Bauarbeiten zum Mehrgenerationenspielplatz in Niedergailbach (Foto: Gemeinde Gersheim)

Dorfgestaltung - in Gersheim Bürgersache

Tabea Prünte   14.11.2021 | 10:34 Uhr

Dörfer werden immer älter, Gebäude verfallen, und vor allem die jungen Leute verlassen ihre Heimat sobald sie können? Um dies zu verhindern, nimmt die Gemeinde Gersheim die Einwohner aktiv mit ins Boot und lässt sie bei der Gestaltung der Dorfzukunft mitreden.

Ländliche Regionen stehen vor großen Herausforderungen. Der nächste Supermarkt ist womöglich erst im nächsten Ort, dort fährt allerdings nur ein Mal pro Stunde ein Bus hin und bis man online die Busfahrzeiten nachgeschaut hat, ist im Zweifel die Internetverbindung mehrmals abgebrochen - so sieht es in vielen Dörfern aus. Die Gemeinde Gersheim hat sich auf die Suche nach Lösungen gemacht, um das Dorfleben trotzdem attraktiv zu machen.

Ein Bürgerbus zum Beispiel soll eines der Probleme lösen. Ein Viertel der Bevölkerung sei älter als 60 Jahre, sagt Bürgermeister Michael Clivot, für sie muss Mobilität garantiert bleiben.

Demografischer Wandel in Dörfern

Doch hier liege laut Clivot die nächste Herausforderung: Die Gemeinschaften in den Gersheimer Dörfern werden immer älter. "Der demografische Wandel trifft uns schon sehr hart, und wir müssen die jungen Leute, die wir hier haben, auch hier halten."

Schwierig sei dies deshalb, weil die jungen Erwachsenen zum Studieren oder Arbeiten eher die weite Welt suchen und damit den städtischen Bereich. "Wenn wir die Angebote nicht schaffen, werden wir die Landflucht bei jungen Menschen nicht aufhalten."

Fördermittel für den ländlichen Raum

Dafür spiele einerseits das kulturelle Angebot eine Rolle, andererseits die digitale Infrastruktur. "Wir müssen die Anforderungen des modernen Lebens erfüllen", so Clivot. Außerdem stärke die Gemeinde Vereine, sorge für selbstverwaltete Jugendzentren und habe in diesem Jahr einen Spielplatz in Niedergailbach zu einem Mehrgenerationenplatz umgebaut.

Michael Clivot, Bürgermeister der Gemeinde Gersheim (Foto: Gemeinde Gersheim)
Michael Clivot, Bürgermeister der Gemeinde Gersheim

All diese Projekte seien nicht selbstverständlich. "Bei einer Kommune wie Gersheim, die doch finanziell sehr schwierig aufgestellt ist, ist das immer eine große Herausforderung", gesteht Clivot und betont: "Es ist also sehr wichtig, dass Fördermittel auch in den ländlichen Raum fließen, wo die finanziellen Rahmenbedingungen nicht so gut sind."

Die Gemeinde profitiert von Fördermitteln aus verschiedenen Töpfen, unter anderem von der Europäischen Union.

Bürger engagieren sich selbst

Um herauszufinden, welche Projekte für die Entwicklung der Dorfgemeinschaft am wichtigsten sind, holt sich die Gemeinde Feedback von der Bevölkerung ein. Bei Befragungen können die Einwohnerinnen und Einwohner ihre Wünsche und Anliegen äußern. Die Gemeinde kümmert sich dann um die Akquirierung von Fördermitteln.

Selbst bei der Umsetzung der Projekte ist die Mithilfe der Bevölkerung gefragt. So ist es zum Beispiel bei den Bauarbeiten eines Mehrgenerationenspielplatzes in Niedergailbach geschehen.

"Um diesen Spielplatz aufzubauen, zu graben, Fundamente zu legen, haben Bürgerinnen und Bürger über Wochen ihre Freizeit geopfert", berichtet Clivot. "Diese enge Einbindung der Bevölkerung gibt auch so einem Projekt hinterher einen ganz anderen Stellenwert in der Dorfgemeinschaft, da die Menschen sich selbst engagieren."

Ortskerne sollen nicht "verrotten"

In dieser Kombination aus EU-Fördermitteln und enger Bürgerbeteiligung sieht der Gersheimer Bürgermeister den Schlüssel dafür, Dörfer zukunftsfähig zu machen: "Das Geheimnis ist im ländlichen Raum, wo die Menschen viel enger im Kontakt miteinander sind, diesen Kontakt auch zu nutzen, um die Dorfentwicklung gemeinsam zu stemmen."

Denn gerade in den strukturschwachen Regionen im ländlichen Raum müsse dafür gesorgt werden, "dass wir wenigstens ansatzweise für gleichwertige Lebensverhältnisse sorgen können", sagt Clivot weiter. "Sonst würden die Ortskerne bei uns - das muss man leider so sagen - schon ein bisschen verrotten."

Dorfleben erhalten

Normalerweise versuche die Gemeinde, von den klassischen Dorferneuerungskonzepten eines pro Jahr umzusetzen. Der nächste Schritt zur weiteren Entwicklung der Dörfer der Gemeinde Gersheim sei, den Ortskern von Walsheim zu verschönern, kündigt Clivot an.

Auch dafür werden die Einwohnerinnen und Einwohner nach ihren Wünschen und Ideen gefragt, denn nur so könne "das Dorfleben, das viele schätzen, in der Form auch erhalten bleiben."

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