Bei einem Patienten wird ein Corona-Abstrich durchgeführt (Foto: Sebastian Knöbber)

Wirtschaft lehnt Testpflicht für Unternehmen ab

Karin Mayer    29.03.2021 | 06:30 Uhr

Unrealistisch und nicht zu Ende gedacht – so denken die Wirtschaftsorganisationen im Saarland über eine Corona-Testpflicht für Unternehmen. Die Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU) und die Industrie- und Handelskammer des Saarlandes (IHK) wollen von der Testpflicht für Unternehmen nichts wissen. 

VSU-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter sagte dem SR, viele Unternehmen seien bereit, die Mitarbeiter zu testen, um Infektionen zu vermeiden. Eine Testpflicht sei aber nicht realistisch, denn es gebe viele kleinere Unternehmen ohne eigene Betriebsärzte. Sie wüssten nicht, wie sie diese Tests organisieren könnten. Der Politik sei es nicht gelungen, eine Testpflicht umzusetzen, den Unternehmen traue sie das offenbar zu. Beim Testen von Grenzgängern habe das Saarland gute Erfahrungen gemacht. 

Mehr als die Hälfte der Unternehmen testen 

Ablehnung von Coronatestpflicht in Unternehmen
Audio [SR 3, Karin Mayer, 28.03.2021, Länge: 01:01 Min.]
Ablehnung von Coronatestpflicht in Unternehmen

IHK-Hauptgeschäftsführer Frank Thomé weist darauf hin, dass laut DIHK-Umfrage bereits über die Hälfte der Unternehmen Coronatests für Mitarbeiter anbietet. Die Forderung nach einer Testpflicht sei nicht zu Ende gedacht. Es gebe Beschaffungsengpässe, offene Fragen zu Hygienebestimmungen und es sei unklar, welche Tests eingesetzt werden sollen.

Die Erfahrung mit den Grenzgänger-Tests habe gezeigt, wie teuer die Maßnahme sei. Ein Großbetrieb müsse nur für Grenzpendler mehrere 10.000 Euro pro Woche ausgeben. Frank Thomé forderte die Landespolitik auf, die Wirtschaft bei Tests und Impfungen zu unterstützen und die Kompetenz der Unternehmen einzubeziehen. Sein Appell: Lasst uns erst miteinander beraten und dann beschließen. 

Viele arbeitsrechtliche Fragen

Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter testen, gibt es viele arbeitsrechtliche Fragen, betont IHK Hauptgeschäftsführer Frank Thomé. Angefangen von der Wartezeit vor Testzelten, bis hin zu der Frage, was mit einem positiven Testergebnis geschieht.

VSU-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter weist darauf hin, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter vermutlich nicht zu Tests verpflichten können. Ähnlich wie in den Schulen könnten die Tests nur freiwillig angeboten werden. Nur wenn die Beschäftigten bereit seien, sich testen zu lassen, könne das Unternehmen sie durchführen. 

Impfungen vorbereiten 

Umfassenden Schutz für die Beschäftigte wird nur durch Impfen erreicht, so Martin Schlechter. Der VSU-Hauptgeschäftsführer sagte dem SR weiter, das Land müsse jetzt Strukturen für schnelleres Impfen schaffen. Es gebe die Möglichkeit auf Betriebsärzte zurückzugreifen, das sei extrem viel Aufwand und brauche Vorlaufzeit. Er erwarte dazu nun ein Signal aus der Landespolitik. 

Kanzleramtsminister Helge Braun hat sich für eine Testpflicht in Unternehmen ausgesprochen, wenn eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft nicht umgesetzt wird. 

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 29.03.2021 berichtet.

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