Ein Schild weist auf das Tragen einer FFP2-Maske hin. (Foto: dpa | Marijan Murat)

Kurzfristige FFP2-Entscheidung sorgt für Kritik

  26.01.2022 | 12:14 Uhr

Der saarländische Handelsverband hat die seit Mittwoch geltende FFP2-Maskenpflicht im Einzelhandel kritisiert. Die Einführung "quasi über Nacht" sei problematisch, sagte der Vorsitzende Genth im SR-Interview. Die FDP bezeichnete die Entscheidung als "unüberlegten und überzogenen Schnellschuss".

Am Dienstag hatte der Ministerrat die seit Mittwoch geltende FFP2-Maskenpflicht für den Einzelhandel und den ÖPNV beschlossen. Damit reagierte die Landesregierung auf die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes, das die 2G-Regelung im Einzelhandel gekippt hat.

"Einführung quasi über Nacht"

Für den Vorsitzenden des saarländischen Handelsverbands, Michael Genth, ist das keine nachvollziehbare Entscheidung. Die Einführung der FFP-Maskenpflicht "quasi über Nacht" hält er für problematisch. "Wir hättens uns gewünscht, dass man allen Beteiligten die Möglichkeit gibt, sich auf die neue Situation einzustellen."

"Die Einführung über Nacht halten wir für sehr problematisch"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner / Michael Genth, 26.01.2022, Länge: 03:47 Min.]
"Die Einführung über Nacht halten wir für sehr problematisch"

Der saarländische Einzelhandel sei sehr auf die Sicherheit und den Schutz beim Einkaufen bedacht, aber es müsse auch organisiert und machbar umgesetzt werden.

"Außerdem wollen wir verstehen, warum plötzlich überall FFP2-Masken eingeführt werden. Bisher haben keine großen Infektionsgeschehen im Einzelhandel stattgefunden. Im Lebensmittel-Einzelhandel, der der am stärksten besuchte von allen ist, haben die medizinischen wunderbar funktioniert", sagte Genth im SR-Interview.

"Unüberlegter und überzogener Schnellschuss"

Kritik kommt auch von der Saar-FPD: Über Nacht die Maskenpflicht zu verschärfen, sei „ein unüberlegter und überzogener Schnellschuss“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Angelika Hießerich-Peter.

Die Leidtragenden seien am Ende sowohl die Unternehmen und ihre Mitarbeiter, die ohne Übergangsregelung vor diversen Folgeproblemen stünden, als auch die Kunden, „denen der Einkauf erneut mit höheren Anforderungen erschwert wird“, so Hießerich-Peter.

Die Kurzfristigkeit der Einführung einer FFP2-Maskenpflicht sorgt auch in den sozialen Netzwerken für Unmut.

Saar-Linke fordert kostenlose FFP2-Masken für Bedürftige

Die Fraktion Saar-Linke im Landtag begrüßte indes die Entscheidung des Ministerrates. Durch die entfallene 2G-Regelung und die gleichzeitige FFP2-Maskenpflicht im Einzelhandel werde die Ausgrenzung der Nicht-Geimpften beendet.

Allerdings müsse eine kostenlose Ausgabe der FFP2-Masken für Bedürftige über Apotheken und Arztpraxen umgehend organisiert werden, sagte die Abgeordnete Barbara Spaniol.

Grüne: "Preisunterschied erheblich"

Auch die Saar-Grünen fordern die Landesregierung auf, Menschen mit geringem Einkommen die Masken kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Zwar seien die FFP2-Masken eine effektive Maßnahme, um das öffentliche Leben weiter aufrecht erhalten zu können. "Allerdings ist der Preisunterschied zwischen den bisher erlaubten medizinischen Masken und den FFP2-Masken so erheblich, dass dies für Menschen mit geringem Einkommen zu finanziellen Härten führt", sagte die Grünen-Politikerin Kiymet Göktas.

Studie: FFP2-Masken besonders effektiv

Dass FFP2-Masken in der Pandemie einen äußerst effektiv Schutz darstellen, hat eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts festgestellt. Die Forscher gehen davon aus, dass dicht abschließende FFP2-Masken im Vergleich zu gut sitzenden OP-Masken 75 mal besser schützen. Gleichzeitig betont die Studie, dass auch medizinische Masken das Ansteckungsrisiko schon deutlich im Vergleich zu einer Situation ganz ohne Mund-Nasenschutz reduzieren.

Dabei macht die Studie deutlich: Selbst bei einer Distanz von drei Metern dauert es keine fünf Minuten, bis sich eine ungeimpfte Person, die in der Atemluft eines Corona-infizierten Menschen steht, mit fast 100-prozentiger Sicherheit anstecke.

Tragen sowohl die infizierte als auch die nicht-infizierte Person gut sitzende FFP2-Masken, betrage das maximale Ansteckungsrisiko nach 20 Minuten selbst auf kürzeste Distanz hingegen kaum mehr als ein Promille.

Über dieses Thema berichtete die "Region" auf SR 3 Saarlandwelle am 26.01.2022.

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