für andere Zielgruppen wirksam und notwendig ist, werde man diese in den Gesundheitspass integrieren.

Verschärfungen in Kinos und am Arbeitsplatz?

Ernst ist die Lage nach wie vor an den Schulen im Land. Derzeit sind landesweit 4048 Klassen in Quarantäne, das sind 0,8 Prozent aller 527.200 Klassen – der höchste Stand seit Anfang September. Für die Kinos denkt die Regierung derzeit über eine Wiedereinführung der Maskenpflicht nach, und auch die Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz sollen stärker kontrolliert werden.

Luxemburg für Boosterimpfung und „Impfwoche“

Luxemburg will unterdessen die schleppend verlaufende Impfkampagne voranbringen. Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert kündigten am Freitagnachmittag eine „Impfwoche“ an, die am 6. Dezember beginnen soll.

„Die vierte Welle ist keine Überraschung“, sagte Bettel. Luxemburg habe im Gegensatz zu einigen anderen Ländern keinen exponentiellen, sondern einen linearen Anstieg der Neuinfektionen.

Inzidenz bei Ungeimpften deutlich höher

Die Inzidenz bei Ungeimpften sei dabei bis zu 2,5 mal so hoch sei wie bei Geimpften. Neue Maßnahmen schloss Bettel zwar nicht aus, auch keinen Lockdown für Ungeimpfte, eine Impfpflicht soll es jedoch vorerst nicht geben.

Die Chamber, das Luxemburger Parlament, hatte sich bereits am Mittwoch für die „Booster-Impfung für alle“ ausgesprochen. Die Empfehlung gilt ab 18 Jahren. Diese Woche sind laut Bettel die ersten 40.000 Einladungen verschickt worden.

Neue Rekordwerte

Luxemburg hatte in den vergangenen Wochen neue Rekordwerte bei den Neuinfektionen verzeichnet. Erst am Mittwoch war die Zahl der Coronafälle erneut sprunghaft angestiegen.

Allerdings liegen diese Werte deutlich unter denen des Herbstes 2020. Damals hatte Luxemburg am 19. November 2020 eine Inzidenz von 776 zu verzeichnen gehabt.

Gefälschte Zertifikate

Unterdessen häufen sich nach Medienberichten die Fälle von gefälschten Test- und Impfzertifikaten. In Luxemburg ist die Überprüfung dieser Zertifikate mit der App CovidCheck im Gastro- und Kulturbereich Pflicht.

Die vor Ort durchgeführten Schnelltests, die bislang häufig genutzt wurden, sind aber seit 1. November nicht mehr gültig. Nur noch durch Gesundheitspersonal durchgeführte Schnelltests oder offizielle PCR-Tests werden anerkannt. Damit will das Großherzogtum die niedrige Impfquote vorantreiben.

Nun tauchen nach Behördenangaben verstärkt gefälschte Zertifikate auf – teils ausgestellt auf „Micky Maus“, „Sponge Bob“ oder „Adolf Hitler“, teils aber auch auf Allerweltsnamen. Und dieses fallen nur selten auf, da die Identität der Personen oft nicht überprüft wird.

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