Konzernlogo der ZF (Foto: picture alliance/dpa | Felix Kästle)

ZF Saarbrücken soll auf E-Antrieb umstellen

Wolfgang Wirtz-Nentwig mit Informationen von Mirko Tomic und Yvonne Schleinhege   02.06.2022 | 07:22 Uhr

Der ZF-Konzern will den Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb schneller vorantreiben – und ist dabei, wichtige Weichen zu stellen. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ soll das Werk in Saarbrücken auf Elektromobilität umgestellt werden.

Der ZF-Konzern will seine Produktpalette noch schneller auf Komponenten für den Elektroantrieb umbauen und dabei auch sein Werk in Saarbrücken einbeziehen. 

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" geht Vorstandschef Wolf-Henning Scheider davon aus, dass ZF schon 2030 mehr Umsatz mit Modulen für E-Mobilität machen wird als mit der bisherigen Antriebstechnik für Verbrenner-Motoren.

Scheider sagte auf einer Fachkonferenz in Bochum, die Unternehmensleitung befinde sich "in Gesprächen über die Produktion von hochwertigen Elektrokomponenten in ihrem Getriebewerk im Saarland“.

Video [aktueller bericht, 02.06.2022, Länge: 2:18 Min.]
ZF Saarbrücken soll auf E-Antrieb umstellen

"Ein gutes Signal"

Im ZF-Werk in Saarbrücken werden die Äußerungen von Vorstandschef Scheider begrüßt. Der stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende Patrik Buchholz sagte dem SR auf Anfrage, das sei ein gutes Signal, dass es gelingen könne, die Mannschaft in Saarbrücken an Bord zu halten.  

ZF richtet Saarbrücker Werk auf E-Mobilität aus - eine Einschätzung
Audio [SR 3, Moderation: Simin Sadeghi, 02.06.2022, Länge: 03:53 Min.]
ZF richtet Saarbrücker Werk auf E-Mobilität aus - eine Einschätzung

Die Verhandlungen über die Zukunft des Werks seien auf gutem Weg, noch sei man aber nicht durch die Zielgerade. Es gebe noch einige Details zu klären. Nach jetziger Planung solle die Belegschaft am 27. Juni auf einer Betriebsversammlung über den aktuellen Stand informiert werden. Danach könne man sich auch öffentlich zu Details äußern.

9000 Beschäftigte im Saarland

Das ZF-Werk in Saarbrücken ist mit rund 9000 Beschäftigten die größte Fabrik des Konzerns und der größte Arbeitgeber an der Saar. Seit rund 50 Jahren werden dort Automatikgetriebe gebaut - lange mit wachsendem Erfolg und ständig steigenden Zahlen bei Produktion und Arbeitsplätzen. 

Trotzdem hat ZF bereits angekündigt, dass die jetzige Baureihe in Saarbrücken die letzte sein wird. Denn Elektromotoren benötigen kein aufwändiges Getriebe mehr, weil sie im Gegensatz zum Benzin- oder Dieselantrieb durchgängig ihr volles Drehmoment entfalten.

Verhandlungen laufen

Seit gut zwei Jahren wird hart verhandelt, wie es am Standort Saarbrücken weitergeht, wenn die Produktion von Verbrenner- und Hybridautos immer weiter zurückgeht und die bisherigen Getriebe nicht mehr gebraucht werden.  

Niemand erwartet, dass sämtliche Arbeitsplätze erhalten bleiben. Bis zu 2000 Jobs könnten auf der Kippe stehen, wird immer wieder spekuliert. Und deshalb fühlt sich die Belegschaft unter Druck gesetzt.

Der Einstieg in die Fertigung von Elektro-Bauteilen war zwar immer eine Option, aber Klarheit gibt es bis heute nicht. Die Konzernspitze sitzt am längeren Hebel - ganz ähnlich wie bei Ford. 

Bekenntnis zum Standort?

Trotzdem: Die jüngsten Äußerungen von Konzernchef Scheider, auch wenn sie noch relativ vage sind, werden von der Fachpresse als Bekenntnis zum Standort Saarbrücken gedeutet. So könnte der Umstieg vom Getriebebau auf Elektro-Komponenten einen kompletten Neustart für das Werk an der Goldenen Bremm und seine knapp 9000 Mitarbeiter darstellen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 02.06.2022 berichtet.

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