Symbolbild: Illustration von Corona-Viren auf einer Saarlandkarte, Hintergrund: Laborsituation (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

Gesundheitsämter in der Pandemie unter Druck

Mit Informationen von Steffani Balle und Janek Böffel   10.03.2021 | 21:39 Uhr

Die saarländischen Gesundheitsämter sind in der Corona-Pandemie teilweise stark überfordert gewesen. Diese Auffassung hat der Geschäftsführer des Landkreistages, Martin Luckas, am Mittwoch vor dem Gesundheitsausschuss des Saarländischen Landtages vertreten.

Luckas sagte, die Sünden der vergangenen zwanzig Jahre seien dem Land vor die Füße gefallen. Insbesondere die dünne Personaldecke und die fehlende digitale Vernetzung hätten zu erheblichen Problemen geführt.

Bessere Bezahlung und mehr IT-Fachkräfte

Um den Arztberuf im öffentlichen Dienst attraktiver zu machen, sollte eine bessere Bezahlung her. Ein Lehrstuhl an der Uni für öffentlichen Gesundheitsdienst könne das Image verbessern, so Luckas. Um die digitalen Abläufe zu sichern, sollte jedem Gesundheitsamt im Land eine eigene IT-Fachkraft zugeordnet werden.

Gesundheitsausschuss zieht nach einem Jahr Corona Bilanz
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 10.03.2021, Länge: 03:08 Min.]
Gesundheitsausschuss zieht nach einem Jahr Corona Bilanz

Die digitale Kontaktnachverfolgung über das Programm „Sormas“ werde wohl nicht mehr in diesem Monat eingeführt, sagte Luckas. Dennoch sei die Kontaktnachverfolgung im Saarland auch durch die schon vorhandene digitale Infrastruktur gesichert.

Experten beurteilen Corona-Maßnahmen unterschiedlich

Am Mittwochvormittag hatten sich Experten zur aktuellen Lage, aber auch zu den bisherigen Maßnahmen gegen das Virus unterschiedlich geäußert.Die Einschätzungen der beiden zugeschalteten Experten, des Bonner Virologen Hendrik Streeck und seines Homburger Kollegen Jürgen Rissland, waren teils unterschiedlich. Rissland sagte, trotz einiger Versäumnisse etwa bei der Modernisierung der Abläufe in den Gesundheitsämtern oder teils verbesserungswürdiger grenzüberschreitender Zusammenarbeit, sei Deutschland international ein Positivbeispiel im Umgang mit der Pandemie.

Streeck hingegen wies vor allem auf Versäumnisse hin. Man wisse immer noch zu wenig über die Effektivität der einzelnen Anti-Corona-Maßnahmen. Hätte man dort besser geforscht, könnte man nun bei den Maßnahmen nicht wie aktuell mit dem Hammer, sondern mit dem Skalpell arbeiten, so Streeck.

Luxemburg regt Zusammenarbeit bei Forschung zu Impfungen an

Corona-Zwischenfazit des Gesundheitsausschusses im Landtag
Audio [SR 3, Janek Böffel, 10.03.2021, Länge: 03:10 Min.]
Corona-Zwischenfazit des Gesundheitsausschusses im Landtag

Zuvor hatten zugeschaltete Vertreter des luxemburgischen Gesundheitswesens eine Zusammenarbeit unter anderem bei der Erforschung von Impfungen vorgeschlagen. Der Leiter des Luxemburger Gesundheitsinstituts Ulf Nehrbass hat angekündigt, dass in Luxemburg Untersuchungen zur Wirkung der unterschiedlichen Impfstoffe durchgeführt werden sollen. Dabei gehe es unter anderem um die mögliche Übertragung des Virus nach einer Impfung. Hier sei eine Zusammenarbeit mit dem Saarland vorstellbar.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 10.03.2021 berichtet.

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