Gernot Müller und Daniela Keller (Foto: Tabea Prünte)

Hoof im Saarland kennt den Schlüssel für eine lebendige Dorfgemeinschaft

Tabea Prünte   13.11.2021 | 10:05 Uhr

Dörfer sind ohnehin tot, das wahre Leben findet in den Städten statt? Ein Klischee, das auf den Ort Hoof im Landkreis St. Wendel nicht zutrifft. Der Verein zur Förderung der Dorfentwicklung setzt sich mit vielen Aktionen dafür ein, die Gemeinschaft im Dorf lebendig zu halten.

Der Busfahrer bremst kaum ab, als er das Ortsschild von Hoof im Landkreis St. Wendel passiert. Das Fahrzeug, das nicht mehr als ein gutes Dutzend Plätze benötigt, um alle Fahrgäste nach Schulschluss und zur Feierabendzeit in ihre Heimat zu bringen, schlängelt sich gekonnt um die parkenden Autos herum - der Fahrer scheint seine Strecke trotz einsetzender Dämmerung gut genug zu kennen.

Doch ohnehin kommt ihm nicht viel Verkehr entgegen. "Hoof ist ein Ort, da muss man hinwollen, damit man hierher kommt – man fährt nicht einfach durch", sagt Daniela Keller. Die 53-Jährige ist schon in dem Dorf mit rund 900 Einwohnern groß geworden und übernimmt demnächst den Vorsitz des Vereins zur Förderung der Dorfentwicklung.

Dorfleben aktiv und lebendig

Ziel des Vereins ist es, Lösungen für Herausforderungen des ländlichen Lebens zu finden. Dorfgemeinschaften werden immer älter, es gibt viel Leerstand und kaum Versorgungsstrukturen, geschweige denn Möglichkeiten der Freizeitgestaltung? Klar, diese Probleme kenne man in Hoof. Doch es gibt bereits diverse Gegenmaßnahmen.

Emilia Persch, Jugendbeauftragte des Vereins zur Förderung der Dorfentwicklung Hoof e.V. (Foto: Privat)
Emilia Persch, Jugendbeauftragte des Vereins zur Förderung der Dorfentwicklung Hoof e.V.

"Für Hoof treffen diese Klischees nur bedingt zu", meint Emilia Persch. "Wir haben ein sehr aktives und lebendiges Dorf."

Dafür soll auch die 18-Jährige selbst sorgen, die demnächst den Posten der Jugendbeauftragten für den Verein übernehmen wird.

Das Dorfleben bietet aus ihrer Sicht das Potenzial, "in einem geschützten Rahmen und einer Gemeinschaft aufzuwachsen. Man hilft sich gegenseitig, man passt aufeinander auf. Ich habe das in meiner Kindheit und auch jetzt in der Jugend schon so empfunden." Ein klarer Grund für sie, weiterhin im Dorf zu bleiben.

Schlüssel für lebendiges Dorfleben

Daniela Keller ist sich sicher, was der Schlüssel für eine funktionierende Dorfgemeinschaft ist: "Es ist die Gemeinschaft, die es macht. In Hoof arbeitet man zusammen und dadurch funktioniert die Dorfgemeinschaft hier sehr gut", sagt sie. "Es macht einfach Spaß, man hat Freunde hier und nicht nur Nachbarn. Man kennt sich."

Der Ort Hoof liegt im Landkreis St. Wendel (Foto: Tabea Prünte)
Der Ort Hoof liegt im Landkreis St. Wendel

Und so sei auch Gernot Müller, Noch-Vorsitzender und zudem Gründer des Vereins auf sie als nachfolgende Vorsitzende aufmerksam geworden. Auf freiwilliges Engagement komme es in kleinen Dorfgemeinschaften an, damit die verschiedenen Angebote über Generationen hinweg bestehen bleiben können. "Jeder im Dorf soll – am besten freiwillig – das machen, was er am besten kann. Wenn sich jeder mit seinen Stärken einbringt, dann funktioniert das.“

Der 65-Jährige spricht nun vor allem die Jugend an, um auch genügend Angebote für sie zu finden. Dorfpartys zum Beispiel könnten seiner Meinung nach häufiger stattfinden. In Emilia Persch hat er eine Verbindung zur jüngeren Generation gefunden.

Angebote vor Ort schaffen

Aktionen wie Rummele schnitzen für die Kinder, das ähnlich wie Kürbisse schnitzen nur mit Runkelrüben funktioniert, ein Theaterstück einstudieren, im Fußballverein spielen, die ortseigene Feuerwehr, der Angelsportverein oder der Reiterhof - für all dies muss man von Hoof aus nicht erst in den nächsten oder übernächsten Ort fahren. Gleiches gilt für das Brötchen morgens auf dem Frühstückstisch oder das Bier zum Feierabend - für beides wird im dorfeigenen Bistro gesorgt. Um auch die Ältesten im Dorf versorgen und pflegen zu können, gibt es sogar eine eigene Dorfschwester und für die Gestaltung des Ortsschildes wurde der ortsansässige Künstler engagiert.

Vereinsaktion Rummele schnitzen (Foto: Gernot Müller, Verein zur Förderung der Dorfentwicklung e.V.)
Vereinsaktion Rummele schnitzen

Die Unabhängigkeit sei das Besondere an Hoof. Herausforderungen gehe die Dorfgemeinschaft selbst an, warte nicht auf die Unterstützung der Kommune, sagt Gernot Müller. Obwohl es ein kleines Dorf ist, habe es den Einwohnerinnen und Einwohnern mehr als nur das Wichtigste zu bieten. Müller bezeichnet sich selbst als echtes Dorfkind, wollte aus diesen Gründen auch nie weg. "Hoof - hier macht Leben Spaß", zitiert Müller das Dorfmotto.

Dorfleben muss interessant bleiben

Natürlich müsse die Infrastruktur ausgebaut werden, damit ein Leben auf dem Land interessant bleibt, meint Emilia Persch.

"Ich hoffe, dass viele Dörfer in Zukunft einen Weg einschlagen wie unseres. Mit einem kleinen Geschäft zur Versorgung mit alltäglichen Dingen und einer Dorfschwester sind wir doch sehr fortschrittlich", sagt sie und fügt hinzu: "Eigentlich lustig, wenn wir das als Fortschritt bezeichnen und meine Eltern erzählen, dass sie genauso groß geworden sind" - allerdings sehe sie hier keinen Widerspruch: "Das Dorf der Zukunft wird hoffentlich so aussehen, wie die Dörfer in der Vergangenheit - nur zeitgemäß."

Dörfer dürfen nicht stehenbleiben

Daniela Keller übernimmt diese Einstellung: "Ich hoffe, dass wir die Traditionen alle bewahren können - sei es die Kirmes, das Sportfest oder die Open-Air-Veranstaltungen." Gleichzeitig solle man aber merken, dass Hoof nicht stehenbleibt. Der saarländische Leitspruch "Großes beginnt im Kleinen" sei sehr passend - "das machen wir hier ganz oft", sagt Keller.

Persch fasst abschließend zusammen: "Viele Jugendliche meiner Generation gehen natürlich auch gern mal in die Stadt zum Shoppen oder Feiern. Aber sie möchten ihr Dorfleben nicht auf Dauer gegen ein Leben in der Stadt eintauschen."

Auch sie könne sich vorstellen, eine Zeit lang Stadtluft zu schnuppern. "Aber meine Zukunft ist hier. Hier sollen meine Kinder aufwachsen und nicht für jedes Freizeitangebot von A nach B gefahren werden, sondern möglichst vielen Dingen direkt im Ort nachgehen können", sagt sie. "Sicher bedarf das noch einiger Arbeit, aber alles muss am Laufen gehalten und immer wieder der Zeit angepasst werden. Das war ja schon immer so."

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