Kommunalwahlen in Frankreich: Stiring-Wendel. (Foto: Lisa Huth)

Heute Stichwahlen in Frankreich

Lisa Huth / Onlinefassung: Axel Wagner   28.06.2020 | 08:22 Uhr

Heute steht in Frankreich in einigen Städten die zweite Runde der Kommunalwahlen, der Municipales, an. Wegen der Corona-Krise war der Termin verschoben worden. Stichwahlen gibt es unter anderem auch in Forbach, Stiring-Wendel, Metz und St. Avold.

Forbach ist keine reiche Stadt – 22.000 Einwohner und eine Menge Problemviertel: Wiesberg, Belleville, Bruch. Der 31-jährige Alexandre Cassaro stammt aus dem „Quartier Le Bruch“, hat in Metz BWL studiert und beschlossen, wieder nach Forbach zurück zu kehren.

Lagerübergreifendes Team

Kommunalwahlen in Frankreich gehen in die zweite Runde
Audio [SR 3, Lisa Huth, 27.06.2020, Länge: 03:43 Min.]
Kommunalwahlen in Frankreich gehen in die zweite Runde

Schon mit knapp 24 wollte Cassaro Bürgermeister werden. In der Stichwahl mit vier Kandidaten steht er jetzt an der Spitze. Und das kommt nicht von ungefähr: Der eigentlich konservative junge Politiker hat die Unterstützung des Abgeordneten der Präsidentenpartei LREM, des konservativen Regionalratspräsidenten Jean Rottner und dem früheren sozialistischen Bürgermeister Laurent Kalinowski.

Und er hat ein Wahlkampfteam zusammengestellt, das nicht nur die konservative Klientel vertritt. Dazu gehören etwa der „Chef“ der Manouches, der Sinti, die im Viertel neben dem Bruch leben, Michel Renardo Lorier, oder die Unternehmerin Khedidja Merabtine – insgesamt eine bunte Truppe, weswegen die Liste quasi als Mitte-Links-Rechts gilt.

Niedrige Wahlbeteiligung erwartet

Ob Cassaro aber gewinnt, hängt nicht vom guten Wetter ab oder der Überzeugung seiner Anhänger, sondern fast ganz allein von der Wahlbeteiligung. Zwar ist eine Umfrage auf der Straße nie repräsentativ, aber von vielen Passanten in der Rue Principale in Forbach gab es nicht einen einzigen, der die Kandidaten kannte. Alle Befragten kündigten an, nicht wählen zu wollen.

Es könnte also auch die Nummer zwei der Kandidaten werden, Thierry Homberg, oder die Nummer drei, der Tierarzt Christan Peyron, der wie alle die Innenstadt wiederbeleben und die Problemviertel lebenswert machen will. Peyron legt großen Wert auf die Kooperation mit den Saarländern, will aber auch in der gegenwärtigen Krise so viele Jobs wie nur möglich auf französischer Seite schaffen.

Kommunalwahlen in Frankreich: Yves Ludwig, Bürgermeisterkandidat in Stiring-Wendel (Foto: Lisa Huth/SR)
Yves Ludwig, Bürgermeisterkandidat in Stiring-Wendel

Für die Bewohner nichts getan?

Anders sieht es im benachbarten Stiring-Wendel aus: Dort steht der bisherige Beigeordnete Yves Ludwig an der Spitze. Die Stadt habe ganz viele Strukturen geschaffen, sagt er, Sportzentrum, Fußballplatz, Halle, neue Mairie. Jetzt ginge es ans Renovieren. Die Besonderheit in Stiring: Der rechtsextreme Rassemblement National (RN) – bis 2018 als Front National (FN) bekannt – ist hier sehr stark. Ihm gehört der 29-jährige Kévin Pfeffer an. Er kam im ersten Wahlgang auf Platz zwei. Seitdem ging die Corona-Krise durchs Land, und mit ihr in Stiring die Behauptung, die Mairie habe für die 12.000 Bewohner nichts getan, also auch Yves Ludwig, denn er ist ja Beigeordneter.

Kévin Pfeffer selbst geht im Interview nur indirekt darauf ein. Wenn er gewählt werde, wolle er zu allererst etwas für die alten Leute tun, die während der Ausgangssperre allein gelassen worden sein. Da eine geringe Wahlbeteiligung in der Regel die extremen Parteien begünstigt, ist in Stiring nicht sicher, ob – wie üblicherweise – Yves Ludwig den Bürgermeistersessel erobert, weil er im ersten Wahlgang die meisten Stimmen bekommen hatte.

Kommunalwahlen in Frankreich: Stiring-Wendel. Kévin Pfeffer (Foto: Lisa Huth/SR)
Plakat von Kévin Pfeffer, Bürgermeister-Kandidat in Stiring-Wendel für den rechtsextremen RN.

RN hat in Metz kaum Chancen

In Metz tritt der konservative Senator François Grosdidier an erster Stelle an, unterstützt von links bis rechts, weil auch hier der Rassemblement National weiter gekommen ist: Die sehr starke Regionalrätin Françoise Grolet, die auch im Regionalrat vertreten ist, versucht, ihm den Platz streitig zu machen – dort allerdings mit wenig Aussichten. Gewählt wird außerdem auch in Thionville, St. Avold und Bitche.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 27.06.2020 berichtet.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja