Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes (Foto: picture alliance/Oliver Dietze/dpa)

Einschränkungen bleiben weiter bestehen

  08.04.2020 | 12:36 Uhr

Die Einschränkungen wegen des neuartigen Corona-Virus werden im Saarland auch weiter nicht gelockert. Das haben Ministerpräsident Hans (CDU) und seine Stellvertreterin Rehlinger (SPD) betont. Hans sagte, die Maßnahmen zeigten zwar eine starke Wirkung. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich vorsichtig optimistisch gezeigt, dass das Gesundheitssystem der Belastung durch die Coronapandemie standhält. Die Ausbreitung habe sich durch die getroffenen Maßnahmen deutlich verlangsamt. Zu Beginn der Krise habe sich das Virus binnen einer Woche noch um den Faktor acht erhöht, mittlerweile steige die Zahl der Infizierten innerhalb einer Woche nur noch um den Faktor 1,8. "Das zeigt, dass unsere Maßnahmen eine Wirkung haben", so Hans.

Zwischenbilanz der Landesregierung zu Corona-Maßnahmen (08.04.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 02:26 Min.]
Zwischenbilanz der Landesregierung zu Corona-Maßnahmen (08.04.2020)

Es sei aber trotz aller Zuversicht noch zu früh, Entwarnung zu geben. Auch über Ostern müssten die strengen Einschränkungen eingehalten werden.

Hans: Höhepunkt liegt noch vor uns

Hans: "Unsere Maßnahmen zeigen Wirkung"
Video [SR.de, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 00:27 Min.]
Hans: "Unsere Maßnahmen zeigen Wirkung"
Die Pressekonferenz in ganzer Länge.

"Es muss uns klar sein, dass wir den Höhepunkt der Infektion noch vor uns haben", so Hans. Zudem zeige sich, dass zunehmend ältere Menschen betroffen seien und damit auch der Anteil der intensivmedizinisch zu behandelnden Personen steige.

Um auf diesen Höhepunkt vorbereitet zu sein, würden die medizinischen Kapazitäten weiter ausgebaut. Zudem sei für 13 Millionen Euro zusätzliche Schutzausrüstung, insbesondere Masken, bestellt worden. "Wir erwarten die Lieferung dieser Bestellung - unter aller Vorsicht - in den nächsten Tagen", so Hans.

Ohne Gegenmaßnahmen bis zu 30.000 schwere Krankheitsverläufe

Hans: "Das Corona-Virus ist ein tükischer Gegner"
Video [SR.de, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 00:42 Min.]
Hans: "Das Corona-Virus ist ein tükischer Gegner"
Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich vorsichtig optimistisch gezeigt, dass das Gesundheitssystem der Belastung durch die Coronapandemie standhält. Die Ausbreitung habe sich durch die getroffenen Maßnahmen deutlich verlangsamt. Es sei aber trotz aller Zuversicht noch zu früh, Entwarnung zu geben. Auch über Ostern müssten die strengen Einschränkungen eingehalten werden.

Hans machte auch noch einmal deutlich, worin die Gefahr der Coronapandemie im Vergleich zu anderen Viruserkrankungen wie etwa der Grippe liegen. Noch vor drei Wochen sei die Ausbreitungsgeschwindigkeit so hoch gewesen, dass innerhalb kurzer Zeit Hunderttausende Saarländer infiziert gewesen wären. "Bei fünf Prozent an schwerwiegenden Krankheitsverläufen, hätten wir hier im Saarland schon bald 20.000 oder 30.000 Patienten gehabt, die wir in unseren Krankenhäusern nicht mehr hätten behandeln können und von denen viele mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verstorben wären", so Hans. Das seien deutlich mehr als bei den bislang bekannten Influenzawelle.

Pressekonferenz der Landesregierung zur Zwischenbilanz der Corona-Maßnahmen (08.04.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 70 Min.]
Pressekonferenz der Landesregierung zur Zwischenbilanz der Corona-Maßnahmen (08.04.2020)

Deshalb habe die Landesregierung direkt handeln müssen. Er sei sich bewusst, wie schmerzhaft die Maßnahmen seien. "Was besonders schmerzt, dass zentrale Grundrechte derzeit eingeschränkt sind", so Hans. Es sei allen bewusst, dass dieser Zustand nicht willkürlich aufrecht erhalten werden dürfe. "Er darf nur so lange anhalten, wie wir es für absolut notwendig halten", sagte Hans. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger ergänzte, dass man bei den Entscheidungen auch die Situation etwa in Italien oder Ostfrankreich vor Augen hatte. "Es gibt den klaren Kompass, zu verhindern, dass die Bilder, die wir aus anderen europäischen Ländern gesehen haben, Bilder sind, die hier im Saarland entstehen könnten", so Rehlinger.

Diskussion über Ausstiegsszenario

Wann die derzeitigen Maßnahmen gelockert werden können, sei noch unklar, sagte Hans. "Natürlich beschäftigen wir uns auch mit dem Weg aus diesem Krisenmodus heraus." Wenn es soweit sei, würden die Einschränkungen Schritt für Schritt gelockert. "Wann genau dieser Zeitpunkt gekommen sein wird, das kann man gegenwärtig schlichtweg nicht sagen." Es wäre fatal, wenn durch einen zu frühen Ausstieg die bisherigen Erfolge gefährdet würden. Hans betonte aber auch, dass eine etwaige Lockerung immer auch mit Auflagen verbunden sein könnte, etwa dem Tragen von Schutzkleidung in sensiblen Bereichen. Oder, dass zum Beispiel eine freiwillige App zur Infektionsnachverfolgung zum Einsatz kommen könne.

Schutzplan für Pflegeheime

Rehlinger bittet um Vertrauen für die Maßnahmen
Video [SR.de, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 00:21 Min.]
Rehlinger bittet um Vertrauen für die Maßnahmen

Neben dem bereits bestehenden Besuchsverbot in Pflege- und Altenheimen hat die Landesregierung einen Plan erarbeitet, wie die Heimbewohner - die zu den besonders gefährdeten Personengruppen zählen - noch besser geschützt werden können. Zuletzt ist die Zahl infizierter Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen deutlich angestiegen. Zu den Maßnahmen zählen Empfehlungen für den Umgang mit Coronapatienten in den Einrichtungen oder verpflichtende Tests beim Neueinzug in ein solches Heim.

Notsituation nicht für Ressentiments nutzen

Rehlinger: "Durch die Maßnahmen werden viele Menschen geschützt"
Video [SR.de, (c) SR, 08.04.2020, Länge: 00:37 Min.]
Rehlinger: "Durch die Maßnahmen werden viele Menschen geschützt"
Die Wirtschaftsministerin des Saarlandes, Anke Rehlinger (SPD), hat die aktuellen Maßnahmen der Landesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie verteidigt. Neben berechtigter Zweifel, erlebe sie auch viel Verständnis für die Entscheidungen.

Mit Blick auf die Grenzschließung betonte die stellvertrende Ministerpräsidentin Rehlinger noch einmal, dass dies eine der ersten Maßnahmen sein sollte, die gelockert werden. Zugleich kritisierte sie scharf, dass Grenzgänger hier im Saarland beleidigt würden. "Wer so etwas tut und die derzeitige Notsituation für Ressentiments missbraucht, der versündigt sich auch an der Freundschaft zu Französinnen und Franzosen, an der Freundschaft unserer Völker", so Rehlinger. "Ich entschuldige mich bei unseren französischen Freunden für diese Vorfälle. Sie stehen nicht für das Saarland."

Ministerpräsident Hans ergänzte, dass sich die Landesregierung derzeit dafür einsetze, weitere Grenzübergänge zu öffnen. Das sei auch kein Problem des "guten Willens" - sondern derzeit vor allem ein personelles Problem. "Auch da versuchen wir Lösungen herbeizuführen", so Hans.

Hintergrund

Vor gut vier Wochen war der erste Coronafall im Saarland bekannt geworden. Zunächst wurden nur die Infektionsketten nachverfolgt und mögliche Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt. Eine Woche später folgte dann der erste einschneidende Schritt mit dem Verbot von Großveranstaltungen, kurz darauf die allgemeine Schulschließung. Knapp eine Woche später verkündete die Landesregierung eine strenge Ausgangsbeschränkung.

Auswirkungen auf die journalistische Arbeit
Pressekonferenz in Zeiten von Corona
Die Corona-Pandemie hat nicht nur Folgen für Alltag, Politik und Wirtschaft. Sie wirkt sich auch auf die Arbeit der Presse aus. Das konnte man beispielsweise bei der Pressekonferenz am Mittwoch beobachten, bei der Ministerpräsident Tobias Hans und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger eine Zwischenbilanz zu den Corona-Maßnahmen im Saarland gezogen haben. Denn für Journalisten gelten dort nun andere Regeln.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 08.04.2020.

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