Ein Forscher zeigt, wie ein PCR-Test für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus vorbereitet wird (Foto: picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)

Corona-Mutanten breiten sich in Moselle aus

  12.02.2021 | 16:33 Uhr

Im französischen Nachbar-Département Moselle breiten sich die ansteckenderen Corona-Mutationen offenbar rasch aus. Nach Angaben von Gesundheitsminister Olivier Véran wurden in den vergangenen vier Tagen insgesamt rund 300 Fälle festgestellt, die auf die brasilianische und die südafrikanische Variante zurückgehen.

Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag nannte Frankreichs Gesundheitsminister Oliver Véran die Situation im Département Moselle „besorgniserregend“. Das gehäufte Auftreten der beiden Mutationen könne neue Kontrollmaßnahmen rechtfertigen. „Wir haben im Département Moselle mehr als 300 Fälle von Mutationen identifiziert, die auf die südafrikanische und die brasilianische Variante hinweisen“, sagte Véran und fügte hinzu: „In den vorangegangenen Tagen waren bereits 200 weitere Fälle identifiziert worden.“

Über 23 Prozent Mutanten

Die regionale Gesundheitsbehörde ARS Grand Est hat am Donnerstag ein Dossier zur aktuellen Situation veröffentlicht. Demnach waren bei einer Ende Januar durchgeführten Umfrage unter den fünf Medizinlaboren der Region 23,7 Prozent aller Corona-Neuinfektionen einer der drei Mutationen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien zuzuordnen. Bei 14,8 Prozent aller Neuinfektionen vermuten die Forscher die britische Variante. Eine Genotypisierung soll die Infektionen nun näher bestimmen.

Forderung nach Lockdown

„Wir brauchen geeignete Maßnahmen für die Gebiete“, sagte der Metzer Bürgermeister François Grosdidier dem Radiosender „France Info“. Er könne sich den Ausbruch der Mutanten in der Region zwar nicht erklären. Es verstärke jedoch die Forderung nach einem zeitlich und örtlich begrenzten Lockdown, auch für die Schulen. Collège- und Lycée-Schüler sollten zuhause bleiben.

Der Präsident des Regionalrates der Région Grand Est, Jean Rottner, bekräftigte bei Twitter, Moselle habe schon vor einem Jahr viel gelitten. Jetzt müsse man „die richtigen Entscheidungen“ treffen.

Sorge vor Grenzschließung

Christophe Arend, der Forbach in der Pariser Nationalversammlung vertritt, zeigte sich besorgt über eine mögliche Grenzschließung zu Deutschland. „Wir dürfen nicht dorthin kommen, die Grenzen zu schließen“, sagte er dem Radiosender „France bleu“.

Nach Angaben von Dr. François Braun, Chef der Notaufnahme am Krankenhaus Metz-Thionville, muss ab kommender Woche mit mehr Patienten mit der Mutation auf den Intensivstationen gerechnet werden. Gegenüber „France Info“ sagte er, vor allem der Osten des Départements sei betroffen. Er sei besorgt darüber, dass keine Hotspots zu erkennen seien. Derzeit sind die Reanimationsplätze im Département Moselle zu 50 Prozent mit Patienten mit schweren Corona-Krankheitsverläufen belegt.

Nach Schätzungen der französischen Regierung sind die brasilianische und die britische Mutation aktuell landesweit für etwa vier bis fünf Prozent der Corona-Infektionen verantwortlich.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 12.02.2021 berichtet.

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