Ein Arzt trägt ein Stethoskop um den Hals. (Foto: dpa)

Viele Hausarzt-Stellen im Saarland unbesetzt

  24.09.2020 | 13:27 Uhr

Im Saarland sind im vergangenen Jahr 12,3 Prozent aller Stellen für Hausärzte unbesetzt geblieben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor. Das ist bundesweit der höchste Anteil. Für die Kassenärztliche Vereinigung ist das jedoch kein Grund zur Panik.

Noch keine Engpässe bei der hausärztlichen Versorgung
Audio [SR 1, (c) Peter Liebertz, Michael Kulas, 24.09.2020, Länge: 03:03 Min.]
Noch keine Engpässe bei der hausärztlichen Versorgung

Bundesweit konnten 5,9 Prozent aller geplanten Plätze für Hausarzt-Niederlassungen nicht vergeben werden. Am besten mit Allgemeinmedizinern versorgt sind demnach die Stadtstaaten Hamburg, wo es gar keine unbesetzten Stellen gibt, und Berlin (0,7 Prozent).

Dahinter folgt Bremen mit 2,5 Prozent. Als bestes Flächenbundesland steht Schleswig-Holstein mit 2,6 Prozent da. Ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie das Saarland erzielten nur Sachsen-Anhalt (10,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz. Dort sind 9,5 Prozent aller Hausarzt-Planstellen unbesetzt.

Kein echtes Versorgungsproblem

Für Dr. Gunter Hauptmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Saarland, ist die Situation nicht neu. Er fügt jedoch hinzu: „Wir haben im Moment kein echtes, tatsächliches Versorgungsproblem.“ Die Lücken bestünden vor allem rechnerisch.

Die Altersstruktur im Saarland zeige aber deutlich, dass die niedergelassenen Ärzte deutlich überaltert sind, so Hauptmann. „In den nächsten Jahren wird die Pensionierungswelle noch stärker werden.“

Sowohl die KV als auch das Land, die Landkreise und Kommunen hätten das Problem jedoch erkannt und steuerten gegen. So sei an der Uniklinik der Lehrstuhl für Allgemeinmedizin eingeführt worden, und auch die neue Landarztquote werde gut angenommen.

Es gelte, in den Kommunen die nötige Infrastruktur für die Ärzte bereit zu stellen. Im Moment ließen sich vorwiegend junge Ärztinnen nieder. Für die Zukunft ist der KV-Vorsitzende optimistisch. „Das wird nicht so schlimm kommen, wie man es sich jetzt ausmalt.“

Versorgungsgrenze bei 110 Prozent

Bundesweit blieben insgesamt 3280 Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte frei, bei Fachärzten waren es 1933. Um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, gibt es laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine Bedarfsplanung für ärztliche Niederlassungen.

Der Bund macht dazu Vorgaben, die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder erstellen basierend darauf regionale Pläne. So wird festgelegt, wie viele Haus- und Fachärzte es in einer Region geben darf. Ist in einer Region eine Versorgung von 110 Prozent erreicht, muss ein Arzt erst auf eine freie Praxis zur Übernahme warten, bevor er sich dort niederlassen kann. Andernfalls darf er einfach eine neue Praxis gründen oder sich von bereits praktizierenden Ärzten anstellen lassen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 24.09.2020 berichtet.

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