Klaus Bouillon (Foto: Imago Images/Becker & Bredel)

Generalstaatsanwalt ermittelt wegen Verdacht des versuchten Mordes

mit Informationen von Thomas Gerber   07.05.2020 | 17:40 Uhr

Nach dem mutmaßlichen versuchten Anschlag auf den Dienstwagen des saarländischen Innenministers Klaus Bouillon (CDU) ermittelt nun der Generalstaatsanwalt wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Unbekannte sollen die Radschrauben des Fahrzeugs gelöst haben.

Vieles deutet auf einen Anschlag hin: Als Saarlands Innenminister Klaus Bouillon (CDU) am Mittwoch in seinem Dienstwagen in St. Wendel unterwegs war, habe plötzlich die Technik der Limousine Alarm geschlagen, bestätigte die Staatsanwaltschaft dem SR.

Video [aktueller bericht, 07.05.2020, Länge: 2:08 Min.]
Verdacht des versuchten Mordes an Klaus Bouillon

Werkstattfehler ausgeschlossen

Anschlagsversuch auf Bouillon?
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 07.05.2020, Länge: 02:59 Min.]
Anschlagsversuch auf Bouillon?

Nach SR-Informationen haben die kriminaltechnischen Untersuchungen ergeben, dass an allen vier Rädern Schrauben gelockert worden waren. Und zwar so, dass sich bei schneller Fahrt die Räder ganz gelöst hätten. Die Kappen waren nach der Tat wieder auf die Schrauben gesetzt worden, sodass mit dem bloßen Auge alles normal erschien.

Dass es sich um einen Werkstattfehler handelt, scheint ausgeschlossen - der Audi A8 hatte keine Radwechsel hinter sich. Die Tatzeit konnte zwischenzeitlich eingegrenzt werden. Demnach müssen sich die Täter zwischen Freitag dem 1. und Dienstag dem 5. Mai an dem Audi, der vor Bouillons Wohnhaus in St. Wendel geparkt war, zu schaffen gemacht haben. Die Polizei sucht nach Zeugen.

Angriff auf die Grundfeste unserer Gesellschaft

Sollte sich der mutmaßliche Anschlag auf Minister Bouillon bewahrheiten, spricht Regierungssprecher Alexander Zeyer (CDU) von einem "Angriff auf die Grundfeste unserer Gesellschaft", der "aufs Schärfste zu verurteilen" sei. Einschüchterung und körperliche Gewalt seien mit Nichts zu rechtfertigen. "Eine solche Tat ist kein harmloser Spaß – da müssen wir als Gesellschaft und Rechtsstaat entschieden und mit aller Konsequenz entgegentreten", sagte Zeyer.

Kein Bekennerschreiben

Mittlerweile hat die Polizei den Dienstwagen bereits kriminaltechnisch untersucht. Zudem seien die Sicherheitsmaßnahmen für Bouillon verschärft worden. Der Generalstaatsanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Inzwischen geht es um den Verdacht des Mordes. Zuvor war das Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen Verdacht des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gelaufen.

Auch ein terroristischer Hintergrund – ein wie auch immer politisch motivierter Anschlag – kann nicht ausgeschlossen werden. Ein Bekennerschreiben oder Ähnliches liegt nach SR-Informationen allerdings bislang nicht vor.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.05.2020 berichtet.

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