Illustration Internetbetrug: Eine Kreditkarte liegt auf einer Computertastatur (Foto: dpa/Ole Spata)

Saarbrücker Seniorin um 87.000 Euro betrogen

Thomas Gerber / Onlinefassung: Elisa Teichmann   01.05.2020 | 20:00 Uhr

Eine 87-jährige Saarbrückerin ist Opfer eines dreisten Internetbetrugs geworden. Dabei hat sie fast 90.000 Euro verloren. Die Spuren bei ähnlichen Delikten verlieren sich oftmals in Afrika. Die Täter sind in der Regel nicht zu ermitteln. In einem Fall ist dies aber jüngst gelungen.

Wie die Staatsanwaltschaft dem SR bestätigt hat, wird im Fall der 87-jährigen Saarbrückerin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Töchter der älteren Dame hätten am vergangenen Wochenende die Polizei eingeschaltet. Ihre Mutter sei auf Facebook auf einen angeblichen Arzt hereingefallen.

Der Arzt habe eine von Tiefschlägen geprägte Lebensgeschichte geschildert und so das Mitleid der 87-Jährigen erregt. Zugleich habe er behauptet, in Afghanistan für die UN zu arbeiten und nach Deutschland kommen zu wollen, um dort eine Klinik für ältere Menschen und Kinder aufzubauen. Dafür benötige er Geld.

Insgesamt 87.000 Euro überwiesen

Von Januar bis April hatte die Frau daraufhin laut Staatsanwaltschaft insgesamt 87.000 Euro auf verschiedene Konten überwiesen. Wohin genau das Geld geflossen ist, stehe derzeit noch nicht fest. Auch die Identität des Facebook-Kontakts der 87-Jährigen sei noch völlig unklar. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauerten an, seien aber nicht sonderlich erfolgsversprechend.

Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilt, hat es in der Vergangenheit im Saarland zahlreiche ähnlich gelagerte Fälle gegeben. In der Regel führten die Zahlungsströme nach Afrika. Konkrete Tatverdächtige seien meist nicht zu ermitteln, da vor Ort sogenannte Finanzagenten als Strohmänner eingesetzt würden. Das Geld sei in der Regel verloren.

Ein Kameruner konnte dingfest gemacht werden

Im vergangenen Jahr sei es allerdings gelungen, einen Tatverdächtigen dingfest zu machen. Der 45-jährige Kameruner habe von Luxemburg aus operiert und befinde sich seit Juni in Haft. Er hatte einen 72-Jährigen um 500.000 Euro erleichtert und konnte bei einer geplanten weiteren Geldübergabe festgenommen werden.

Zudem soll der Kameruner einem weiteren Opfer für 800 Euro ein Medikament angeboten haben, das zur Selbsttötung geeignet ist. Zur Auslieferung des Medikaments sei es dann aber nicht gekommen. Das Opfer habe sich geweigert, weitere Zahlungen zu leisten und die Polizei eingeschaltet. Der Kameruner war im Januar vom Amtsgericht wegen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Gegen das Urteil haben er und die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten am 01.05.2020 berichtet.

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