Ein Pfleger schiebt eine Frau im Rollstuhl (Foto: picture alliance/dpa | Tom Weller)

Mehr Menschen mit Schwerbehinderung im Saarland

  18.06.2022 | 08:35 Uhr

Die Zahl der schwerbehinderten Menschen im Saarland steigt. Inzwischen lebt mehr als jeder zehnte Saarländer mit einer Schwerbehinderung. Das stellt das Land vor Herausforderungen.

Die Zahl der Menschen mit Schwerbehinderung im Saarland steigt seit Jahren kontinuierlich an. Lag sie laut dem Statistischen Landesamt 2017 noch bei insgesamt 94.398, kletterte sie 2021 bereits auf 111.050. Das sind etwas mehr als elf Prozent der Gesamtbevölkerung im Saarland.

Als schwerbehindert gilt, wer einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 vorweist. Ab dann haben Betroffene Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis und Nachteilsausgleiche.

Mehr als zwei Drittel 65 Jahre oder älter

Mehr als zwei Drittel der im Saarland lebenden Menschen mit Schwerbehinderung sind 65 Jahre oder älter. Der Landesbehindertenbeauftrage Daniel Bieber rechnet aufgrund des demographischen Wandels damit, dass diese Gruppe auch in Zukunft weiter wachsen wird.

So ist die Zahl der Menschen mit Schwerbehinderung, die 65 sind oder älter, seit 2017 laut Daten des Statistischen Landesamtes um mehr als 30 Prozent gestiegen (73.490). Von den 60- bis 65-jährigen Saarländerinnen und Saarländern leben aktuell 12.385 mit einer Schwerbehinderung.

Mehr Angebote, mehr Pflegepersonal

Um eine ausreichende Versorgung der Menschen gewährleisten zu können, seien dringend mehr Pflege-, Betreuungs- und Förderungsangebote im Saarland nötig. Die Landesregierung müsse zudem "endlich dafür sorgen, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten", fordert Bieber. "Neben einer Reform der Heilerziehungserziehungspflege-Ausbildung brauchen wir zwingend bessere Arbeitsbedingungen".

Ein weiteres Problem sei die unzureichende Anzahl stationärer Einrichtungen für jüngere Menschen mit Schwer- und Mehrfachbehinderungen. Schon heute seien viele schwerbehinderte Menschen unter 60 Jahren aufgrund mangelnder Plätze in Alten- und Pflegeheimen untergebracht, die ihren Bedarfen und Bedürfnisse nicht gerecht werden können.

"Nicht hinnehmbar"

Es sei nicht im Sinne der Eingliederungshilfe und damit "nicht hinnehmbar", dass eine Vielzahl jüngerer Menschen mit Intensivpflegebedarf aufgrund eines mangelnden Platzangebotes mit einem hohen Anteil an alten, teilweise fortgeschritten demenzerkrankten Menschen leben müsse, so Bieber weiter.

"Ziel der Eingliederungshilfe ist es, Schwerbehinderte zu einer gleichberechtigen Teilhabe am sozialen Leben und einer möglichst selbstbestimmten Lebensführung zu führen."

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