ZF Saarbrücken (Foto: Karin Mayer/SR)

ZF schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2022 aus

Karin Mayer   24.07.2020 | 13:50 Uhr

Die ZF-Belegschaft kann aufatmen: Der Konzern schließt bis Ende 2022 betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen aus. Dafür haben der Gesamtbetriebsrat und der Vorstand umfangreiche Tarifverträge und eine Gesamtbetriebsvereinbarung ausgehandelt.

Der Schock saß tief Ende Mai. Bis zu 15.000 Stellen wollte der Konzern infolge der Corona-Krise weltweit abbauen - die Hälfte davon in Deutschland. An diesem Plan hält das Unternehmen zwar fest, er wird aber sozialverträglich abgefedert.

Der Betriebsratsvorsitzende des Standorts Saarbrücken, Mario Kläs, spricht von einer Rettungsgasse. Bis Ende 2022 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Auch Werksschließungen solle es in dieser Zeit nicht geben.

Video [aktueller bericht, 24.07.2020, Länge: 3:27 Min.]
ZF schließt betriebsbedingte Kündigungen bis 2022 aus

Kurzarbeit, Altersteilzeit plus

Keine betriebsbedingten Kündigungen bei ZF
Audio [SR 3, (c) Karin Mayer, 24.07.2020, Länge: 03:10 Min.]
Keine betriebsbedingten Kündigungen bei ZF

Stattdessen setzt der Konzern auf Kurzarbeit. Selbst wenn die staatlich geförderte Kurzarbeit ausläuft, will ZF auf kürzere Arbeitszeit setzen und die Einkommen für die Mitarbeiter aufstocken. Am Standort Saarbrücken beispielsweise sei durch Corona rund 20 Prozent der Auslastung verloren gegangen, sagt Mario Kläs. Die Beschäftigung müsse nun angepasst werden.

Das könne auch durch das neue Angebot von Altersteilzeit plus geregelt werden. Konkret heißt das: Wer in Altersteilzeit und vorzeitigen Ruhestand geht, bekommt zusätzlich eine Abfindung vom Arbeitgeber.

Brücke bis 2022 – Zielbild 2025

Gute Nachrichten von ZF
Audio [SR 1, (c) Verena Sierra, 24.07.2020, Länge: 01:35 Min.]
Gute Nachrichten von ZF

Der Konzern rückt damit nicht grundsätzlich vom Stellenabbau ab. Die Standorte bekommen aber Zeit, um sich für die Zukunft aufzustellen. Werksleitung, Betriebsräte und Gewerkschaft wollen gemeinsam Zielbilder für 2025 und 2030 entwickeln. Ziel von Mario Kläs für den Standort Saarland: Weitere Aufträge für die vierte Generation des 8-Gang-Getriebes gewinnen und ein neues Standbein im Bereich Elektromobilität aufbauen.

Beitrag der Beschäftigten

Die Beschäftigten müssen dafür einmalig auf eine tarifvertragliche Leistung T-Zug B verzichten. Laut IG Metall Saarbrücken geht es dabei um rund 350 Euro pro Kopf. Thorsten Dellmann von der IG Metall Saarbrücken spricht deshalb von einem sehr guten Ergebnis für die Beschäftigten. Es sei vereinbart, dass Betriebsräte, Standortleitung und Gewerkschaft nun Gespräche über die Zukunft der Standorte führen. Dadurch sei es möglich, die Transformation zu gestalten.

Corona-Krise trifft Autoindustrie

Infolge des Corona-Stillstandes erwartet ZF einen massiven Umsatzeinbruch. Statt der geplanten 40 Milliarden Euro soll der Umsatz auf 30 Milliarden Euro sinken. Der ZF-Konzern erwartet nach SR-Informationen, dass die Autobranche sich nach der Corona-Krise nur langsam wieder erholt.

ZF beschäftigt weltweit 148.000 Mitarbeiter, in Deutschland 51.000, rund 8500 davon im Saarland. Der Konzern will Anfang August die Halbjahreszahlen für 2020 vorlegen.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja