Die Bundeswehr evakuiert Menschen mit einem Transportflugzeug aus Afghanistan. (Foto: picture alliance/dpa/Bundeswehr | Marc Tessensohn)

Saarland soll 30 afghanische Ortskräfte aufnehmen

mit Informationen von Carolin Dylla und Denise Friemann   18.08.2021 | 18:56 Uhr

Das Saarland hat bislang 30 afghanische Ortskräfte zur Aufnahme zugewiesen bekommen. Zusammen mit ihren Familien könnten rund 100 Menschen ins Saarland kommen. Eine Kundgebung in Saarbrücken forderte sofortige Hilfe.

19 der zugewiesenen 30 afghanischen Ortskräfte seien bisher im Saarland angekommen, sagte Innenminister Klaus Bouillon (CDU) im Interview mit dem Saarländischen Rundfunk. Rechne man deren Familien dazu, könnten laut Innenministerium rund 100 Menschen ins Saarland kommen. Aktuell liefen dazu Beratungen mit den Kommunen.

Video [aktueller bericht, 18.08.2021, Länge: 3:40 Min.]
Bisher 19 afghanische Ortskräfte im Saarland angekommen

Die Infrastruktur, um diese Ortskräfte und deren Familien aufzunehmen, sei im Saarland schon seit Juli aufgebaut worden, so Bouillon weiter. Das Saarland sei in Sachen Aufnahmekapazitäten gut gerüstet.

Bis zu 10.000 Menschen müssten ausgeflogen werden

Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Tagen erklärt, dass mit deutschen Staatsbürgern, afghanischen Ortskräften, deren Familien sowie afghanischen Menschenrechtsaktivisten oder Mitarbeitern von Nicht-Regierungsorganisationen insgesamt bis zu 10.000 Menschen aus Afghanistan nach Deutschland geholt werden müssten. Dass es gelingt, all diese Menschen tatsächlich auszufliegen, hält der saarländische Innenminister Bouillon aber für unrealistisch.

Am Evakuierungseinsatz in Afghanistan ist die Saarlandbrigade beteiligt, die militärische Führung liegt bei ihrem Kommandeur Jens Arlt.

Kundgebung in Saarbrücken

In Saarbrücken gab es am Mittwochabend eine Kundgebung von etwa 100 Menschen vor dem Staatstheater zur Lage in Afghanistan. Unter anderem riefen die Grüne Jugend Saar, die Linksjugend und die Organisation Seebrücke dazu auf, nach der Machtübernahme der Taliban so viele Menschen wie möglich aus Afghanistan zu evakuieren.

Teilnehmende der Demonstration Luftbrücke Jetzt stehen in Saarbrücken vor dem Staatstheater (Foto: Lisa Krauser / SR)
Teilnehmende der Demonstration Luftbrücke Jetzt stehen in Saarbrücken vor dem Staatstheater

Flüchtlingsrat: Bedrohte retten

Auch der Flüchtlingsrat im Saarland rechnet damit, dass Menschen aus Afghanistan versuchen werden, nach Europa zu kommen. "Man muss Menschen - auch über die Ortskräfte hinaus - die von den Taliban bedroht sind, retten", sagt Horst-Peter Rauguth vom Flüchtlingsrat.

Jetzt laufen zunächst aber die Anstrengungen für den Evakuierungseinsatz. Daran ist die Saarlandbrigade beteiligt, die militärische Führung liegt bei ihrem Kommandeur Jens Arlt.


Video zum Thema

Ex-Kommandeur der Saarlandbrigade: Vieles ist nicht so gelungen, wie man es sich vorgenommen hatte
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 18.08.2021, Länge: 04:45 Min.]
Ex-Kommandeur der Saarlandbrigade: Vieles ist nicht so gelungen, wie man es sich vorgenommen hatte
Der ehemalige Kommandeur der Saarlandbrigade Volker Bescht sieht die aktuelle Situation der Ortskräfte in Afghanistan als Desaster an. Er beurteilt den Einsatz der Bundeswehr und schätzt die Lage vor Ort ein.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 18.08.2021 berichtet.

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