Ein Projekt der Jungen Biosphäre ist das "Gartenprojekt Spohns Haus", bei dem der Lehrgarten des Schullandheims in Gersheim umgestaltet wurde. (Foto: Manuela Meyer, Junge Biosphäre)

Jugendliche im Bliesgau gestalten Heimat selbst

Tabea Prünte   09.11.2021 | 12:16 Uhr

Viele junge Menschen ziehen irgendwann aus ihrem Heimatdorf weg und in eine größere Stadt. Das Projekt "Junge Biosphäre" im Bliesgau möchte diesem Trend entgegentreten und motiviert junge Menschen dazu, ihr Heimatdorf aktiv mitzugestalten. Die EU unterstützt dabei finanziell.

Die eigene Heimat verschönern, die Zukunft des Dorfes gestalten und das Zugehörigkeitsgefühl stärken, das funktioniert am besten, wenn sich die Einwohnerinnen und Einwohner aktiv beteiligen können - vor allem die Jugendlichen unter ihnen. Für diese Ziele setzt sich die "Junge Biosphäre" im Bliesgau ein.

Nachhaltigkeit im Fokus

Die Ideen der Jugendlichen fallen dabei sehr verschieden aus. In Sankt Ingbert hat eine Gruppe Jugendlicher Hochbeete angelegt, in Habkirchen hat der Jugendclub den Odilienbrunnen saniert, in Gersheim haben Freiwillige den Lehrgarten des ökologischen Schullandheims Spohns Haus neu gestaltet, andernorts wurden Insektenhotels gebaut, Nutzgärten angelegt, Blühflächen für Insekten geschaffen und einiges mehr.

Ein Projekt der Jungen Biosphäre ist das "Gartenprojekt Spohns Haus", bei dem der Lehrgarten des Schullandheims in Gersheim umgestaltet wurde. (Foto: SR)
Ein Projekt der Jungen Biosphäre ist das "Gartenprojekt Spohns Haus", bei dem der Lehrgarten des Schullandheims in Gersheim umgestaltet wurde.

Die Projekte sollen stets den Nachhaltigkeitsgedanken fördern, denn auch dieser sei zukunftsprägend, erläutert Carmen John. Seit dem Start der Jungen Biosphäre 2016 ist sie als Projektverantwortliche tätig.

Eigenständige Umsetzung

Das Projekt richtet sich an 14- bis 27-Jährige. Ziel sei es, Jugendliche und junge Erwachsene zu motivieren, sich an der Zukunftsgestaltung ihres Heimatdorfes aktiv zu beteiligen. Von der Ideenfindung bis zur Umsetzung werde ihnen dafür so viel Freiraum wie möglich gegeben.

„Sie sollen sich selbst überlegen können, wie sie beteiligt sein möchten und was für Projekte sie in ihrer Heimat durchführen möchten“, erklärt John, „weil wir es sehr wichtig finden, dass die Jugendlichen ihre Ideen selber entwickeln und nicht von uns aufgedrückt bekommen."

Landflucht bekämpfen

Indem sie ihre Heimat mit ihren Ideen selbst gestalten können, "identifizieren sie sich mehr mit ihrem Heimatort", berichtet John von ihrer Erfahrung.

So versucht die Junge Biosphäre zum Beispiel dem Problem der Landflucht zu begegnen. Viele Dörfer haben damit zu kämpfen, dass gerade junge Menschen den Ort verlassen, um für die Ausbildung oder das Studium in eine größere Stadt zu ziehen.

Mehr Begeisterung für Dorfleben

„Wenn man Jugendliche fragt, wie das Leben auf dem Land ist, gibt es immer Konfliktpunkte“, erklärt John. Einerseits schätzen die jungen Erwachsenen das Leben in der Natur – was fehlt, sei jedoch die Flexibilität, zum Beispiel beim öffentlichen Nahverkehr. Probleme wie dieses müssen in der Zukunft angepackt werden, meint John. „Ich hoffe, dass das Leben auf dem Land für junge Menschen attraktiv bleibt.“

Organisierte Jugend im Bliesgau

Die Region Bliesgau habe zumindest einen gewissen Vorteil, sagt die Projektverantwortliche: „Wir haben das Glück, dass wir eine sehr hohe Dichte an Jugendclubs und so viele organisierte Jugendliche haben im ländlichen Raum, was gerade in Deutschland ganz selten ist.“ Dadurch fühlen sich die jungen Menschen dem ländlichen Raum verbundener.

EU fördert Dorfentwicklung

Gefördert wird die Projektarbeit für Dorfentwicklung durch Mittel der EU im Rahmen des sogenannten LEADER-Programms, das auch Teil des Saarländischen Entwicklungsplans für den ländlichen Raum ist.

Seit 2016 war die Junge Biosphäre im Saarpfalz-Kreis Teil des LEADER-Programms der EU. Innerhalb von drei Jahren sind mehr als 100.000 Euro in das Projekt geflossen – der größte Teil davon aus EU-Finanzierung, einen Teil gab zudem das saarländische Umweltministerium dazu.

EU-Förderung "riesiger Gewinn"

„Die LEADER-Förderung war eine wichtige Basis und ein riesiger Gewinn für die Region“, sagt John. „Dadurch konnten Projekte schneller und unmittelbarer umgesetzt werden, ohne lange Antragszeit und ohne die Jugendlichen lange zu vertrösten.“

Dass die EU-Förderung auf drei Jahre begrenzt war, hat für die Junge Biosphäre nicht das Ende bedeutet – noch immer entstehen viele Einzelprojekte aus der Initiative. Mittlerweile wird das Projekt unter der Trägerschaft des Saarpfalz-Kreises und in Kooperation mit dem Biosphärenzweckverband Bliesgau weitergeführt.

Herz in den Heimatort hängen

Selbst wenn die Jugendlichen für ihre Ausbildung ihr Heimatdorf verlassen, kommen sie durch eine ausgeprägte Heimatverbundenheit danach wahrscheinlicher wieder zurück, berichtet John.

Denn die Junge Biosphäre sorge dafür, „dass das Herz nochmal ein bisschen mehr in den Heimatort gehängt wird.“ Und für die Zukunft von ländlichen Regionen sei diese Entwicklung besonders wichtig.


EU-Förderprogramm LEADER

LEADER steht für Liaison entre actions de développement de l'économie rurale, also die Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft.

Das Förderprogramm der Europäischen Union soll der Strukturförderung im ländlichen Raum dienen und Projekte finanzieren, die sich mit verschiedenen Herausforderungen auf dem Land beschäftigen.

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja